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Cartoons aus dem Buch: Kurioses aus der Bahn

Foto: hauckundbauer.de

Kuriose Bahn-Durchsagen "Bitte beachten Sie, dass die Toiletten nicht paarungsgeeignet sind!"

Der Kontrolleur gibt sich als Karnevalsprinz aus, der Lokführer fragt am Bahnhof nach dem Weg: Das Bahn-Personal beweist gern Humor und Schlagfertigkeit. Ein neues SPIEGEL-ONLINE-Buch präsentiert die besten Anekdoten von unterwegs - lesen Sie hier einen Auszug!

Wer eine Kontaktanzeige schreibt, überlegt sich jedes Wort sehr genau. Nicht nur, weil jeder Buchstabe Geld kostet, sondern vor allem, weil jedes Wort den Schreiber in ein besonders vorteilhaftes Licht rücken soll. Bemerkenswert ist deshalb der Abschluss dieses kurzen Textes in der Rubrik "Kennenlernen" im "Zeit-Magazin": "Ich mag Brahms, Kandinsky, Loriot und besitze eine Bahncard."

Warum erwähnt der promovierte Naturwissenschaftler (53/1,83/Nichtraucher) seine Bahncard, um beim anderen Geschlecht aufzutrumpfen? Ob er damit eine Chance hat gegen den "alten Segler" in der Anzeige direkt darüber, der eine weibliche Begleitung fur abenteuerliche Törns sucht? Oder gegen den "vermögenden Adligen", der "in gehobener Position tätig" ist und sich bestimmt lieber im polierten Sportwagen als im Zugabteil von A nach B bewegt?

Die Frage, ob Bahnfahren sexy macht, werden wohl viele zunächst verneinen. Sie denken an schwitzende Menschen in überfüllten Großraumwagen, an streng riechende Brösel-Picknicks im Abteil, an "Schatz, ich komme später, Oberleitungsschaden"-Handyanrufe.

Doch vergleichen Sie mal Passagiere nach sechs Stunden Flug und nach sechs Stunden Bahnfahrt: Letztere sehen gewöhnlich erheblich weniger zerknautscht aus, haben keine trockenen Augen oder Knieschmerzen. Sogar Wissenschaftler fanden bereits heraus, dass Zugfahren gut für die Gesundheit ist. So gesund wie Segeln allerdings wohl nicht, gegen diesen Kandidaten kann unser Beispielsingle also noch nicht punkten.

Ausflug mit Michelangelo

Probieren wir deshalb eine andere Lesart der Anzeige: Wer Brahms, Kandinsky und seine Bahncard im gleichen Satz erwähnt, spielt darauf an, dass eine Zugreise eine höchst kultivierte Angelegenheit ist. Wer viel aus dem Fenster schaut, lernt tatsächlich jede Menge über das Land, durch das er gerade reist, über die Geografie und die landschaftlichen Unterschiede, viel mehr als ein Flugpassagier oder ein Autofahrer.

Erwischt man jedoch einen Waggon voller sangesfreudiger Fußballfans (meist keine Bach-Kantaten) oder pubertierender Schüler auf Klassenfahrt, ist das Gefühl, ein besonders exklusives Beförderungsmittel zu nutzen, schnell dahin. Also, in einem solchen Fall: ebenfalls Vorteile für den Sportflitzer des vermögenden Adligen und das Segelboot. Vielleicht will der einsame Mann nur sagen, dass er mobil und auch für eine Fernbeziehung zu haben ist.

Aber vielleicht muss man seinen Text auch noch ganz anders lesen. Im Kern steht dort nämlich: "Ich mag Loriot und besitze eine Bahncard." Lieber Naturwissenschaftler, 53, damit überzeugen Sie uns. Wir würden Sie gerne kennenlernen und könnten uns sogar eine gemeinsame Zugfahrt vorstellen. Denn Loriot und Bahncard, das passt zusammen wie Schirmmütze und Schaffnerkopf.

Den Beweis dafür liefern die folgenden Anekdoten, die uns Leser geschickt haben. Sie sind Auszüge aus dem neuen SPIEGEL-ONLINE-Buch "Sorry, wir haben uns verfahren" , das jetzt überall zu kaufen ist.

Sorry, der Lokführer hat eine Störung!

In einem Regionalzug der Nord-Ostsee-Bahn nach Itzehoe kam die Durchsage des Lokführers: "Sehr geehrte Fahrgäste, wenn Ihnen die Zugfahrt gefallen hat, befindet sich der Ausstieg in Fahrtrichtung links. Wenn nicht, in Fahrtrichtung rechts! Vielen Dank!"

Patricia Harders, Hannover

Durchsage im ICE von Frankfurt nach Amsterdam: "Aus gegebenem Anlass müssen wir Ihnen mitteilen, dass unsere Toiletten nicht paarungsgeeignet sind. Wir bitten Sie, dies zu berücksichtigen."

Fabian Brüggemann, Düsseldorf

Durchsage in einem Regionalexpress: "Moin, Moin! Ist zufällig ein Polizist oder ein Soldat in diesem Zug anwesend? Ich würde Sie dringend bitten, nach ganz vorne zu kommen. Und vergessen Sie Ihre Dienstwaffe nicht, es ist wichtig!" Alle Passagiere schauen sich verdutzt an. Fünf Minuten später dann: "Ich kann Sie beruhigen, meine Damen und Herren, es ist nichts passiert. Mein Kollege hat dank meiner Durchsage vorhin lediglich eine Wette verloren und muss jetzt meine Schicht übernehmen. Schönen Tag noch!"

Muhammet Yanik, Bremen

Nach einem Stopp auf offener Strecke sieht man einen Lokführer mit ratloser Miene neben dem Zug auf den Gleisen hin und her gehen. Darauf die nicht sehr beruhigende, aber durchaus erheiternde Durchsage: "Bitte entschuldigen Sie den außerplanmäßigen Halt, der Lokführer hat eine Störung!" Wir haben es alle geglaubt!

Christiane Hirsch, Wiesbaden

Lokführer im Landeanflug

Mein Bruder ist Lokführer, hat einen großartigen Sinn für Humor und vertreibt sich auf vielen einsamen Schichten damit die Zeit. Zum Beispiel so: Manchmal muss er außerplanmäßig auf dem Bahnhof kleinerer Ortschaften anhalten. Er öffnet dann das Fenster oder die Tür und fragt wartende Leute auf dem Bahnsteig: "Entschuldigen Sie, aber ich glaube, ich habe mich verfahren - wo geht es denn hier nach München?" Er schwört Stein und Bein, dass die Menschen ihm meistens sehr hilfsbereit die Richtung erklären!

Heike Vogt, London, Großbritannien

Im Regionalzug zwischen Hamburg und Lüneburg ertönen plötzlich rauschende, knackende Geräusche wie beim Funkverkehr aus den Bordlautsprechern. Der Lokführer meldet sich: "Hier noch eine kleine Durchsage aus dem Cockpit. Wir befinden uns im Landeanflug auf Winsen. Unsere Reisegeschwindigkeit beträgt 160 km/h, und wir hoffen, dass Sie sich an Bord des Metronom wohl fühlen. Wenn Sie links aus dem Fenster schauen, sehen Sie das Winsener Schloss, rechts sehen Sie das Gelände der Bundesgartenschau. Wir verringern nun unsere Reisegeschwindigkeit und beginnen mit der Anfahrt auf die Haltestelle Winsen. Allen aussteigenden Fahrgästen wünschen wir einen schönen Tag und sagen bye-bye."

Ich blickte sofort rechts und links aus dem Fenster, aber außer Bäumen an der Bahnstrecke war nichts von den angekündigten Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Doch dann fiel mir ein: Das kann man natürlich nur sehen, wenn man mit dem Flugzeug unterwegs ist!

Steffen Persiel, Hamburg

Eine Zugfahrt am Abend; es ist der Heimweg von der Arbeit und zudem Montag. Ein Kontrolleur läuft durch die Gänge und sagt mit lauter Stimme und freundlicher Mimik: "Werte Damen und Herren, ich bitte Sie - ich weiß, es ist spät nach Feierabend -, Ihre Fahrkarte herauszukramen." Ich zeigte ihm keine Monatskarte wie die meisten anderen, sondern einen Einzelfahrschein. "Oh, das sieht man aber sehr selten, vielen Dank, der Herr!", war seine Reaktion. Dann sagte er zu den anderen Passagieren: "Auch Ihre Fahrkarten werde ich sehen müssen." Darauf ein weiblicher Gast: "Ach, Sie sind der Kontrolleur?" Seine Antwort: "Nein, meine Dame, ich bin der Karnevalsprinz und auf der Suche nach meiner Prinzessin!" Wir haben alle herzlich gelacht! Mein Dank an den Zugbegleiter, denn alle waren wieder munter und werden diese Fahrt nicht vergessen.

Christian Geppert, Spalt

Auf der Fahrt von München nach Berlin sagte der Lokführer: "Könnten die Kollegen der Saft- und Brötchen-Abteilung bitte mal nach ganz vorne kommen? Meine Frau hat vergessen, mir etwas einzupacken, und ich habe Hunger! Danke." Das ganze Abteil lag am Boden vor Lachen!

Alexander Pat, Berlin

Auf dem Weg im ICE von Köln nach Frankfurt auf der wunderschönen Rheinstrecke sah unser Schaffner nicht nur Rudi Völler verblüffend ähnlich, er war auch eine wahre rheinische Frohnatur. Kurz hinter Koblenz rauschte er in unser Großraumabteil mit der Frage: "Hier noch jemand zugestiegen? Und wenn ja, warum?" Und da behaupte noch mal jemand, die Deutsche Bahn habe kein Interesse an ihren Fahrgästen!

Marion Müller-Klausch, Hamburg

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