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30 Jahre danach: Am Drehort von "Last Christmas"

Foto: Photopress/ dpa

30 Jahre "Last Christmas" von Wham! Schmu im Schnee von Saas-Fee

Mit Dauerwelle und Liebesschmerz: Vor 30 Jahren kam "Last Christmas" heraus, einer der erfolgreichsten Weihnachtshits der Popgeschichte. Das Video der Band Wham! wurde in Saas-Fee gedreht - die Bewohner erkannten ihr Dorf kaum wieder.

"But the very next day, you gave it away..." In Dauerschleife tönt jedes Jahr George Michaels Singsang aus den Boxen der Glühweinbuden. "Last Christmas" des britischen Duos Wham! ist gleichzeitig der wohl meist geliebte und meist gehasste Weihnachtssong der Popgeschichte. Und einer der erfolgreichsten. Nach Schätzungen bringen Michael die Rechte jährlich acht Millionen Euro ein.

Vor genau 30 Jahren, am 15. Dezember 1984, wurde der Ohrwurm veröffentlicht. Das Musikvideo dazu wurde zuvor im Schweizer Saas-Fee gedreht. Als George Michael damals bei Nacht in dem kleinen Skiort ankam, musste er schnell feststellen, dass sein Status als Popstar hier nicht viel zählte.

Mit einer Stretchlimousine wollte seine Filmcrew am Hotel vorfahren, doch so weit kamen sie nicht. Sie durften ihren Wagen dort weder abstellen noch in den kommenden Tagen benutzen. Saas-Fee war und ist autofrei - Transporte erledigt man hier mit kleinen, elektrisch angetriebenen Kastenwagen.

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Gleich nach dem Aussteigen stellten ein paar Schneeflocken George Michael vor erste Probleme: "Auf den paar Metern zwischen Auto und Hoteleingang ist er auf seinen glatten Sohlen ganz schön geschlittert", erinnert sich Robi Anthamatten. Er war damals 14 Jahre alt und hatte bis kurz vor Mitternacht ausgeharrt, um die Ankunft von Wham! zu erleben, die damals Welthits wie "Wake Me Up before You Go-Go" hatten.

Saas-Fee statt Gstaad

Ein Popstar in Nöten - da hilft man natürlich. Also griff Anthamatten sich den Koffer von George Michael und fuhr mit ihm im Aufzug bis in den vierten Stock. "Ich dachte, ich bekomme ein Wahnsinnstrinkgeld, aber er hat mir am Ende eine kleine Münze, 50 Pence zugesteckt." Er lacht.

Heute ist Robi Anthamatten Besitzer eines Hotels mit Bar und Klub mit dem dem Namen Popcorn, wie die Popzeitschrift, die in den Achtzigern populär war - soll einer sagen, Georg Michaels Besuch hätte keine Spuren in Saas-Fee hinterlassen!

300 Meter vom Popcorn entfernt liegt das Hotel Ferienart, ein Fünf-Sterne-Haus mit Holzbalkons. 1984 hieß es noch Walliserhof, und Beat Anthamatten, Bruder von Robi, war damals Direktor. Er war auch verantwortlich dafür, dass nicht der Kanton Bern den Zuschlag für das Video bekam, sondern Saas-Fee im Wallis. "Eigentlich sollten die Aufnahmen in Gstaad gemacht werden, aber dort gab es keinen Schnee", erzählt der heute 56-Jährige.

Und Schnee haben sie in Saas-Fee, meistens jedenfalls. Der Ort liegt auf 1800 Metern, und im Skigebiet geht es hoch bis auf 3500 Meter. Ende Oktober 1984 kam ein Mann von der Filmcrew in den Ort, um sich umzuschauen. "Das Video sollte in einem klassischen Chalet spielen, so etwas gibt es hier kaum. Trotzdem war er zufrieden", erzählt Beat Anthamatten.

Schon fünf Tage später kam der Tross nach Saas-Fee - alles musste sehr schnell gehen, denn das Video sollte rechtzeitig zur Weihnachtszeit fertig sein. Der Zeitdruck erklärt auch, warum der Clip mit einem Schwenk über ein Bergpanorama in dichtem Nebel beginnt - um auf besseres Wetter zu warten, war wohl schlicht keine Zeit. In der folgenden Videoszene fahren zwei Geländewagen (mit Sondergenehmigung der Gemeinde) bei einer Gondel vor, zehn Personen steigen aus den Autos und dann in die Seilbahn.

Die Story des Clips: Ein Mann, gespielt von George Michael, hat sein Herz vergangene Weihnachten einer Frau geschenkt - doch schon am nächsten Tag hatte sie einen anderen. Der wird im Video dargestellt vom Bandkollegen Andrew Ridgeley. Im Clip hat George Michael eine neue Freundin, und zu Weihnachten treffen sich die Paare mit anderen Freunden in einem Chalet in den Alpen. Dorthin soll sie die Gondel bringen.

Plötzlich war das Autogramm weg

"Totaler Quatsch", sagt Charly Schmidt. "Die Bergstation liegt auf 3000 Metern, dort oben gibt es keine Chalets." Schmidt fuhr die Gondel im Videodreh und ist auch kurz zu sehen - allerdings bewegte er sie nur wenige Meter aus der Talstation und wieder zurück, das reichte für die Aufnahmen.

Die berühmte Aussicht von der Bergstation der Felskinn-Bahn auf die blaue Abbruchkante des Fee-Gletschers, auf die 13 Viertausender rundherum und bis in die Berner Alpen - das alles hätten George Michael und seine Crew nie gesehen. Da ist sich Schmidt sicher.

Ein Chalet musste dennoch her - das Team entschied, die Außenszenen vor einem Haus am Ortsrand zu drehen. Die Darsteller tollten dort durch den Schnee, kletterten über einen Holzzaun, bewarfen sich mit Schneebällen.

Allerdings hatte man für das Haus keinen Schlüssel - die Innenszenen mussten deshalb ein paar hundert Meter entfernt im Gemeindezentrum Steinmatte aufgenommen werden. Der Raum ist heute leer geräumt. Der offene Kamin an der Wand jedoch, aus Ziegelstein gemauert und mit Kupferblech beschlagen, ist eindeutig im Video zu erkennen. Hier tauschten George Michael und seine Ex im Video tiefe Blicke - heute ein kalter Ort.

Dann lieber hinunter ins Tal zur Popcorn-Bar, wo sich die Jugend trifft. Inhaber Robi Anthamatten schmückte einst den Weihnachtsbaum, der im Video zu sehen ist. Heute steht er an der Bar und erzählt lächelnd eine Geschichte, die für ihn damals eine Tragödie war: Zum Abschied hatte er sich von George Michael eine Jacke signieren lassen. "Aber gerade als ich gemerkt hatte, wie cool das eigentlich war, war sie verschwunden", sagt er. "Meine Mutter hatte sie in die Altkleidersammlung gegeben."

Dann verabschiedet er sich, um sich ums Geschäft zu kümmern, Bar und Klub füllen sich. Erst läuft HipHop, später Daft Punk. Nur "Last Christmas" wird nicht gespielt. Ob es alle nicht mehr hören können?

Zumindest im Video geht die Wham!-Weihnachtsgeschichte gut aus: George Michael geht glücklich lächelnd mit der Frau, die seine neue Freundin darstellt, aus dem Bild. Passend zur Weihnachtszeit, ein Happy End in Saas-Fee.