Fotostrecke

Urlaub auf den letzten Drücker: Wo sich Last Minute noch lohnt

Foto: arte/ picture-alliance / obs

Tipps für den Günstigurlaub Wo sich Last Minute noch lohnt

Die Ferien beginnen - und Sie haben noch kein Hotel? Dann geht es Ihnen wie vielen, denn während der Fußballweltmeisterschaft wurde weniger gebucht. Die besten Tipps für einen Urlaub auf den letzten Drücker.

Die Zeit vergeht so schnell. Schon wieder ist der Sommer da und der Badeurlaub noch nicht gebucht. Aber glücklicherweise gibt es ja die Last-minute-Reisen, da wird sich schon noch was Passendes finden. Doch halt: Lohnt sich das überhaupt noch?

Angebote gibt es jedenfalls reichlich. Vor allem in der Türkei: Dort wurden Dutzende neuer Hotels gebaut, die auf russische Gäste gesetzt haben, aber die machen sich diesen Sommer rar. Auch in Griechenland, eigentlich Gewinnerziel in der Reisehitparade 2014, ist auffällig viel frei - vor allem auf Kreta, das nicht wirklich am Boom teilhatte.

Richtung Kanaren haben offenbar einige Veranstalter allzu optimistisch Reisen eingekauft - die müssen jetzt weg. Und nach Mallorca geht eigentlich immer etwas; das ist auch kein Wunder bei dem riesigen Betten- und Flugangebot. Die absoluten Kracherpreise bietet freilich Ägypten: Die politische Lage hat in der Hauptbuchungszeit bis März viele Stammkunden abgehalten zu buchen. Die Badeziele Scharm al-Scheich und Taba auf dem Sinai hat das Auswärtige Amt überdies gerade erst wieder für reisetauglich befunden.

Last-minute-Markt hat sich verändert

Das gewaltige Angebot stößt auf eine eher dahindümpelnde Nachfrage. Im Juni wurden neun Prozent weniger Pauschalreisen verkauft als im Vorjahr. Während der Fußballweltmeisterschaft hatten die Deutschen anderes zu tun, als Urlaub zu buchen. Erst jetzt, mit dem WM-Titel unterm Arm, soll es richtig losgehen. Fast zu spät, denn in einigen Bundesländern haben die Sommerferien bereits begonnen. Optimistisch bleibt Markus Orth vom Last-minute-Marktführer L'tur: "Last-minute-Reisen buchen stabil ein Viertel der Urlauber", sagt er.

Eins ist Last-minute-Urlaub allerdings nicht mehr: immer supergünstig. Das liegt einerseits an den Ferienterminen. Die sind in diesem Jahr von den großen Bundesländern so dicht aufeinander angesetzt wie noch nie. Alle wollen also gleichzeitig weg. Und was alle kaufen wollen, bleibt teuer.

Hinzu kommt, dass sich der Last-minute-Markt überhaupt verändert hat: Auf dem Wühltisch liegen heute nicht mehr dieselben Pauschalreisen, die vor einem halben Jahr in den Katalogen standen. Was nicht verkauft werden konnte, haben die Reiseunternehmen längst in seine Bestandteile zerlegt und neu zusammengepuzzelt. Gern bringen sie jetzt Hotels auf den Markt, die ursprünglich schwedischen, britischen oder russischen Gästen angeboten worden waren.

Für den Urlauber bedeutet das: Auf die gute alte Frage "Wie hoch war denn der Originalpreis?" gibt es oft keine Antwort mehr. Wer sichergehen will, nicht zu viel zu bezahlen, dem bleibt nichts übrig, als im Internet bei zwei oder drei der großen Onlinereisebüros zu prüfen, was dasselbe Hotel zum gleichen Zeitpunkt anderswo kostet. So sind Mogelpackungen schnell enttarnt.

Doch ob in der alten Verpackung oder neu zusammengeschnürt: Ein Hotel, das zur Hochsaison noch viele Betten frei hat, gilt erst mal als suspekt. Natürlich kann es gute Gründe dafür geben: Ganz neue Häuser haben es oft nicht mehr in die Frühbucherkataloge geschafft. Mancher Hotelier hat zunächst mit den Preisen zu hoch gepokert. Veranstalter haben unverkaufte Kontingente zurückgegeben. Oder ein Zielgebiet läuft einfach gerade nicht wie derzeit Ägypten und Marokko.

Reisebüro oder Vergleichsportal

Der Urlauber tut aber immer gut daran, genau zu prüfen, was andere in Hotelbewertungsportalen wie Holidaycheck über das Hotel gesagt haben. Wichtigste Kennzahl dort ist die Weiterempfehlungsrate. Wenn die unter 85 Prozent liegt, dann sollte man besser genau in die Bewertungen blicken. Da wird schnell ersichtlich, ob man mitten unter trinkfreudigen Engländern landet oder Ferien auf der Baustelle machen soll.

Wo fängt man am besten mit der Suche an? Ein gutes Reisebüro nimmt einem die Arbeit ab und hat auf alles Zugriff, was der Markt hergibt. Ansonsten startet man am simpelsten bei den großen Restplatzvermarktern L'tur, Bucher und Fünf vor Flug. Ebenfalls einen guten Überblick bieten die marktführenden Webreisebüros Expedia.de, hlx.de, Opodo und Ab-in-den-Urlaub.de. Gut sind auch die Veranstalterwebseiten von 1-2-Fly über Schauinsland bis Alltours.

Egal, wo man sucht: Entscheidend ist die Möglichkeit zum Preisvergleich. Was ist das häufigste Ärgernis? Vor der Buchung sollte man wirklich sicher sein, denn Stornierungen gehen ins Geld. Ab sechs Tagen vor Reisebeginn sind es üblicherweise 55 Prozent, ab zwei Tagen vor Start in den Urlaub 85 bis 90 Prozent des Reisepreises. Daher sollten gerade Kurzfristurlauber über eine Reiserücktrittskostenversicherung nachdenken - ansonsten die möglichen Häkchen bei der Buchung entfernen.

Lohnt sich Last Minute?

Worauf gilt es sonst noch zu achten? Die wichtigsten Tipps heißen: bei einem deutschen Veranstalter buchen, Geld nur anzahlen, wenn man gleichzeitig einen Sicherungsschein gegen Veranstalterkonkurs erhält. Und schauen Sie vor allem bei den modernen Click-und-Mix-Angeboten genau hin, ob bei der gebuchten Reise auch ein Transfer vom Flughafen zum Hotel dabei ist.

Lohnt sich Last Minute also noch? Die Antwort heißt: Ja, aber nur, wenn man eher der ungebundene Typ ist. Mit kühlem Kopf vor der Buchung lässt sich so durchaus ein Schnäppchen machen. Wer dagegen Familie hat und im Alltag ohnehin schon gestresst ist, der bucht am besten jetzt gleich zweimal: erst zwei Wochen Strand gegen den Stress und dann gleich noch mal fürs nächste Jahr - zu den besten Frühbucherkonditionen.

srt/Hans-Werner Rodrian
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.