Leck im Rumpf Kreuzfahrtschiff in der Antarktis evakuiert

Aufregung an Bord der "Nordkapp": Fast 300 Passagiere mussten den Kreuzfahrtriesen verlassen - mitten in der eiskalten Antarktis. Das Schiff war auf Grund gelaufen, im Rumpf klaffte ein Loch. Ein starker Sturm erschwerte die Rettungsarbeiten.


Oslo - Auf Gummibooten setzten die 294 Reisenden des norwegischen Kreuzfahrtschiffes "Nordkapp" gestern Abend auf das zur Hilfe herbeigeeilte Schwesterschiff "Nordnorge" über. Zuvor hatten sie 24 Stunden lang auf Rettung warten müssen, weil ein Sturm den Transfer erschwerte.

Evakuierung in der Antarktis: Ein Boot der "HMS Endurance" eilt dem beschädigten Kreuzfahrtschiff "Nordkapp" zu Hilfe
REUTERS/Kelly Whybrow/Crown Copyright (ANTARCTICA)

Evakuierung in der Antarktis: Ein Boot der "HMS Endurance" eilt dem beschädigten Kreuzfahrtschiff "Nordkapp" zu Hilfe

Die 123 Meter lange "Nordkapp" war bereits am Dienstag vor der Antarktis-Insel Deception Island auf Grund gelaufen. Dabei war der Rumpf beschädigt worden. Es habe jedoch nie ernsthafte Gefahr für die Passagiere bestanden, die Evakuierung sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, sagte Hanne K. Kristiansen, Sprecherin der Reederei Hurtigruten. Die "Nordnorge" war nach Angaben der Onlineausgabe der norwegischen Zeitung "Aftenposten" zum Zeitpunkt des Unglücks acht bis zehn Segelstunden von ihrem Schwesterschiff entfernt.

Bei der Rettungsaktion in Booten, die normalerweise für kleine Landausflüge benutzt werden, halfen Soldaten des britischen Kriegsschiffes "HMS Endurance" der Crew. Marinetaucher sollen nun die Schäden am Rumpf untersuchen. "Um 22.10 Uhr hatten wir alle Passagiere sowie acht Crewmitglieder auf die 'Nordnorge' gebracht – verletzt wurde niemand", sagte Kristiansen. Die restlichen 68 Crew-Mitglieder blieben an Bord des Unglücksschiffes. "Das Schiff ist am Rumpf beschädigt, aber wir haben keine Schlagseite", sagte Betriebsdirektor Torkil Torkildsen der norwegischen Tageszeitung "Dagladet Online". Die norwegische Zeitung "VG" widersprach in ihrer Onlineausgabe der Behauptung der Presseagentur Associated Press (AP), durch das Loch im Rumpf sei Wasser in das Schiff gedrungen.

Zunächst seien die Passagiere nervös gewesen, als das Schiff auf Grund lief, doch bald sei allen klar gewesen, dass keine wirkliche Gefahr bestand, sagte der norwegische Reisegast Terje Johansen der AP. Bei dem Sturm habe es sich lediglich um "ein paar kleine Wellen" gehandelt. Auch Zeitungen, die kurz nach dem Unglück Kontakt mit der Besatzung hatten, berichteten, an Bord herrsche Gelassenheit.

Wellengang verhinderte Evakuierung

Die "Nordkapp" hatte am Dienstag zunächst aus eigener Kraft von dem unter Wasser gelegenen Felsen freikommen können und ankerte anschließend in den geschützten Gewässern der "Walker Bay". Danach verhinderte jedoch zunächst der Wellengang den sicheren Transfer der aus 19 Ländern stammenden Passagiere.

Normalerweise verkehren die 1996 gebaute "Nordkapp" und ihr baugleiches Schwesterschiff nur in norwegischen Gewässern. Die "Nordnorge" nahm nach Aufnahme der Schiffbrüchigen Kurs auf den südargentinischen Hafen Ushuaia. Vor der Evakuierungsaktion musste das Schifffahrtsamt eine Sondergenehmigung geben, weil das Schiff mit jetzt 613 Passagieren und 84 Besatzungsmitgliedern überfüllt ist.

Die " Nordkapp" war kurz vor ihrem letzten Stopp auf der Route nach Argentinien, als sie auf Grund lief. Die Ankunft des Schiffes in Argentinien war für morgen geplant. Die Route sollte über Kap Horn gehen. Wegen des Schadens sei anzunehmen, dass die drei letzten Fahrten der " Nordkapp" in die Antarktis in dieser Saison storniert würden, teilte die Reederei laut "Aftenposten" mit.

sto/anr/dpa/ap

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