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27. August 2012, 17:33 Uhr

Tourismus in Sachsen

Leuchtturm-Hotel im Lausitzer Seenland geplant

Früher wurde hier Braunkohle abgebaut, dann wurden die Gruben geflutet, nun soll das Lausitzer Seenland Touristen anlocken. Damit die Region attraktiver wird, braucht es Ideen: Eine ist das Leuchtturm-Hotel am Geierswalder See.

Hoyerswerda - Ein Leuchtturm mitten in Sachsen? Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich so etwas auszudenken. Das Licht des rotweißgeringelten Turmes soll künftig auf ein Hotel aufmerksam machen und Urlauber in das Lausitzer Seenland leiten. Darauf hofft Unternehmerin Heike Struthoff. Noch ist ihr extravagantes Leuchtturm-Hotel am Geierswalder See zwar in Planung, aber schon ist es Station einer offiziellen Pressereise des Freistaats Sachsen.

Mit der Eröffnung 2014 soll der Leuchtturm ein Wahrzeichen für das gesamte Seenland werden, wenn es nach der Unternehmerin aus Hoyerswerda geht. Wo früher Braunkohle abgebaut wurde, entsteht Europas größte zusammenhängende Seenlandschaft. Künstlich wurden die 23 Seen mit 13.000 Hektar Wasserfläche geschaffen.

Sie verteilen sich über ein Gebiet in Sachsen und Brandenburg, das größer ist als das Saarland. Zehn der Seen werden mit schiffbaren Kanälen verbunden. Der große Aufwand für die Renaturierung soll sich auch touristisch bezahlt machen.

Sachsen baut sich seine eigene Ostsee vor die Haustür. Was die Natur nicht gegeben hat, macht die Technik möglich. Seit 20 Jahren werden dazu riesige Erdmengen und Wassermassen transportiert. Eine technische Höchstleistung, die den Steuerzahler bereits mehr als neun Milliarden Euro gekostet hat. Ein gigantisches Projekt, vielleicht auch eine gigantische Chance für die Region - oder ein gigantischer Flop.

Aus der Industrieregion wird ein Urlaubsgebiet. Allerdings blieb der große Besucheransturm bislang aus, räumt der Vorsitzende des Zweckverbandes Lausitzer Seenland und Bautzener Landrat, Michael Harig (CDU), ein. Noch erinnern die künstlichen Seen an einsame Mondlandschaften. Aber immer mehr Urlauber wissen diese eigentümliche Kulisse zu schätzen. 2011 wurden im Seenland 400.000 Übernachtungen gezählt, 2020 hofft die Tourismusbranche auf eine Million.

Verrückter Traum vom Leuchtturmhotel

Die Seen ziehen neben Badegästen, Radfahrern, Skatern und Seglern auch Surfer, Kitesurfer und Jetskifahrer an. An jedem See werde es eine andere Idee geben, verspricht der Zweckverband Lausitzer Seenland: Die Region sucht händeringend Investoren - "Menschen mit Engagement und Pioniergeist".

Heike Struthoff ist so eine Person. Gemeinsam mit Architekt Mike Meder setzt sie ihren verrückten Traum vom Leuchtturmhotel in die Realität um. 26 Zimmer und Ferienwohnungen werden sich auf fünf Gebäude verteilen. Eines der Zimmer soll sich direkt im Leuchtturm, 22 Meter über dem See, befinden. "Das ist ein kleines Zimmer, aber ich kann Ihnen versprechen, das wird schön", sagt die umtriebige 50-Jährige.

Nun hält maritimes Flair langsam Einzug in das Seenland. Doch eine Menge Wasser macht noch kein Urlaubsparadies. An den künstlich angelegten Seen sind schattenspendende Bäume nur spärlich vorhanden und es mangelt an nahe gelegenen Einkaufsmöglichkeiten. Auch die Sportangebote sind noch ausbaubar. Das raue, moderne Seenland mit seinen endlosen geteerten Radwegen ist sicherlich Geschmackssache.

Würstchen grillen auf dem BBQ-Donut

"Es kommt darauf an, was die Leute suchen. Suchen sie Abgeschiedenheit und Ruhe, sind sie hier richtig", sagt Gastronomin und Bootsverleiherin Silvia Siermann. Für Partyurlauber sei die Region eher nicht eignet. Bei der Geschäftsidee der 44-Jährigen steht Entspannung an erster Stelle. Der Name ihrer Strandbar "Grill & Chill" - ebenfalls am Geierswalder See gelegen - ist Programm.

Mit sogenannten BBQ-Donuts können bis zu zehn Personen auf den See hinaus schippern und auf den ringförmigen Booten Würstchen rösten. Im dritten Jahr ist Siermann zufrieden mit den Besucherzahlen. Tagesausflügler von Berliner Unternehmen sind bislang ihre häufigsten Gäste. Im nächsten Jahr werde das Geschäft richtig anziehen, hofft sie - wenn der sogenannte Überleiter 12 fertig ist.

Mit diesem schiffbaren Kanal soll der Geierswalder See ab 1. Juni 2013 mit dem Senftenberger See verbunden werden. Der See auf brandenburgischer Seite existiert bereits seit 1972. Der Tourismus hat hier bereits Tradition, an guten Tagen ist der Strand überlaufen.

Eine ähnliche Entwicklung wünscht sich die Tourismusbranche auch für den Geierswalder See. Durch das Leuchtturmhotel sollen mehr Urlauber länger verweilen und - so hoffen die umliegenden Anbieter - mehr Sportangebote nutzen. Leuchttürme sind Symbole der Hoffnung, sie geben das Versprechen, bald anzukommen. Ob das Seenland bald bei mehr Urlaubern ankommt? Abwarten.

jus/dapd

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