Liegestuhl-Knappheit Was beim Handtuch-Battle zu beachten ist

Handtuch drauf, Liege gesichert - was in der Theorie wie eine harmlose deutsche Marotte klingt, kann im Urlaub Nerven kosten. Sind Hotels nicht verpflichtet, genügend Sonnenstühle bereitzustellen? So einfach ist das nicht, sagen Reiserechtsexperten.

Relaxt: Auf diesem Kreuzfahrtschiff ist der Handtuch-Streit noch nicht ausgebrochen
dapd

Relaxt: Auf diesem Kreuzfahrtschiff ist der Handtuch-Streit noch nicht ausgebrochen


Düsseldorf- Viele Urlauber kennen das Problem: Wenn in der Hochsaison die Hotels überfüllt sind, werden die Plätze am hauseigenen Swimmingpool knapp. Wer in einem vollen Hotel das Schwimmbecken samt Liegen nur aus der Ferne sieht, hat aber Reiserechts-Experten zufolge nur in Ausnahmefällen die Möglichkeit, den Veranstalter dafür zu belangen.

"Bei einem Hotel mit 1000 Betten kann man nicht die gleiche Zahl von Liegen erwarten. Es ist ja auch unwahrscheinlich, dass sich das komplette Hotel zur gleichen Zeit an den Pool legt", sagt Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die Reiserechtlerin verweist auf ein Urteil des Amtsgerichts München, nach dem es keinen Reisemangel darstelle, wenn ein Veranstalter für etwas mehr als 1000 Gäste nur 642 Liegen bereitstelle. "Im rechtlichen Sinne ist das eine Unannehmlichkeit. Dagegen kann man nicht vorgehen", sagt sie.

Badetuch begründet kein Besitzrecht

Das Problem liegt Wagner zufolge darin begründet, dass ein Reisemangel im allgemeinen nur dann vorliegt, wenn ein Urlauber etwas in anderem Zustand vorfindet, als es ihm angekündigt wurde. "Aber es macht ja niemand Werbung mit der Anzahl der Liegen, die er am Pool stehen hat", sagt sie. Allerdings müsse man sich immer den konkreten Einzelfall ansehen. "Es reicht sicher nicht, wenn der Reiseveranstalter nur drei Liegen hinstellt." In solchen Fällen hätten Verbraucher vor Gericht gute Chancen, doch handele es sich hierbei auch um ein Extrembeispiel, erläutert Wagner.

So überschaubar die Chancen bei einer nachträglichen gerichtlichen Auseinandersetzung sind, so gut sind sie, wenn es vor Ort darum geht, einen Platz zu erobern. Da man als Urlauber keinen Rechtsanspruch auf einen Liegeplatz habe, gelte dasselbe nämlich auch für die Mitreisenden, sagt Beate Wagner - speziell für die bei vielen Touristen beliebte Methode, ihren Platz mit einem Badetuch zu markieren. "Ein Badetuch begründet noch keine Besitzrechte. Wenn über Stunden auf einer solchen Liege niemand gesehen wird, muss man dieses nicht liegen lassen."

Fingerspitzengefühl gefragt

Allerdings sollten Urlauber, die eine per Badetuch markierte Liege übernehmen wollen, nicht eigenmächtig handeln, rät Wagner - und das Tuch schon gar nicht einfach wegräumen; gleiches gilt natürlich auch für weitere persönliche Gegenstande anderer Hotelgäste. "Sicherer ist, sich an das Hotelpersonal zu wenden und darum zu bitten, dass die Liege freigeräumt wird." Alternativ könne man auch fragen, wohin man die Gegenstände legen solle.

Grundsätzlich sei es aber wichtig, nicht auf Konfrontationskurs zu gehen, sondern mit allen Beteiligten einen Ausgleich zu suchen. "Das ist eine Frage des Umgangs miteinander. Es geht bei solchen Dingen nicht nur um Rechtsverständnis, sondern auch um Fingerspitzengefühl", betont die Verbraucherschützerin.

abl/dapd

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
eigene_meinung 13.04.2011
1. Liegestuhl-Besetzer
Mit notorischen Liegestuhl-Besetzern kann man nicht verhandeln, da hilft nur Selbsthilfe. Das Besetzen von Liegestühlen mit Handtüchern ist die gleiche Unart wie das Besetzen von Tischen mit Jacken in Selbstbedienungsrestaurants, bevor man sich in die Schlange an der Essensausgabe einreiht. (Es gibt noch andere Beispiele.) Mit Vernunft und Rücksichtnahme wären genug Liegestühle und genug Tische ... vorhanden; aber Vernunft und Rücksichtnahme gibt es nicht mehr in Schland.
ignazwrobel 13.04.2011
2. Rücksicht
Zitat von eigene_meinungMit notorischen Liegestuhl-Besetzern kann man nicht verhandeln, da hilft nur Selbsthilfe. Das Besetzen von Liegestühlen mit Handtüchern ist die gleiche Unart wie das Besetzen von Tischen mit Jacken in Selbstbedienungsrestaurants, bevor man sich in die Schlange an der Essensausgabe einreiht. (Es gibt noch andere Beispiele.) Mit Vernunft und Rücksichtnahme wären genug Liegestühle und genug Tische ... vorhanden; aber Vernunft und Rücksichtnahme gibt es nicht mehr in Schland.
In Deutschland nimmt Niemand auf den Anderen Rücksicht. Nur auf sich selbst wir Rücksicht genommen
Ambermoon 13.04.2011
3. Willkommen, Ambermoon.
Zitat von eigene_meinungMit notorischen Liegestuhl-Besetzern kann man nicht verhandeln, da hilft nur Selbsthilfe. Das Besetzen von Liegestühlen mit Handtüchern ist die gleiche Unart wie das Besetzen von Tischen mit Jacken in Selbstbedienungsrestaurants, bevor man sich in die Schlange an der Essensausgabe einreiht. (Es gibt noch andere Beispiele.) Mit Vernunft und Rücksichtnahme wären genug Liegestühle und genug Tische ... vorhanden; aber Vernunft und Rücksichtnahme gibt es nicht mehr in Schland.
Mit Verlaub, aber a) ist bei diesem Beispiel eine Unmittelbarkeit gegeben, das Einreihen leitet ja den Kaufvorgang ein. Und b) ist es eher semiprickelnd, mit einem vollen Tablett dazustehen und festzustellen, dass kein Platz mehr frei ist. Aber Liegen reservieren ist doof, volle Zustimmung.
unifersahlscheni 13.04.2011
4. ...
Zitat von ignazwrobelIn Deutschland nimmt Niemand auf den Anderen Rücksicht. Nur auf sich selbst wir Rücksicht genommen
...also ich lasse gerne bei Kleinigkeiten an Waren andere an einer Kasse vor und werde ebenso zu 90 Prozent vorgelassen... ...aber vielleicht liegt es auch an der gesunden Spessartluft und man ist gelassener... ...in welcher Gegend müssen sie denn leben? :)
Leeuw 13.04.2011
5. Hier könnte Ihre Werbung stehen!
Zitat von sysopHandtuch drauf, Liege gesichert - was in der Theorie wie ein harmlose deutsche Marotte klingt, kann im Urlaub Nerven kosten. Sind Hotels nicht verpflichtet, genügend Sonnenstühle bereitzustellen? So einfach ist das nicht,*sagen Reiserechtsexperten. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,756823,00.html
Meine Frau und ich haben beim frühmorgendlichen Spaziergang in der Türkei mal sämtliche auf den Liegen drapierten Badetücher untereinander vertauscht, war das ein Spass (und hoffentlich verjährt???).
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