Lockangebote von Fluggesellschaften EU hat deutsche Internetseiten nicht untersucht

Jede zweite Website barg eine böse Überraschung: Die EU hat Buchungsseiten von fast 450 Fluggesellschaften unter die Lupe genommen und berichtet von Verbrauchertäuschung. Deutsche Internetseiten wurden in der Studie allerdings nicht getestet.


Brüssel/Berlin – Die EU-Kommission hat irreführende Lockangebote beim Verkauf von Flugtickets im Internet angeprangert. Bei der Überprüfung von 447 einschlägigen Internetportalen seien auf 226 Websites unlautere Verkaufspraktiken festgestellt worden, erklärte Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva heute bei der Vorstellung der Studie in Brüssel. Werde bis Ende Januar keine Abhilfe geschaffen, so müssten die verantwortlichen Unternehmen mit Sanktionen rechnen. Wie viele Fluggesellschaften in welchen Ländern betroffen sind, konnte Kuneva nicht sagen.

Die Internetseiten wurden von Verbraucherschutzbehörden in 15 EU-Staaten sowie in Norwegen überprüft, Deutschland war an der Untersuchung nicht beteiligt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das dafür zuständig ist, sei "relativ kurzfristig" von der EU informiert worden, sagte ein BVL-Sprecher. Deutschland werde daher erst bei der nächsten derartigen Untersuchung teilnehmen. Deutsche Airlines würden lediglich mit ihren Internetauftritten in anderen Ländern erfasst. Das BVL hatte die Kompetenz in diesem Jahr von den Verbraucherzentralen übernommen.

Neue EU-Vorschrift zu Flugtickets in Arbeit

Wie viele der bemängelten Websites von Fluggesellschaften und wie viele etwa von Reiseveranstaltern betrieben werden, konnte die EU-Kommission nicht sagen. Kuneva erklärte, Namen sollten erst Ende Januar oder Anfang Februar genannt werden, sofern die Unternehmen ihre Verkaufspraktiken nicht änderten. In diesem Fall "haben wir die Möglichkeit, Websites zu schließen oder Strafen zu verhängen", sagte die Verbraucherschutzkommissarin. Auf Nachfrage musste sie allerdings einräumen, dass über die Verhängung von Sanktionen ausschließlich die betroffenen EU-Staaten entscheiden.

Der SPD-Europaabgeordnete Ulrich Stockmann wies darauf hin, dass für den Verkauf von Flugtickets neue EU-Vorschriften in Arbeit sind. Unter anderem soll klargestellt werden, dass schon bei Beginn der Buchung der volle Preis angegeben werden muss. Die Richtlinie könne voraussichtlich noch vor Jahresende verabschiedet werden, sagte Stockmann der Nachrichtenagentur AP.

Verbraucherschützer erringen Sieg gegen LTU

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin erklärte, seine Erfahrungen in Deutschland deckten sich mit denen der EU-Studie. Die Verbraucherschützer beobachteten demnach in jüngster Zeit eine Zunahme indirekter und dadurch versteckter Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr habe der vzbv 20 Abmahnungen wegen irreführender Preiswerbung bei 16 Fluggesellschaften ausgesprochen.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf urteilte nun in einem Fall, dass die Fluggesellschaft LTU nicht mehr mit Flugpreisen ohne Kerosinzuschlag werben darf (Az: I-20 U 86/07). In zehn weiteren Fällen hätten die Airlines Unterlassungserklärungen abgegeben oder der vzbv habe die Verfahren wegen Vermeidung von Doppelprozessen umgangen. Anhängig ist demnach unter anderen noch ein Verfahren gegen Air Baltic wegen mangelnder Verfügbarkeit eines besonders günstigen Fluges.

Versteckte Kosten bei Billigfliegern

Während LTU mit dem Kerosinzuschlag schummelte und viele Fluglinien mit Steuern und Gebühren in der Werbung ein Versteckspiel betreiben, haben Billigflieger noch ganz andere Tricks auf Lager. Sie sorgen mit kostspieligen Extras dafür, dass das vermeintliche Schnäppchenticket am Ende ziemlich teuer wird. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die wichtigsten Gebühren:



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.