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Lokale Agenturen: Zwischen Backpacking und Pauschalurlaub

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Unterwegs mit lokalen Reiseagenturen Start-ups vermitteln maßgeschneiderte Reisen

Sie organisieren individuelle Trips und sind Spezialisten für ihr Land - lokale Agenturen können eine Alternative zum Pauschalurlaub sein. Doch wie findet man einen seriösen Anbieter in der Ferne?

Der Pauschalurlaub ist zu langweilig, aber für die selbst geplante Backpacker-Tour fehlt dann doch die Zeit? Früher mussten sich Reisende zwischen diesen beiden Möglichkeiten entscheiden, heute gibt es einen dritten Weg: eine individuell zusammengestellte Tour bei einem lokalen Veranstalter direkt vor Ort.

Google und Bewertungsportale helfen zwar bei der Suche nach einem guten Anbieter. Doch nicht immer ist es ganz einfach, zuverlässige Agenturen vor Ort zu finden. Verschiedene Start-ups im Internet wollen vermitteln. Sie heißen Mister Trip , Wedesigntrips  oder Evaneos  und bringen deutsche Reisende und örtliche Veranstalter zusammen.

Wie funktionieren die Angebote?

Das Grundprinzip ist bei allen ähnlich: Der Urlauber nennt dem Portal seine Reisewünsche - also etwa Ziel, Zeitraum, Orte und bevorzugte Aktivitäten. Die Plattform vermittelt dann einen lokalen Veranstalter, der anhand dieser Informationen eine maßgeschneiderte Reise zusammenstellt.

Nach der Buchung verwaltet der Vermittler außerdem die Zahlung des Urlaubers und kümmert sich um Fragen und Änderungswünsche. "Damit man nicht 2000 Euro einfach nach Südafrika überweisen muss", sagt Ambros Gasser, Geschäftsführer von Wedesigntrips. Das Start-up sitzt in Österreich und arbeitet mit Partnern in 35 Ländern zusammen. 80 Prozent der Kunden sind Deutsche.

Wedesigntrips, das deutsche Unternehmen Mister Trip und die französische Firma Evaneos vermitteln meist komplette Reisen. Für einzelne Ausflüge sind die Anbieter nicht gedacht. Bausteine sind aber möglich.

Was sind die Vorteile für Urlauber?

Die Anbieter werben vor allem damit, dass ihre Reisen im Gegensatz zum Pauschalangebot komplett individuell sind - und im Vergleich zur Eigenrecherche im Netz bequem zu buchen.

"Der Wunsch nach Individualisierung ist riesengroß", sagt Martin Buller, Vorstand im Verband Internet Reisevertrieb (VIR) . "Die Pauschalreise kommt aus einer Zeit, in der die Menschen noch kein Englisch gesprochen haben und Italien exotisch war. Man konnte nicht einmal mit dem Hotelier telefonieren." Heutige Fernreisende können sich meist auf Englisch verständigen und sind weit gereist - eine starre Pauschalreise durch Südafrika oder Sri Lanka ist für sie oft nicht mehr zeitgemäß.

Die Portale weisen außerdem auf die Expertise der lokalen Partner hin. Nach Ansicht Gassers kann ein deutsches Reisebüro, das von Surfen an der Algarve bis zur Safari in Afrika alles anbietet, da nicht mithalten.

Eine Fernreise komplett selbst zusammenzustellen, ist dagegen oft aufwendig. "Es ist ein hoher Rechercheaufwand, den richtigen Anbieter vor Ort zu finden", sagt Michael Wurst, Geschäftsführer von Mister Trip. Wie kommt man von A nach B? Was für Aktivitäten gibt es? Wie seriös ist die lokale Agentur wirklich? Wer Vollzeit arbeitet, hat oft keine Zeit, all diese Fragen selbst zu klären.

Weil deutsche Reisebüros und Veranstalter umgangen werden, soll so auch mehr Geld im Reiseland ankommen. Wedesigntrips arbeitet etwa nur mit inhabergeführten Agenturen, die keinem ausländischen Konzern gehören. Dadurch schrumpft die Wertschöpfungskette, auch wenn die Portale natürlich auch ihre Provisionen kassieren.

Für wen sind solche Reisen interessant?

"Unsere Zielgruppe sind Menschen, die eher 35 als 25 sind", sagt Gasser. "Sie wollen reisen wie früher, haben aber nur noch zwei Wochen statt zwei Monate Zeit. Und statt fünf Dollar pro Nacht im Hostel geben sie nun gerne auch mal 50 Dollar im Hotel aus." Die Reisen der lokalen Veranstalter sind nicht unbedingt günstiger als eine Pauschalreise.

Es sind also oft ehemalige Rucksackreisende, die mittlerweile ein gewisses Maß an Organisation und Absicherung schätzen. Gasser nennt sie augenzwinkernd "Backpacker mit Bausparvertrag". Auch bei Mister Trip liegt die Hauptzielgruppe Wurst zufolge bei 35 bis 55 Jahren, aber auch viele deutlich ältere Reisende seien dabei.

Was passiert, wenn etwas schiefgeht?

Der große Vorteil der deutschen Pauschalreise ist ihre rechtliche Absicherung: Der Urlauber bekommt bei Insolvenz des Veranstalters sein Geld zurück, kann bei Mängeln nachträglich den Reisepreis mindern und Schadenersatz verlangen. Die Portale sind dagegen nur Vermittler, der Vertrag kommt mit dem lokalen Veranstalter zustande. Und das ist laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bei Haftungsfragen entscheidend. Im Zweifel gilt das Recht des Urlaubslandes. Nachträgliche Ansprüche lassen sich in Nicht-EU-Ländern oft nur schwer durchsetzen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Reisende hilflos der lokalen Agentur ausgeliefert ist. Die Vermittler haben Ansprechpartner im Zielland, es gibt Notfallnummern und Kontaktadressen.

Kunden können die Veranstalter bewerten - wer schlecht ist, fliegt raus. Wedesigntrips arbeitet nur mit ausreichend versicherten Agenturen mit mindestens fünf Jahren Erfahrung und deutschsprachigen Mitarbeitern vor Ort zusammen. "Die meisten unserer Partner gibt es seit 20, 25 Jahren", sagt Gasser. Die Qualität werde ständig kontrolliert.

Ob sich für die Vermittlungsportale etwas ändert, wenn ab Sommer 2018 das neue Pauschalreiserecht gilt, ist noch offen. Das neue Gesetz soll Urlauber, die sich ihre Reise im Internet zusammenstellen, besser schützen, etwa mit einer Insolvenzabsicherung. "Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor", sagt Wurst.

Philipp Laage, dpa