London-Sydney in 19 Stunden und 19 Minuten Ein Flug, zwei Sonnenaufgänge

Den Sonnenaufgang aus dem Flugzeug zu betrachten, hat für viele Passagiere etwas Magisches. An Bord eines Dreamliners sahen sie nun gleich zwei Mal den Tag anbrechen - so lange dauerte der Testflug.

Peter Rae/ EPA-EFE/ REX

Rund 17.750 Kilometer lang war der Weg, erreicht war das Ziel nach 19 Stunden und 19 Minuten. Qantas hat erneut einen Ultralangstreckenflug ohne Zwischenlandung absolviert - diesmal ging die Reise von London nach Sydney.

"Wir haben einen Doppel-Sonnenaufgang gesehen", sagt Qantas-Chef Alan Joyce. Gemeint ist damit die Tatsache, dass die Passagiere aufgrund der Länge des Flugs und seiner Richtung zwei Mal die Sonne aufgehen sahen.

"Touchdown", heißt es im Twitteraccount von Qantas. "Die eingesparte Zeit = 1 Stunde und 57 Minuten" - verglichen mit der Verbindung von London über Singapur nach Sydney. Der bei der Landung noch übrige Treibstoff habe rund 6300 Kilogramm betragen, was noch in etwa eine Stunde und 45 Minuten Flugzeit ermöglicht hätte.

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Von London nach Sydney: 19 Stunden, 19 Minuten

Im Rahmen ihres Project Sunrise lotet die australische Airline derzeit zwei Nonstop-Fernstrecken aus, die zu den längsten der Welt zählen. Erst im Oktober hatte Qantas erstmals die Nonstop-Verbindung von New York nach Sydney erfolgreich hinter sich gebracht. Ob diese und London-Sydney es letztlich in den Flugplan schaffen, will das Unternehmen erst später entscheiden.

Die im Oktober zurückgelegte Strecke von New York nach Sydney betrug 16.200 Kilometer. Damit war sie mehr als 1500 Kilometer kürzer als die nun absolvierte Strecke von London nach Sydney. Dennoch war die Flugdauer fast gleich lang: Aus den USA brauchte der Dreamliner drei Minuten weniger als aus Europa - nämlich 19 Stunden und 16 Minuten -, was laut Qantas auf die Windverhältnisse zurückzuführen ist.

REUTERS

Die Ultralangstrecke von London nach Sydney war keine Premiere. Schon einmal ist eine Qantas-Mannschaft diesen Weg nonstop geflogen - vor 30 Jahren. Auf Twitter postete die Airline Fotos von der Crew damals und heute.

1989 wurde die Strecke mit einer Boeing 747-400 zurückgelegt. Diesmal war es eine fabrikfrische Boeing 787-9 namens "Longreach". Es waren gut 50 Passagiere an Bord, die eine besondere Funktion erfüllen. Sie sind Testflieger, denn Qantas verspricht sich von den Probeflügen eine Reihe neuer Erkenntnisse. Sie trügen dazu bei, den "Jetlag zu minimieren und das Wohlbefinden zu verbessern", schreibt Qantas.

Es geht dabei um den Komfort in der Kabine und den Stress, den ein fast 20 Stunden langer Flug auslösen kann. Dafür werden unter anderem auch die Gehirnströme der Mitfliegenden gemessen. An Bord sind auch Wissenschaftler, die Piloten wie Passagiere während des Flugs zu bestimmten Themen befragen. Es finden auch Analysen zum Schlafrhythmus auf der Ultralangstrecke statt.

"Wir werden die Passagiere ermutigen, um zehn Uhr morgens zu schlafen", sagt die am Projekt beteiligte Wissenschaftlerin Corinne Caillaud. Ziel sei, die Körper der Reisenden bereits auf die Zeit in Sydney einzustellen. Dafür werde bereits zur Frühstückszeit das Abendessen serviert.

Eine Boeing 787-9 auf dem Weg von London nach Perth
Rüdiger Wölk/ imago images

Eine Boeing 787-9 auf dem Weg von London nach Perth

Doch das ist nicht das Einzige, was Qantas auf diesen Marathonstrecken verändern will. "Wir wissen, dass Reisende auf solchen Flügen Platz brauchen, um sich zu bewegen", sagt Qantas-Chef Joyce. Er denke darüber nach, Zonen einzuführen, in denen die Passagiere Raum hätten für Stretching. Griffe über den Sitzen könnten Fluggäste zu kleinen Gymnastikübungen animieren.

Wer hat den Längsten?

Derzeit hat Singapore Airlines den längsten Flug der Welt im Angebot: Bis zu 18 Stunden braucht eine Maschine für die mehr als 15.000 Kilometer lange Distanz zwischen Singapur Changi und dem westlich von New York City gelegenen Flughafen Newark. Qantas selbst ist auch bereits kommerziell auf einer Ultralangstrecke unterwegs - von Perth an der Westküste Australiens nach London.

jus

insgesamt 8 Beiträge
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chiefseattle 15.11.2019
1. Nutzlast
Eine Reserve von knapp 2 Stunden nach einem 20 Stunden Flug ist eigentlich okay. Fragt sich, wie die 787-9 die Strecke unter voller Nutzlast bewältigt. Alternativ gibt es noch den Airbus A350-1000 und bald (?) auch die Boeing 777-X.
tommybonn2000 15.11.2019
2. hmmm....
Also unter volllast dürfte es vom treibstoff deutlich knapper werden. Vor allen Dingen bei so einem langen Flug wird nicht immer alles glatt laufen. Aber am übelsten ist: schon bei den heutigen Langstreckenflügen (ab 8.Stunden Flugzeit) sind thrombosen und damit verbundene Lungenembolien, vor allem bei vielfliegern und erstaunlicherweise auch bei jungen Leuten, gar nicht mal so selten. Zumindest nicht so selten wie die Airlines gerne behaupten. Ich alleine kenne aus meinem Bekanntenkreis 2 Personen, einer davon 20 jahre alt, die daran gestorben sind. Wobei die dunkelziffer hoch sein dürfte, denn vor allem eine lungenembolie kann auch erst wochen nach einem langstreckenflug auftreten. Also ich würde da lieber etwas länger und mit Pausen fliegen.
Irgend.Wer 15.11.2019
3. Alternative Zwischenlandung
Mal angenommen, man würde ein Zwischenlandung rein zum Auftanken machen. Die Treibstoffersparnis/Co2/Kostenersparnis wäre deutlich höher als der Flugzeitverlust.
thomas_linz 15.11.2019
4. Irgend.Wer
Zitat von Irgend.WerMal angenommen, man würde ein Zwischenlandung rein zum Auftanken machen. Die Treibstoffersparnis/Co2/Kostenersparnis wäre deutlich höher als der Flugzeitverlust.
Da dürften Sie Recht haben, bis die Rechnung für die Flughafen ins Haus flattert. Die betraegt dann locker 10-15.000 Dollar plus die Kosten für die 2 Extrastunden Flugzeit. Eine Tonne Kerosin kostet aktuell so um die 6-800 Dollar. Das geht sich nur aus, wenn Sie auf dem Flug mit Zwischenlandung mehr Payload haben.
spiegelzelt 15.11.2019
5. "Ultralangstreckenflüge: Nonstop um die Welt - auf Kosten des Klimas"
Eine Zwischenlandung verbraucht noch mehr Sprit denn ein Start samt Aufsteigen auf Gipfelhöhe verbrät viel mehr Sprit als fix oben drüberzurauschen. Zudem kann eine noch kürzere Strecke gewählt werden als beim Anfliegen eines Flughafens für eine Zwischenlandung.
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