Londoner U-Bahn "Mind the gap"-Stimme ist geschasst

Sie war die Stimme der Londoner Tube: Emma Clarke. Die Sprecherin zahlloser Durchsagen und der berühmten Warnung "Mind the gap" ist von ihrem Auftraggeber gefeuert worden. Auf ihrer Website hatte sie sich kritisch über die U-Bahn geäußert.


London - Touristen und Pendler müssen Abschied nehmen. Nach acht Jahren wird sie auf ihren Wegen durch die unterirdischen Tunnel, Treppen und Bahnhöfe nicht mehr wie gewohnt die Stimme von Emma Clarke begleiten. Die Betreibergesellschaft London Underground hat die Zusammenarbeit mit der 36-Jährigen aufgekündigt, wie das Unternehmen heute mitteilte. Die als freie Synchronsprecherin tätige Clarke hatte auf ihrer eigenen Website Parodien auf U-Bahn-Durchsagen veröffentlicht, in denen sie sich etwa über US-Touristen lustig machte. Außerdem sparte sie nicht mit Kritik an der "Tube".

"Wir möchten unsere amerikanischen Urlauberfreunde daran erinnern, dass sie fast immer zu laut reden", heißt es in einer der "Durchsagen". In einer anderen fordert sie einen Passagier auf, nicht so zu tun, als lese er Zeitung, während er in Wirklichkeit auf die Brüste der Frauen starre, denn er könne "niemanden zum Narren halten, Sie dreckiger Perverser". In einem der Beträge weist sie Fahrgäste darauf hin, dass der "bärtige Gentleman mit seinem Rucksack" lediglich "einige Sandwichs und ein Foto von seinem bärtigen Onkel" dabei habe. Damit spielt sie auf die Rucksackbomber der Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn im Juli 2005 an. Damals starben 56 Menschen.

Clarke nannte zudem die Londoner U-Bahn "fürchterlich", deshalb wolle sie in Zukunft auch nicht mehr damit fahren. Ein Sprecher von London Underground sagte, das Problem sei mehr Clarkes Kritik an ihrem Auftraggeber als ihre Witze. "Einige der Ulk-Durchsagen sind sehr witzig. Aber Emma ist ein bisschen dumm, wenn sie die Dienste ihres Auftraggebers niedermacht", sagte er laut "Evening Standard". Die Tube steht in der Kritik, stets überfüllt, verspätet und viel zu teuer zu sein. Clarke sagte der Zeitung, sie bedaure die Entscheidung des Unternehmens. Sie habe niemanden runtermachen, sondern lediglich lustig sein wollen.

abl/AFP/dpa



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