Lonely-Planet-Trends 2017 Kanada? Echt?

Unschlüssigen Urlaubern mit Lust auf Ungewöhnliches hilft die "Best in Travel"-Reihe von Lonely Planet bei der Zielfindung. Wie aber konnte Kanada auf Platz eins der Trends gelangen?

Jedes Jahr zehn neue absolute Top-Kracher-Reiseziele zu finden, ist nicht einfach. Die Welt hat nun einmal nur offizielle 193 Staaten - viel mehr werden es nicht, und Kolumbus' Zeiten sind längst vorbei. Die Verfasser der "Best in Travel"-Reihe von Lonely Planet schaffen es jedoch immer wieder, interessante Regionen der Erde zu identifizieren - und vor allem gute Argumente zu finden, warum man ausgerechnet jetzt genau dahin reisen sollte.

Die Ziele, die die Reiseführer-Spezialisten auf ihre Listen setzen, mussten in drei Aspekten punkten: Es sollte einen aktuellen Anlass geben, sie müssen einmalige Erlebnisse und einen eher unbeschreibbaren "Wow-Faktor" bieten. Für Urlauber, die das Besondere suchen, sind die Jahrbücher eine tolle Inspiration.

Nur in diesem Jahr verblüfft das Länder-Ranking etwas - dabei soll es doch helfen, 2017 "zu den Trendzielen zu gelangen, bevor die Massen kommen". Kanada gelangt an Top eins - und das, weil es seinen 150. Geburtstag feiert? Dabei gilt das zweitgrößte Land der Welt unter Outdoor- und Tier-Fans schon lange als Sehnsuchtsziel. Der zurzeit eher schwache kanadische Dollar und der anlässlich des Jubiläums freie Eintritt in die Nationalparks versüßen allerdings im kommenden Jahr die lange Anreise. Auch Finnland (auf Platz 3) feiert 2017 ein Jubiläum: sein Hundertjähriges, mit ungewohnt vielen Events und gewohnt toller Natur.

Unter den in der Rangliste folgenden Ländern sind aber auch einige, die erst langsam auf die Weltkarte des Tourismus rutschen: ob Mongolei, Oman, Myanmar oder Äthiopien - diese Stempel hat nicht jeder in seinem Reisepass. Dort entwickelt sich die touristische Infrastruktur erst seit ein paar Jahren, und nach und nach werden sie auch für Reisende ohne Pionierambitionen interessant. Kolumbien auf Platz zwei ist schon länger ein für Lateinamerika verhältnismäßig sicheres Reiseziel  - selbst wenn die Friedensverhandlungen zwischen Guerilla und Regierung erst einmal gescheitert sind.

Spannender ist allerdings das Regionen-Ranking. Oder haben Sie schon von Choquequirao in Peru gehört? Einer Ruinenstadt im Dschungel mit Machu-Picchu-Flair, nur bisher ohne Touristenüberflutung? Schnell hin, meinen die Autoren, eine Seilbahn ist schon geplant.

Auch sonst gehören einige ihrer Tipps in die Kategorie "Biegen Sie mal vom Mainstream ab": zum Beispiel zum Mount Taranaki auf der Nordinsel Neuseelands, zu der Region Aysén in Patagonien, an die Küste von Georgia oder auf die Tuamotus in Französisch-Polynesien. Und bei Letzteren zucken die Finger schon zu den Reisepapieren: Die grün überwucherten Atolle liegen in verführerisch türkis-blauer Südsee - ohne protzige Hotelbauten, dafür mit vielen neuen Tauchgebieten.

Was weltweit kulturell 2017 ansteht und im Trend ist, lässt sich am Städte-Ranking ablesen: In Bordeaux (Platz eins) überzeugt das neue Weinmuseum Cité du Vin und die Néo-Bistros, die von kreativen jungen Köchen betrieben werden. Mérida (Rang vier) auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán wird Kulturhauptstadt Amerikas und ist ebenfalls ein boomendes Feinschmeckerreiseziel. Wie Mérida ist auch Ohrid in Mazedonien nur wenigen bekannt, der Rest der Rangliste sind eher alte Bekannte unter den Trendsettern: etwa Kapstadt, Los Angeles oder Lissabon.

Interessant für Backpacker und andere Reisende, die ihr Budget genau kalkulieren müssen, sind die Preis-Leistungs-Tipps. Allerdings sind sie nur im Verhältnis günstig - das heißt, wenn man es schon nach Mittelamerika geschafft hat, dann bietet Belize sehr viel Karibik für eher wenig Geld. Von günstigen Wechselkursen profitieren Moskau- und Namibia-Urlauber, und von Natur aus preiswert sind noch Nepal, Marokko und Ungarn.

Kaum ein Backpacker - oder besser: Flashbacker - ist ja heutzutage ohne Smartphone und Laptop unterwegs: Als zwei der fünf Bonus-Trend-Rankings führt der "Best in Travel 2017" originelle Instagram-Blogs und die besten Arbeitsplätze für digitale Nomaden (darunter das Betahaus in Berlin) auf.

Trendziele 2017 von Lonely Planet

Platz Land Stadt Region
1 Kanada Bordeaux, Frankreich Choquequirao, Peru
2 Kolumbien Kapstadt, Südafrika Taranaki, Neuseeland
3 Finnland Los Angeles, USA Azoren, Portugal
4 Dominica Mérida, Mexico Nord-Wales, Großbritannien
5 Nepal Ohrid, Mazedonien South Australia, Australien
6 Bermuda Pistoia, Italien Aysén, Chile
7 Mongolei Seoul, Südkorea Tuamotu-Inseln, Franz. Polynesien
8 Oman Lissabon, Portugal Küste von Georgia, USA
9 Myanmar Moskau, Russland Perak, Malaysia
10 Äthiopien Portland, USA Skellig-Ring, Irland
Quelle: "Best in Travel 2017" von Lonely Planet

Mit dem deutschen Trendpotential für 2017  sieht es nach Meinung der Lonely-Planet-Autoren wohl mau aus. Dabei hatte es im vergangenen Jahr sogar ein deutsches Bundesland - natürlich Bayern - in das Regionen-Ranking geschafft. Vielleicht brauchen Städte und Regionen in Deutschland die Unterstützung gar nicht.

Vielleicht aber wissen die britischen Verleger von Lonely Planet gar nicht, was hierzulande passiert? Was ist Ihr Tipp in Deutschland für 2017? Schicken Sie uns Ihre Idee mit Foto - per Mail - oder posten Sie Ihr Foto auf Instagram. Die Besten zeigen wir!

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