Sparprogramm Lufthansa-Chef spekuliert über kostenpflichtige Bordsnacks

Klar ist, dass die Lufthansa Geld sparen muss - unklar ist, an welchen Stellen. Konzernchef Franz denkt nun laut über einen Kniff der Billig-Airlines nach: für Snacks an Bord Geld zu verlangen.
Süßes über den Wolken: "Wir bedienen ja nur die Kundenwünsche"

Süßes über den Wolken: "Wir bedienen ja nur die Kundenwünsche"

Foto: Corbis

Hamburg - Sandwich, Müsliriegel, Tomatensaft - bisher müssen Passagiere für die Bordverpflegung auf Lufthansa-Flügen nichts extra bezahlen. Doch ob das in Zukunft so bleiben wird, ist nicht klar. Lufthansa-Chef Christoph Franz stellt die Gratisverpflegung an Bord in Frage, wie die "Zeit" berichtet. "Bei der Lufthansa gehören kostenlose Getränke und ein Snack zur Erwartungshaltung der Kunden", sagte Franz. "Aber wenn es bestimmte Zahlungsbereitschaften nicht mehr gibt, muss sich das irgendwann im Produkt widerspiegeln. Wir bedienen ja nur die Kundenwünsche."

Müssen Fluggäste von Deutschlands größter Airline demnächst also fürs Essen zahlen, wie es auch bei Billigfluggesellschaften üblich ist? "Einen konkreten Beschluss dazu gibt es nicht", sagte Lufthansa-Sprecher Helmut Tolksdorf SPIEGEL ONLINE. Die Erwägung stehe im Zusammenhang mit den 2500 Ideen, die entwickelt wurden, um den Konzern zukunftsfähig zu machen.

Lufthansa hat sich einem eisernen Spar- und Effizienzprogramm verschrieben, das bis 2015 zu einer Ergebnisverbesserung von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr führen soll. Weniger Ausgaben und mehr Erlöse, heißt die Devise. Unter anderem werden innerdeutsche und innereuropäische Flüge künftig über die Billigtochter Germanwings abgewickelt. Der Konzern will außerdem weltweit 3500 Stellen in der Verwaltung streichen.

Vom Tisch sind allerdings Pläne, die Catering-Sparte LSG Sky Chefs zu verkaufen. Nach einer strategischen Überprüfung sei das Management zu dem Schluss gekommen, dass das Geschäft auch künftig zum Konzern gehören solle, teilte der Konzern am Donnerstag in Frankfurt mit. Der Vorstand sehe Wachstumschancen im Catering und wolle neue Geschäfte - etwa durch die Belieferung von Schulen - erschließen. Zudem sei LSG zentral für das Passagier-Kerngeschäft der Lufthansa. "Ohne LSG wären wir abhängig von drei globalen Playern", sagte Finanzvorstand Simone Menne.

"Zur Führung gehört auch immer Vorbild"

In dem Bericht der "Zeit" kündigte Franz weitere Sparmaßnahmen an, die auch sein Gehalt betreffen könnten. "Wenn wir von allen Einschnitte verlangen, muss auch der Vorstand seinen Beitrag leisten", sagte er. "Zur Führung gehört auch immer Vorbild." Zuletzt verdiente Franz rund 2,6 Millionen Euro.

Auch die Aktionäre müssen sich in Verzicht üben - die Dividende wurde ihnen gerade gestrichen. "Die Mitarbeiter, die wir an Bord haben, sollen schließlich auch in 20 Jahren noch einen sicheren Arbeitsplatz haben", begründete Franz die Entscheidung.

In den vergangenen Wochen kam es im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Ver.di bei der Lufthansa zu Warnstreiks mit weitreichenden Folgen. Am 22. April musste die Airline mehr als 1700 Flüge streichen. Nach mehreren Verhandlungstagen einigten sich die Parteien am 1. Mai auf ein deutliches Lohnplus für die Mitarbeiter.

jus/Reuters
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