Markenwechsel bei Lufthansa Warum aus Germanwings jetzt Eurowings wird

Mit der Billigfliegermarke Eurowings will die Lufthansa weiter ihre Kosten senken. Der Name Germanwings wird von den Flugzeugen verschwinden - obwohl die Airline finanziell gerade auf einem guten Weg war.
Eurowings-Flugzeug in der Luft: großes Sparpotenzial

Eurowings-Flugzeug in der Luft: großes Sparpotenzial

Foto: Stefan Sauer/ picture alliance / dpa

Die Tage der Fluggesellschaft Germanwings sind gezählt. Obwohl die Marke noch ein paar Wochen und die Schriftzüge auf den Flugzeugen vielleicht noch über Jahre zu sehen sein werden, geht das wesentliche Geschäft an diesem Sonntag auf die Nachfolgerin Eurowings über. Die bislang noch in Düsseldorf und bald in Köln beheimatete Lufthansa-Tochter wird mit Beginn des Winterflugplans zum Vertragspartner der Germanwings-Kunden. Sie trägt zugleich die Hoffnungen des Konzerns, sich im Kampf gegen Billigflieger wie Easyjet oder Ryanair behaupten zu können.

Der Name Germanwings wird noch auf lange Zeit mit dem von Co-Pilot Andreas Lubitz herbeigeführten Absturz des Airbus mit der Flugnummer 4U9525 verbunden werden, bei dem im Frühjahr 149 Opfer und der Verursacher selbst ums Leben kamen.

Ausschlaggebend für den Umbau der Airline war die Tragödie in den französischen Seealpen allerdings nicht. Der Markenwechsel aus unternehmensstrategischen Gründen war bereits vor dem 24. März beschlossene Sache und hat sich durch den Absturz eher verzögert als beschleunigt.

Dabei hatte die 2002 als Billigflieger gegründete Airline Germanwings in ihrer wechselvollen Geschichte zuletzt sogar Erfolge vorzuweisen. Seit 2012 hatte sie von der Lufthansa schrittweise die bis dahin extrem defizitären Europaflüge abseits der Drehkreuze München und Frankfurt übernommen und war zur drittgrößten deutschen Fluggesellschaft aufgestiegen. Sie ist stark an mittleren Flughäfen wie Stuttgart, Köln, Hamburg oder Berlin vertreten.

Laut Lufthansa fliegt Germanwings wegen ihrer im Vergleich zur Mutter niedrigeren Kosten und mit ihrem flexiblen Tarifsystem zudem in diesem Jahr erstmals einen Gewinn ein. Früher standen jährlich dreistellige Millionenverluste für die sogenannten dezentralen Verkehre in der Bilanz.

Eurowings soll Geld sparen

In der Strategie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr spielt Germanwings mit ihren derzeit noch 60 Airbus-Jets dennoch keine führende Rolle mehr. An ihrer Stelle machte er die bislang deutlich kleinere Schwestergesellschaft Eurowings zur Leitplattform eines neuen Billigfliegers im europäischen Maßstab.

Dort, so Spohrs Kalkül, könnten noch weit mehr Kosten eingespart werden, wofür er einen heftigen Tarifkonflikt mit seinen selbstbewussten Piloten riskiert und zumindest vorerst gewonnen hat. Die Vereinigung Cockpit (VC) wollte mit aller Macht verhindern, dass schlechter bezahlte Piloten außerhalb des Lufthansa-Konzerntarifvertrags die Eurowings-Jets steuern.

Nachdem die Piloten mit ihren Streiks letztlich vom Landesarbeitsgericht Hessen gestoppt wurden, dreht sich zum 25. Oktober das Verhältnis zwischen den Wings-Schwestern um. Flogen bislang die 23 Jets der Eurowings im Auftrag der Germanwings, ist es künftig genau umgekehrt. Neu sind zudem Fernflüge unter der Marke Eurowings, deren erster am 2. November ab Köln in Richtung Karibik abheben soll. An den Steuerknüppeln sitzen Piloten des deutsch-türkischen Gemeinschaftsunternehmens SunExpress.

Die Marke Germanwings wird laut Lufthansa bis Januar aus Werbung, Internet und Vertrieb verschwinden. Die Flugzeuge werden den Schriftzug so lange tragen, wie ihre Crew noch zu Lufthansa-Tarifen fliegt, dann wird auf Eurowings umlackiert.

Christian Ebner/dpa/sto
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.