Ausstand ab Mittwoch Lufthansa streicht wegen Streiks Hunderte Flüge

Kaum ist der Ver.di-Ausstand auf den Flughäfen überstanden, droht Lufthansa-Kunden neuer Ärger. Am Mittwoch treten die Piloten für drei Tage in Streik. Das Unternehmen hat den Flugplan umgestellt und etliche Flüge gestrichen.

Lufthansa-Maschinen am Düsseldorfer Flughafen: Streik ab Mittwoch
AFP

Lufthansa-Maschinen am Düsseldorfer Flughafen: Streik ab Mittwoch


Frankfurt am Main - Um 0 Uhr am Mittwoch wollen die Piloten der Lufthansa in den Ausstand treten. Bisher konnten Gespräche zwischen der Airline und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) die Arbeitsniederlegung nicht abwenden. Deutschlands größte Fluggesellschaft ist daher dabei, einen Ersatzflugplan für den bis Freitagnacht um 23.59 Uhr angekündigten Streik zu erstellen.

200 der täglichen rund 1800 Flüge sind bereits gestrichen, dabei handelt es sich aber bisher nur um die Interkontinentalflüge. Das geht aus einer im Internet veröffentlichten Liste der Fluggesellschaft hervor. Diese Liste wird laut Lufthansa im Laufe des Tages noch um die ebenfalls gestrichenen Kurz- und Mittelstrecken ergänzt. Die Absagen betreffen Flüge bis inklusive Samstag, bereits für Dienstag sind erste Flüge nach Nordamerika gestrichen. In der vergangenen Woche hatte Lufthansa beim weit kürzeren Warnstreik des Flughafenpersonals rund 600 Verbindungen gestrichen.

Die Lufthansa bietet den betroffenen Kunden kostenlose Umbuchungen an. Möglich sei dies für Verbindungen von und nach Deutschland in der Zeit von Mittwoch bis Freitag. Der Streik trifft genau die Osterferien in Niedersachsen und Bremen, die am Donnerstag beginnen. Weitere Streiks bis zum Ende der Osterferien bundesweit sollen nach derzeitigem Stand ausgeschlossen sein. Die letzten Osterferien enden in diesem Jahr am 2. Mai in Thüringen und in Schleswig-Holstein.

Die Verbindungen des Ersatzflugplans sollen den Angaben zufolge Piloten absolvieren, die nicht bei der VC organisiert sind. Betroffen von dem Arbeitskampf sind die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die Konzerntöchter Swiss und Austrian Airlines haben eigene Tarifverträge und sind vom Ausstand bei der Lufthansa nicht berührt.

Streitpunkt Übergangsrenten

Bei vorangegangenen Streiks hatte die Airline mit ihren Ersatzflugplänen das Ziel verfolgt, den Normalbetrieb möglichst schnell nach Streikende wieder zu erreichen. Dafür ist es wichtig, dass sich Maschinen und Crews zum Streikende an den Plätzen befinden, an denen sie auch planmäßig zu sein hätten. Das kann dazu führen, dass während der Streiktage die Flüge eher großzügiger gestrichen werden und einzelne Crews für mehrere Tage im Ausland bleiben müssen.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens hat im SPIEGEL ihren Appell an die VC-Vertreter erneuert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Wir sind jederzeit verfügbar und geben die Hoffnung nicht auf." Kommt es dennoch zum Streik, dürfte er Lufthansa eine "hohe zweistellige Millionensumme" kosten.

Im Fall eines Pilotenstreiks hätten Passagiere der Airline direkt nach den rund 600 Flugausfällen wegen eines Ver.di-Ausstands an deutschen Airports abermals mit den Folgen von Arbeitsniederlegungen zu kämpfen. Volkens dringt auf eine Lösung zwischen Gewerkschaft und Unternehmen, ehe ein mögliches Schlichtungsverfahren eingeleitet werden müsste. "Dieses Thema ist sehr komplex, deshalb würde ich es gern mit der VC gemeinsam lösen", sagte sie dem SPIEGEL.

Am Sonntag hatte es danach nach Angaben der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit noch einmal Verhandlungen zu den Übergangsrenten gegeben. Lufthansa habe ihren Vorschlag noch einmal erläutert, aber nicht verbessert, sagte VC-Tarifexpertin Ilona Ritter. "Wir hatten nichts missverstanden. Lufthansa will die bisherigen Regelungen verschlechtern und zudem eine Generationenteilung." VC verlange aber eine einheitliche Regelung, die auch für die jüngeren Kollegen gelten müsse. Dafür habe man eine Deckelung der Kosten angeboten, worauf Lufthansa aber nicht eingegangen sei.


Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Die Lufthansa (069-86799799) listet hier die stornierten Flüge auf. Den eigenen gebuchten Flug können Kunden hier überprüfen.

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wird?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Die Lufthansa bietet kostenlose Umbuchungen über diese Webseite an, möglich ist dies für Verbindungen von und nach Deutschland in der Zeit von Mittwoch bis Freitag.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder die Fluggesellschaft hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren - zum Beispiel mit Bahn oder Bussen. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen. Kunden von Lufthansa und Germanwings können ihre Flugtickets in Gutscheine für die Bahn umwandeln lassen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

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Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

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abl/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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typomann 31.03.2014
1. Lieber Herr Schäuble,
in der Geschichte gibt es für Annektionen dieser Art viele Beispiele. Spontan fällt mir dazu die der hawaiianischen Inseln durch die USA ein, die könnte geradezu die Vorlage für diese letzte sein.
m.schrader 31.03.2014
2.
Wer nach all den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte noch mit Lufthansa fliegt, dem kann nicht geholfen werden. Die Alternativen in Richtung Asien und Nordamerika sind mittlerweile groß genug, um in die Streikfalle der überbezahlten Piloten des Unternehmens zu tapsen.
odorro 31.03.2014
3. whatthefuck
Nachdem bereits letzten Donnerstag meine halbe Flugstrecke ausfiel, kann ich nun nicht zurück... Umbuchen online nicht möglich, hotline nicht erreichbar. LH Kundeservice ist echt das letzte - in Zukunft lieber eine andere Airline...
hermes69 31.03.2014
4. Mein Verständnis für diese
Berufsgruppe tendiert mittlerweile gegen 0.
pluto77 31.03.2014
5. Richtig so !!
Endlich mal eine Arbeitnehmergruppe, die sich von der Arbeitgeberseite nicht für dumm verkaufen lässt. Der Streik ist genau richtig !! Gerade Piloten sollten weiterhin die Möglichkeit haben, selbstbestimmt in die Übergangsversorgung zu gehen, nämlich genau dann, wenn ein Pilot auf Grund seines Alters mit der Komplexität dieses Berufes nicht mehr mitkommt. Das macht das Fliegen auf jeden Fall sicherer.
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