Lufthansa Streik der Flugbegleiter gestartet - 1300 Flüge abgesagt

Rund 180.000 Passagiere sind betroffen: Bei der Lufthansa hat um Mitternacht ein 48-Stunden-Streik der Flugbegleiter begonnen. In Hamburg und Düsseldorf kam es am Morgen zu ersten Ausfällen.

Reisende am Frankfurter Flughafen: Der 48-Stunden-Streik der Lufthansa-Flugbegleiter hat begonnen
ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX

Reisende am Frankfurter Flughafen: Der 48-Stunden-Streik der Lufthansa-Flugbegleiter hat begonnen


Es kam wie angekündigt: In der Nacht zu Donnerstag ist bei der Lufthansa ein zweitägiger Streik der Flugbegleiter gestartet. Insgesamt wurden bereits 1300 Flüge abgesagt. Allein für Donnerstag hat der Konzern bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge gestrichen.

  • Vor allem an den Drehkreuzen München und Frankfurt bleiben viele Maschinen am Boden und auch ein Großteil der lukrativen Überseeflüge muss ausfallen. Es habe keine langen Warteschlangen an den Schaltern gegeben, berichteten Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass sich die Passagiere im Vorhinein informiert haben", sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport.
  • Am Flughafen Hamburg fielen am Morgen Verbindungen nach Frankfurt und München aus, weitere wurden auf den Abflugtafeln als gestrichen angezeigt. An den Check-in-Schaltern bildeten sich die ersten kleineren Schlangen. Der Streik sorgte auch unter Passagieren anderer Airlines teils für Verunsicherung. Einige befürchteten, dass auch sie von den Ausfällen betroffen sein könnten.
  • Auch am Flughafen Düsseldorf sind laut der Flugauskunft auf der Website bis 9 Uhr sechs Abflüge annulliert worden. Im Laufe des Tages komme es zu 29 streikbedingten Ausfällen bei Ankünften und Abfahrten, bestätigte der Flughafen am Morgen.

An den Flughäfen Frankfurt und München ist es einem Sprecher der Gewerkschaft UFO zufolge "immer noch relativ ruhig". "Die ersten Kollegen, die jetzt zur Arbeit hätten kommen müssen, sind nicht erschienen. Die ersten Kollegen, die aus dem Ausland gekommen sind, haben sich schon den Streikaktivitäten angeschlossen."

Insgesamt sind durch den Ausstand, der sich auf den Freitag erstrecken soll, der Lufthansa Chart zeigen zufolge rund 180.000 Passagiere betroffen. Für den zweiten Tag drohen insgesamt 600 geplante Stornierungen. Auch Zubringerflüge von den kleineren deutschen Flughäfen fallen aus. Den Kunden wurden Umbuchungen auf andere Gesellschaften und Tage sowie im innerdeutschen Verkehr auf die Bahn angeboten. Dort war am Morgen sowohl in Hessen als auch bundesweit die Verkehrslage normal, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Was Lufthansa-Passagiere jetzt wissen müssen: Lesen Sie hier.

Die Gewerkschaft UFO fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. UFO kündigte eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf bis zu vier weitere Flugbetriebe mit deutschem Tarifrecht an. Davon könnten vor allem Eurowings-Flüge betroffen sein. Einzelheiten will UFO an diesem Donnerstag nennen.

Die Lufthansa war am Mittwoch in zwei Gerichtsinstanzen mit dem Versuch gescheitert, den Streik noch mit juristischen Mitteln zu stoppen. Sowohl das Arbeitsgericht Frankfurt als auch das hessische Landesarbeitsgericht lehnten eine Einstweilige Verfügung gegen den Streik ab.

aar/apr/dpa

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gluehweintrinker 07.11.2019
1. Das Landesarbeitsgericht stärkt Arbeitnehmerrechte
Gerade in diesen Zeiten, da wir des Falls des Eisernen Vorhangs gedenken, erfüllt es mich mit Freude, Erleichterung und Genugtuung, dass ich in einem Rechtsstaat lebe, der Arbeitnehmern und jedem Individuum unveräußerliche Rechte zubilligt. Die Reichen und Mächtigen sowie auch die Regierenden sind vor dem Gesetz ebenso gleich wie jeder einzelne. Jeder, der nun lospoltert und die Streikenden beschimpft mit immer senselben Hasstiraden, dass man ja nicht wisse wie gut man es habe, und alles auf dem Rücken der Passagiere, die zu ihren Familien fliegen wollten, ein Kreuzfahrtschiff erwischen müssten und all die kindischen Klischees von Opferrolle und Übervorteilung bedienen, sollten sich in Grund und Boden schämen. Das Streikrecht ist eine der wichtigsten Säulen demokratischer Rechte, es garantiert Teilhabe und faire Arbeitsbedingungen und niemals haben Streiks den Wohlstand gemindert oder das Gemeinwesen geschwächt. Hört also auf damit Euch zu entsolidarisieren, sondern seid froh darüber, dass wir in einer SOZIALEN Marktwirtschaft leben dürfen, um die uns Milliarden beneiden. Das, was heute wieder mal als Problem benannt wird, ausgelöst durch diesen Streik, quittiert man anderenorts mit Kopfschütteln, weil, wer keine echten Probleme hat, sich solche sucht, an denen er sich abarbeiten kann. Man kann sich nur fremdschämen, wenn man erlebt, dass Arbeitnehmer auf andere Arbeitnehmer eindreschen, weil sie es wagten für ihre Rechte einzustehen. Mehr Solidarität bitte!
transatco 07.11.2019
2. 1300 Flüge fallen also aus!
Die Umwelt wird das freuen! - Wir sollten damit beginnen Informationen nicht immer nur vom herkömmlichen Standpunkt aus zu beurteilen!
joomee 07.11.2019
3. Niemand stellt Streikrecht in Frage
Zitat von GluehweintrinkerGerade in diesen Zeiten, da wir des Falls des Eisernen Vorhangs gedenken, erfüllt es mich mit Freude, Erleichterung und Genugtuung, dass ich in einem Rechtsstaat lebe, der Arbeitnehmern und jedem Individuum unveräußerliche Rechte zubilligt. Die Reichen und Mächtigen sowie auch die Regierenden sind vor dem Gesetz ebenso gleich wie jeder einzelne. Jeder, der nun lospoltert und die Streikenden beschimpft mit immer senselben Hasstiraden, dass man ja nicht wisse wie gut man es habe, und alles auf dem Rücken der Passagiere, die zu ihren Familien fliegen wollten, ein Kreuzfahrtschiff erwischen müssten und all die kindischen Klischees von Opferrolle und Übervorteilung bedienen, sollten sich in Grund und Boden schämen. Das Streikrecht ist eine der wichtigsten Säulen demokratischer Rechte, es garantiert Teilhabe und faire Arbeitsbedingungen und niemals haben Streiks den Wohlstand gemindert oder das Gemeinwesen geschwächt. Hört also auf damit Euch zu entsolidarisieren, sondern seid froh darüber, dass wir in einer SOZIALEN Marktwirtschaft leben dürfen, um die uns Milliarden beneiden. Das, was heute wieder mal als Problem benannt wird, ausgelöst durch diesen Streik, quittiert man anderenorts mit Kopfschütteln, weil, wer keine echten Probleme hat, sich solche sucht, an denen er sich abarbeiten kann. Man kann sich nur fremdschämen, wenn man erlebt, dass Arbeitnehmer auf andere Arbeitnehmer eindreschen, weil sie es wagten für ihre Rechte einzustehen. Mehr Solidarität bitte!
Ich kenne niemand der das Streikrecht infrage stellt. Die Frage bei der LH ist nur diese, ob es denn sein kann, dass verschiedene Arbeitervertretungs-Organisationen immer den gleichen Laden niederlegen können. Das gibt es bei anderen Industrien/Unternehmen ja auch nicht. Stellen Sie sich vor, dass bei Daimler zuerst die Schlosser streiken, dann die Informatiker, dann die kaufmännische Abteilung usw.
laracrofti 07.11.2019
4. Dann informieren Sie
sich doch warum es bei Fluggesellschaften mehrere Arbeitnehmervertretungen gibt. Die Frage die Sie stellen sollten wäre auch die, warum ArbeitnehmerInnen erst streiken müssen, um teilweise gesetzlich vorgeschriebene Leistungen oder Arbeitsbedingungen zu erhalten vom Arbeitgeber.
Geopolitik 07.11.2019
5. Schön blöd
... wer Lufthansa fliegt. Weniger zu futtern auf der Langstrecke und andauernd Streik. Da sucht sich EasyJet wohl besseres Management und Personal aus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.