Lufthansa-Ausstand Piloten weiten Streik auf Langstreckenflüge aus

Am zweiten Tag ihres Ausstands bestreiken die Lufthansa-Piloten auch die Langstrecken und Frachtflüge. Rund 150.000 Passagiere der Fluglinie mussten ihre Reisepläne ändern.
Lufthansa-Maschinen in München: Fluglinie am Boden

Lufthansa-Maschinen in München: Fluglinie am Boden

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

Frankfurt/Main - Nach den Deutschland- und Europaflügen haben die Piloten der Lufthansa seit Dienstagmorgen auch auf der Langstrecke und auf Frachtflügen ihre Arbeit eingestellt. Wegendes zweitägigen Streiks hat die größte deutsche Fluglinie nach eigenen Angaben bis einschließlich Mittwoch 1350 Flüge gestrichen. Betroffen sind rund 150.000 Passagiere.

Bei der seit Monaten andauernden Auseinandersetzung geht es vordergründig unter anderem um die Übergangsrenten von 5400 Piloten. Doch hinter den Kulissen schwelt ein Streit um den künftigen Kurs des Luftverkehrskonzerns, dem sein Chef Carsten Spohr eine starke Billigsparte hinzufügen will. Ein entsprechendes Konzept soll am Mittwoch im Aufsichtsrat beschlossen werden.

Die Gewerkschaft Cockpit kritisiert (VC) hat die Verhandlungsführung der Lufthansa im Tarifstreit. "Piloten sollen eingeschüchtert werden und Angst haben. Nach dem Motto: Sie bekommen das, was wir ihnen zugestehen, und nicht mehr", sagte Gewerkschaftsvorstand Jörg Handwerg dem "Tagesspiegel". Auch die Piloten wollten "ihren Beitrag zur gedeihlichen Entwicklung der Lufthansa leisten", fügte Handwerg hinzu. Das gehe aber nicht, wenn der Vorstand gegen das Personal agiere und "Tarifstrukturen zerschlagen will".

Alle Informationen zu dem Streik finden Lufthansa-Kunden hier

Die Piloten streiken in der mittlerweile neunten Runde. Vor allem an den Drehkreuzen München und Frankfurt fielen am Montag zunächst viele Zubringerflüge aus. Die Lufthansa hatte einen Ersatzflugplan in Kraft  gesetzt. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sowie der Konzerngesellschaften Swiss, AUA und Brussels Airlines sind von dem Streik nicht betroffen.

Wann wird gestreikt?

Die Piloten der Lufthansa wollen von Montagmittag um 12 Uhr bis Dienstagnacht um 23.59 in den Streik treten. Betroffen sind in diesem Zeitraum Flüge der Kurz- und Mittelstrecke sowie zusätzlich am Dienstag zwischen 3 Uhr und 23.59 Uhr alle Langstreckenflüge. An den Drehkreuzen Frankfurt und München stellt die Fluglinie den Deutschland- und Europaverkehr komplett ein. Auch am Mittwoch fallen dem Sonderflugplan zufolge noch einzelne Flüge aus. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sind von dem Streik nicht betroffen.

Wie viele Flüge und Reisende sind betroffen?

Die Fluggesellschaft muss wegen des Pilotenstreiks der Vereinigung Cockpit (VP) ab Montagmittag etwa 1350 Flüge streichen. Damit fallen knapp die Hälfte der insgesamt 2800 Verbindungen aus, wie Lufthansa mitteilte. Insgesamt seien etwa 150.000 Reisende betroffen.

Zuletzt war im Oktober bei der Lufthansa gestreikt worden. In der Tarifauseinandersetzung mussten Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings seit April knapp 6000 Flüge wegen Arbeitsniederlegungen der Piloten streichen. Die Kosten für alle Streiks seit Jahresbeginn - darunter auch Ausstände von Beschäftigten an den Flughäfen - bezifferte das Unternehmen auf bislang rund 170 Millionen Euro.

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Die Lufthansa informiert mit Sonderflugplänen auf ihrer Website  darüber, welche Verbindungen trotz Streiks möglich sind. Eine Liste aller gestrichenen Flüge findet sich hier . Fluggäste können hier  überprüfen, ob ihr eigener Flug storniert oder verschoben wurde, außerdem schaltet das Unternehmen die kostenfreie Service-Nummer (0800) 8506070 frei.

Kunden, deren Flug streikbedingt gestrichen wird, können unter "Meine Buchungen"  kostenfrei umbuchen oder stornieren. Tickets für innerdeutsche Flüge können in eine Bahnfahrkarte umgewandelt werden.

Wie kann ich bei einer Flugstreichung mein Ziel erreichen?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

Die Lufthansa ermöglicht die Umwandlung von Flugtickets in Bahntickets. Die Fahrkarte muss dafür am Check-in-Automaten, am Lufthansa-Schalter oder im Internet  gegen einen Reisegutschein für die Deutsche Bahn (DB) getauscht werden. Damit können die Passagiere direkt in den Zug einsteigen. Bei internationalen Zugverbindungen müssen die Reisegutscheine vor Fahrtantritt noch in einem DB-Reisezentrum oder einer DB-Agentur gegen eine Fahrkarte eingetauscht werden.

Wer nicht mit der Bahn fahren kann oder will, hat auch die Möglichkeit, mit Mitfahrgelegenheiten, Linienbussen oder Mietwagen zu reisen. Angebote gibt es auf den Seiten von mitfahrgelegenheit.de , fahrgemeinschaften.de , blablacar.de , bessermitfahren.de  oder drivemee.de . Auch Fernbusse können eine Alternative sein - Verbindungen finden sich auf den Webseiten von Mein Fernbus , Deutsche Bahn , Flixbus  und ADAC Postbus .

Wer trägt die Kosten, wenn ich strande?

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung muss eine Airline oder der Veranstalter seine gestrandeten Kunden betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist oder nicht. Verpflegung samt Getränken sollte gestellt werden, und wenn sich der Flug auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Hotelkosten tragen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus?

Bei einer Pauschalreise ist die Rechtslage laut dem Reiserechtler Paul Degott etwas anders. Hier stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe, warum dagegen verstoßen wird, spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten und den Reisepreis zurückfordern. Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht.

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Websites bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

abl/dpa