Warnstreik bei Lufthansa "Hier ist kein Schalter besetzt"

Der Warnstreik bei der Lufthansa hat begonnen. Die Fluggesellschaft hat fast alle Starts von deutschen Airports gestrichen, bundesweit fallen knapp 1700 Flüge aus. Die wichtigsten Informationen für Reisende im Überblick.


Stuttgart/Frankfurt am Main - Mitarbeiter der Fluggesellschaft Lufthansa haben am frühen Montagmorgen mit dem angekündigten Warnstreik begonnen. Als Erstes legte gegen 4 Uhr das Bodenpersonal der Airline am Stuttgarter Flughafen die Arbeit nieder. "Hier ist bisher kein Schalter besetzt", sagte Bernd Köster von der Gewerkschaft Ver.di. Die Gewerkschaft hatte zu dem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Zuvor hatte der Arbeitsausstand bereits an Standorten der Lufthansa Technik begonnen.

In Frankfurt am Main blieben am Morgen die Schalter der Lufthansa leer, wie Gerold Schaub von Ver.di Frankfurt am Morgen bestätigte. Großer Andrang herrsche nicht. "Das Terminal ist fast leer, weil die meisten Passagiere wohl darauf vorbereitet waren." Auch auf den Flughäfen in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Hannover, Düsseldorf und Köln wird gestreikt.

Bundesweit soll am Montag kaum ein Lufthansa-Flugzeug abheben. Von insgesamt 1720 geplanten Abflügen in Deutschland werden nur 32 starten, hatte das Unternehmen am Samstag mitgeteilt. Besonders betroffen sind die Deutschland- und Europa-Verbindungen.

Von den Kurzstreckenverbindungen könnten in einem Sonderflugplan nur 20 angeboten werden - vor allem ab Berlin, wo der Warnstreik bereits um 14.30 Uhr enden soll.

Auch die meisten Langstreckenflüge sind betroffen: Von 70 Verbindungen starten nur zwölf. In Frankfurt sollen von den 50 geplanten Interkontinentalflügen voraussichtlich sechs starten. In München bleiben nur drei der 17 geplanten Verbindungen im Sonderflugplan erhalten. In Düsseldorf können dagegen alle drei geplanten Maschinen wie vorgesehen für Langstrecken abheben.

Die Fluggesellschaft empfiehlt allen Reisenden, sich frühzeitig vor Reiseantritt zu informieren: Hier finden Sie aktuelle Fluginformationen, hier eine Liste der gestrichenen Flüge, hier können Sie sich über den Status Ihres Fluges informieren. Darüber hinaus hat die Lufthansa für Anrufe aus Deutschland die kostenfreie Telefonnummer 0800-8506070 geschaltet. Innerhalb Deutschlands können Fluggäste auf die Bahn ausweichen.

Die Lufthansa rechnet nicht mit überfüllten Abflughallen. "Im Gegenteil", sagte eine Sprecherin. "Es ist davon auszugehen, dass es am Montag an den Flughäfen sehr ruhig wird." Es sei versucht worden, Passagieren so früh wie möglich Planungssicherheit zu geben. Feldbetten würden am Flughafen zunächst nicht aufgestellt

Ver.di fordert im Tarifkonflikt mit Lufthansa 5,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und Jobgarantien für rund 33.000 Techniker und Serviceleute. Die Arbeitgeberseite hat ein Angebot vorgelegt, das die Gewerkschaft als "nicht verhandlungsfähig" einschätzt. Ver.di-Verhandlungsführerin Christine Behle kritisierte, das Angebot bedeute für die Beschäftigten mit Entgeltsteigerungen zwischen 0,4 und 0,6 Prozent im ersten Jahr deutliche Reallohnverluste und sei keinesfalls hinnehmbar.

Lufthansa hatte die Forderungen mit einem nach Geschäftsfeldern modifizierten und in Teilen erfolgsabhängigen Vergütungsangebot gekontert. Über einen Zeitraum von 29 Monaten kämen einzelne Berufsgruppe auf eine Steigerung von mehr als drei Prozent, hatte Personalvorstand Lauer erklärt. Jobgarantien macht Lufthansa von strukturellen Änderungen, etwa zu längeren Arbeitszeiten und verschobenen Stufensteigerungen, abhängig. Das Unternehmen prüft jetzt rechtliche Schritte gegen die Gewerkschaft, denn nach eigenen Schätzungen erwartet es einen zweistelligen Millionenschaden.

Es ist bereits die zweite Welle von Arbeitsniederlegungen. Am 21. März waren bei einem kürzeren Warnstreik bundesweit 700 Flüge ausgefallen. Die nächste Verhandlung zwischen den Tarifparteien steht am 29./30. April an.

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Bundesweiter Streik: Lufthansa-Flugzeuge bleiben am Boden


Die wichtigsten Informationen für Passagiere im Überblick:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Bei der Lufthansa können die Kunden ihr Flug- auch in ein Bahnticket umtauschen oder von vornherein kostenlos umbuchen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern:

cte/abl/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
panit 22.04.2013
1. Unsinniger Streik
Verdi hat bereits bei Opel in Bochum bewiesen, dass Verdi Streiks nichts bringen. Opel schliesst nun min 2 Jahre früher als geplant, weil Verdi mal wieder seine Finer im Spiel hatte. Nun soll Lufthansa kaputt gemacht werden? Wer einen Flug gebucht und durch einen Streik nicht fliegen kann, verliert sein Geld. Der Streik trifft also die Passagiere und nicht die Lufthansa. ggf. auch noch das fliegende Personal, denn denen braucht die Lufthansa dann auch kein Gehalt zahlen.
wkaiser 22.04.2013
2. optional
Man sollte hier auch nochmal erwähnen: Das Operative Ergebnis 2012 lag bei Mio € 562, also ein DEUTLICHES plus. Wie die Geschäftsleitung mit UNS als Mitarbeiter umgeht, ist unter aller Sau um es mal deutlich zu sagen, inbesondere mit uns als Bodenpersonal, und das lassen WIR uns nicht mehr länger gefallen. Es tut mir aufrichtig leid um jeden Kunden/Passagier der heute seinen Flug verpasst, einen Termin verpasst oder vielleicht sogar seinen Urlaub verschieben muss, aber dieser Streik ist der Geschäftsleitung anzulasten, und nicht den Mitarbeitern!
alterkaufmann 22.04.2013
3.
Zitat von sysopDPADer Warnstreik bei der Lufthansa hat begonnen. Die Fluggesellschaft hat fast alle Starts von deutschen Airports gestrichen, bundesweit fallen knapp 1700 Flüge aus. Die wichtigsten Informationen für Reisende im Überblick. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/lufthansa-warnstreik-des-bodenpersonals-hat-begonnen-a-895677.html
Erpressung auf dem Rücken der eigenen Kunden ist das.
koblenz-55 22.04.2013
4. Toll
Interessant zuzuschauen wie die LH-Mitarbeiter am Ast sägen auf dem sie sitzen. Dieser Streik macht die knallharten Mitbewerber der LH nur noch stärker.
theexpertspeaks 22.04.2013
5. So kann man das Drehkreuz Frankfurt auch beschaedigen...
Sicherlich kann man darueber streiten, ob 5.2% mehr Lohn, die verdi heir fordert nun gerechtfertigt sind oder nicht. Aber es muss eine Loesung gefunden werden, dass solch ein Streit nicht auf dem Ruecken von zehtausenden von Passagieren ausgetragen wird, die jetzt irgendwo auf der Welt gestrandet sind, weil die LH heute nicht fliegt. Und nicht jeder hat flexible Tickets, die sich mal eben umbuchen lassen. Das ist meines Erachtens unverhaeltnismaessig, ausserdem wird das Drehkreuz Frankfurt (wo LH nun mal der Hauptanbieter ist) immer weiter in die zweite Reihe gedraengt mit solchen Meldungen. Dann fliegen die Passagiere aus Asien eben doch lieber ueber Dubai oder London in der Zukunft..... - der Schaden ist jedenfalls immens.
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