Flughafen Frankfurt Lufthansa will Ryanair-Angriff mit eigenen Billigflügen kontern

Ring frei zum Nahkampf: Ryanair will der Lufthansa künftig mit Flügen ab Frankfurt Konkurrenz machen. Die reagierte nun - und droht, eigene Billigflieger dagegen zu setzen.

Bisher seltene Nachbarschaft
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Bisher seltene Nachbarschaft


Sie kam dem Billigkonkurrenten zuvor: Knapp eine Stunde vor der angekündigten Pressekonferenz von Ryanair preschte die Lufthansa vor und drohte mit Maßnahmen gegen die Pläne der Iren, der Lufthansa an ihrem Stammflugplatz in Frankfurt direkt Konkurrenz machen zu wollen. Wenn das passiere, ließ Lufthansa-Chef Carsten Spohr durchblicken, werde seine Airline adäquat reagieren: "Wenn wir Eurowings nach Frankfurt bringen müssen, dann werden wir das tun."

Bisher galt, dass Billigairlines von dort fliegen, wo es eben billig ist. Ryanair erfand dafür das Konzept des "Sozusagen Soundso-Ziels": Anfänglich verkaufte die irische Linie Ziele wie Hahn im Hunsrück als eine Art erweitertes Frankfurt (125 Kilometer Distanz, circa 1,5 Stunden Fahrzeit) oder Weeze an der deutsch-holländischen Grenze als eine Art sehr entfernten Vorort von Düsseldorf (80 Kilometer, rund eine Stunde Fahrzeit). Inzwischen ist die Airline zumindest gehalten, ihren Passagieren klar zu signalisieren, dass sie nicht nahe einer Großstadt landen, sondern in Posemuckel.

Dass viele dieser Flughäfen in der Mitte von nirgendwo lagen und gern über miserable Verkehrsanbindungen verfügten, machte die Angebote des Billigfliegers zu Offerten zweiter Wahl - interessant für sparfreudige Wochenend-Touristen, aber nicht für Business-Reisende. Das sähe anders aus, wenn die Linie begänne, die großen Drehkreuze zu bedienen - für die gebeutelte Lufthansa ist das keine verlockende Aussicht.

Lufthansa-Chef Spohr beobachtet ein mögliches Ryanair-Engagement in Frankfurt deshalb auch "mit großem Interesse". Ryanair-Flüge mit Angeboten der eigenen Billigairline zu kontern wäre naheliegend, für die Lufthansa allerdings auch nicht schmerzlos: Als Antwort auf direkte Konkurrenzangebote seitens Ryanair könnte das nur dann funktionieren, indem man die Lufthansa-eigenen Angebote konzernintern unterböte.

Lufthansa fordert die gleichen Rabatte ein

Der Billigflug-Marktführer bestätigte am Mittwochmittag, dass er ab dem nächsten Sommer erstmals Flüge vom Airport Frankfurt aus anbieten wird. Die ersten ab Frankfurt angeflogenen Destinationen der Airline werden Palma de Mallorca (PMI), Alicante (ALC) und Málaga (AGP) in Spanien sowie Faro (FAO) in Portugal sein.

"Wir freuen uns, dass wir künftig mit Ryanair Europas führende Low-Cost-Airline im Programm haben", sagte Stefan Schulte, Vorsitzender des Vorstands des Flughafenbetreibers Fraport AG. Die Zusammenarbeit mit Ryanair sei auf ein langfristiges Wachstum der Airline am Flughafen Frankfurt ausgelegt. Zunächst wird die Fluglinie zwei Flugzeuge in Frankfurt stationieren.

Fraport verweist auf die "wachsende Bedeutung" des Billigflugsegments. Darauf will die Betreibergesellschaft reagieren - und wohl auch gern ihre Abhängigkeit vom Großkunden Lufthansa reduzieren, der bisher 60 Prozent der Passagiere in Frankfurt stellt.

Lufthansa ist aber nicht dazu bereit, unterschiedliche Gebühren für verschiedene Airlines hinzunehmen - da bahnt sich ein heftiger Streit um die Flug- und Landegebühren an. Lufthansa verlangt von Fraport dieselben Rabatte, die der dem Neukunden Ryanair gewähren will.

Sein Unternehmen werde nicht mehr zahlen als Ryanair, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. So könnten 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Er könne sich nicht vorstellen, dass das hessische Verkehrsministerium als Aufsicht unterschiedliche Gebühren genehmigen werde. Anderenfalls werde Lufthansa nur die niedrigeren Ryanair-Gebühren überweisen. Und weniger zu zahlen, so Spohr, werde der Lufthansa mehr nützen, als die neue Konkurrenz ihr schaden könne: "So sehr können uns die Ryanair-Flugzeuge gar nicht ärgern, wie uns die sinkenden Gebühren helfen werden."

Auch die Pressekonferenz der Lufthansa war angekündigt: Eigentlich hatte es vornehmlich um die aktuellen Zahlen des zuletzt wieder durch Streiks Schlagzeilen machenden Unternehmens gehen sollen. Die fielen überraschend gut aus, trotzdem gibt es weiteren Sparbedarf.

Das weiß auch Spohr, der ankündigte, vor allem für Kurzstreckenflüge vermehrt gebrauchte Maschinen kaufen zu wollen, um Kosten zu reduzieren. Dank besserer Technik hätten Flugzeuge eine längere Lebenszeit, und der Markt für Gebrauchtmaschinen sei derzeit gut, erläuterte der Lufthansa-Chef. "Dadurch können wir die Gesamtinvestitionen senken und über die nächsten Jahre stabilisieren. Und wir stellen sicher, dass nicht die gesamte Flotte zur gleichen Zeit die maximale Lebenszeit erreicht."

Reuters/dpa/pat



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
auweia 02.11.2016
1. Hmm...
Eine wirkliche Rache scheint das aber nicht zu sein. Schlage alternativ die Stationierung von diversen Eurowings-Flugzeugen in Stanstead, Birmingham und Dublin vor.
matbhmx 02.11.2016
2. Nun hat die Lufthansa ja offensichtlich ...
... trotz aller Unkenrufe Gewinn gemacht - nur: Vielleicht ginge es ja deutlich besser! Die Lufthansa scheint so ein bisschen das Problem zu haben, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt hat: Man "reagiert" immer nur! Stattdessen müsste man Mal den Hintern hochbekommen und "agieren"! Ideen werden woanders gemacht - nicht bei der Lufthansa und ihren Töchtern!
stefanmargraf 02.11.2016
3. Oh, Konkurrenz, ja sowas, ogottogottgottogott.
Nachher wird es noch Marktwirtschaft geben. Ojeh, ojeh. Dann ist Schluß mit Premiumpreisen für Durchschnitt. Die freiwerdenden Mitarbeiter der Deutschen Airlines können dann ja versuchen bei Ryanair einen Job zu bekommen. Aber die werden andere nehmen, die Deutschen sind zu verwöhnt.
think4youself 02.11.2016
4. Strategisches Denken sieht anders aus
Lufthansa wird hier von wieder Ryanair vorgeführt. Warum nicht lieber selber eine Strategie ausdenken, als abwarten und dann ggf. kopieren? Die Passagiere würde am ende davon profitieren, wenn Lufthansa konkurrenzfähiger wäre. Natürlich nicht ganz einfach als (ehemaliges) Staatskonzern.
Dr.Fuzzi 02.11.2016
5. Och Joh!
Zitat von matbhmx... trotz aller Unkenrufe Gewinn gemacht - nur: Vielleicht ginge es ja deutlich besser! Die Lufthansa scheint so ein bisschen das Problem zu haben, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt hat: Man "reagiert" immer nur! Stattdessen müsste man Mal den Hintern hochbekommen und "agieren"! Ideen werden woanders gemacht - nicht bei der Lufthansa und ihren Töchtern!
Ist es etwa auch für Sie eine grandiose Idee, alteingesessene Partnerschaften, wie die auch das Verhältnis Fraport/Lufthansa so kennzeichnend sind, durch irgendwelche "Billigheimer" zu konterkarieren? Das Lufthansa nun auf einen ähnlichen Rabatt bzgl. der Gebühren pocht und einfordert, ist mehr als nachvollziehbar. Ohne Lufthansa wäre Fraport niemals dort, wo es heute ist! Wozu überhaupt Rabatt für einen Billigheimer der Lüfte?
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