Luftverkehr Rätselhafte Bruchlandungen - SAS streicht Dutzende Flüge

Drei Bruchlandungen innerhalb weniger Wochen: Die skandinavische Fluggesellschaft SAS muss Dutzende Maschinen aus dem Verkehr ziehen - allein heute wurden 57 Flüge für mehrere tausend Passagiere abgesagt. Nun will die Airline den Skandalflieger verschrotten.


Für die 44 Insassen an Bord des Propellerflugzeuges wurde die Landung zu einem Schockerlebnis. Die aus Bergen kommende Turboprop-Maschine der skandinavischen Fluggesellschaft SAS sollte gestern regulär auf dem Kopenhagener Flughafen Kastrup landen, aber das Manöver geriet zur Bruchlandung: Die Maschine schlitterte auf dem Bauch über die Landebahn, der rechte Flügel schleifte über den Boden. Schon beim Aufsetzen war sie gekippt, brach dann nach rechts aus, bevor sie mit noch halbwegs intaktem Rumpf zum Stehen kam.

Zwar wurde Angaben der Polizei zufolge bei dem Unfall niemand verletzt, für SAS ist es aber bereits der dritte Unfall mit einer Turboprop-Maschine vom Typ Dash-8 Q400 des Herstellers Bombardier innerhalb weniger Wochen. Die Flugzeuge werden auf Regionalstrecken eingesetzt.

Die dänische Flugaufsicht verhängte knapp 15 Minuten nach Bekanntwerden des Unfalls zum zweiten Mal seit September ein Flugverbot für alle Dash-8-Flugzeuge des größten skandinavischen Flugunternehmens. Einige Flugzeuge der Baureihe seien im Moment noch in verschiedenen Teilen Europas in der Luft, sagte daraufhin ein Sprecher der Behörde. "Wenn sie gelandet sind, dürfen sie nicht mehr starten."

Heute musste SAS durch den Ausfall seiner Dash-8-Flotte 57 innereuropäische Flüge für mehrere tausend Passagiere absagen. Eine von zwei Landebahnen auf dem stark genutzten internationalen Flughafen der dänischen Hauptstadt blieb bis zum Abend wegen der havarierten Maschine blockiert.

"Das ist unfassbar. Eine unmögliche Situation", sagte SAS-Sprecher Bertil Ternert im Rundfunk zu der Unfallserie. Dänemarks Verkehrsminister Jakob Axel Nielsen erklärte, er sei über die Unfallserie "total schockiert".

Schadenersatzforderungen an Bombardier

Nach der Serie von Zwischenfällen will SAS künftig keine Bombardier-Flugzeuge vom Typ Dash-8 mehr nutzen. Bei dem Modell seien wiederholt "Qualitätsprobleme" aufgetreten, erklärte SAS-Vizechef John Dueholm heute. SAS habe immer einen "exzellenten Ruf" gehabt, und es bestehe das Risiko, dass die weitere Nutzung der Flugzeuge "schließlich die Marke SAS beschädigen könnte", fügte er hinzu.

Am 9. September hatte es ebenfalls mit Bombardier-Flugzeugen dieses Typs zunächst im dänischen Aalborg und wenige Tage später in Litauens Hauptstadt Vilnius Unfälle unter denselben dramatischen Umständen gegeben - bei beiden Unfällen wurde niemand verletzt. In Aalborg geriet das SAS-Flugzeug nach einer Notlandung in Brand, in Vilnius schleifte die Maschine während einer Notlandung mit einer Tragfläche über die Landebahn. Die Behörden reagierten auch danach mit einem mehrwöchigen Flugverbot für alle 27 SAS-Maschinen diesen Typs. Die Flüge mit den betroffenen Maschinen wurden Anfang Oktober wieder aufgenommen.

SAS ordnete damals Inspektionen und Reparaturen an. Nach den ersten beiden Notlandungen hatte das Unternehmen Schadenersatzforderungen an den kanadischen Flugzeughersteller Bombardier über 500 Millionen schwedische Kronen (55 Millionen Euro) wegen Rost an der Fahrwerkshydraulik fast aller Dash-Maschinen angekündigt. Nach der Diagnose von Korrosion wurden an 25 der 27 Flugzeuge alle betroffenen Fahrwerksteile ausgewechselt. Die Ermittlungen der litauischen und dänischen Behörden sind aber noch nicht abgeschlossen.

hen/dpa/Reuters/AP/AFP



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