Luxus-Reisetrends Keine Frage des Geldes

Luxus-Suite, eigener Butler, Dinner um 3 Uhr morgens: Wenn Geld keine Rolle bei der Urlaubsplanung spielt, sind die Ansprüche hoch. Trendforscher erwarten jedoch einen Wandel in der Reiselust der Reichen. Gefragt ist der wahre Erinnerungswert.

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Berlin - Heerscharen von Bediensteten, allabendliche Sieben-Gänge-Menüs, Parties auf Privatyachten und Hotelsuiten im Fußballplatz-Format: Wenn die Superreichen Urlaub machen, muss das Angebot so verschwenderisch und opulent wie möglich sein. Reiseveranstalter verwöhnen ihre millionenschwere Klientel mit allem, was möglich ist - doch Trendforscher warnen, dass die Angebote häufig die Bedürfnisse der Top-Klientel verfehlen.

Luxus ist nicht gleich Luxus - das ist das Ergebnis einer Studie von Klaus-Dieter Koch, Chef der Consulting-Firma Brand:Trust. Er hat die Bedürfnisse von Superreichen in europäischen Ländern verglichen und gravierende Unterschiede festgestellt. "In Polen beispielsweise gibt es ein viel extrovertierteres Luxusverständnis als in Deutschland", sagt er.

Deutsche oder schweizerische High Net Worth Individuals (HNWI) wollen mit ihrem Vermögen der Gesellschaft oftmals etwas zurückgeben, lautet eins der zentralen Ergebnisse der Studie. Die Superreichen anderer Länder lassen sich hingegen noch Prunkpaläste errichten oder ordern den dritten Ferrari. Dass eine derartig heterogene Klientel auch sehr unterschiedliche Ansprüche im Urlaub hat, hätten viele Anbieter von Luxusreisen noch nicht begriffen, sagt Koch.

Während die Trends zu Schnäppchenreisen und ökobewusstem Urlaub in aller Munde sind, entwickelt sich die Zielgruppe der Superreichen vergleichsweise unbeachtet. "Der Luxusmarkt ist das am schnellsten wachsende Segment im Reisebereich", sagt Nigel P. Beckett von der Marktforschungsfirma Luxury Travel Networking. Rosige Zeiten also für Veranstalter von Luxusreisen, zumindest wenn sie den Nerv der betuchten Zielgruppe treffen. Doch was genau erwartet der reiselustige Millionär von seinem Urlaub?

Was zählt, ist der Erinnerungwert

"Luxus definiert sich nicht nur über den Preis, besonders wichtig sind nicht-materielle Faktoren", sagt Jürgen Maier, der sich beim Kreditkartenanbieter American Express um die Reisewünsche von Premiumkunden kümmert. Es gehe den Menschen um Erinnerungswerte, um das Wissen, etwas Authentisches und qualitativ Hochwertiges geboten zu bekommen, um ein gutes Gewissen beim Reisen sowie um den individuellen, authentischen Wert einer Erfahrung.

"Die Übernachtung in einer mongolischen Jurte kann für den Gast einen größeren Wert haben als der Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Hotel", sagt Maier. Auch oder gerade wer viel Geld hat, will mit seinen Reiseerzählung die Nachbarn zu Hause beeindrucken.

Und wer sich dennoch nach unerschwinglichem Fünf-Sterne-Luxus sehnt, für den hält Koch Tröstendes parat. Denn die Standards, die heute zur Reise-Realität der Superreichen gehören, könnten schon bald für immer mehr Touristen erreichbar sein. "Luxus ist ein Seismograf für das, was demnächst im Massenkonsum passieren wird", sagt Koch. "Denken Sie an Handys oder auch Bio-Lebensmittel - noch vor 15 Jahren war beides selten und relativ teuer." Auch die heute allgegenwärtigen Wellness-Angebote in Hotels waren noch vor wenigen Jahren wohlbetuchten Reisenden vorbehalten.

So könnten sich in wenigen Jahren Fünf-Sterne-Standards aus den Bereichen Service und individuelle Betreuung auch immer stärker im Mittelklassebereich ansiedeln. Schon heute bieten manche Budget-Backpacker-Unterkünfte kaum einen schlechteren Service als die großen Hotels, wenn es um die Buchung von Tagestouren oder Reisetipps vor Ort geht.

Tarifwirrwarr schreckt ab

Im Luxussegment sind viele Anbieter laut Expertenmeinung noch weit vom Optimum entfernt. "Ein Hotel, das fünf Sterne auf dem Dach hat und Massenabfertigung betreibt, macht etwas falsch", sagt Beckett. Ein Standard-Patentrezept kann nicht aufgehen, wenn Gäste aus der ganzen Welt mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen kommen.

Manchmal machen selbst Premium-Tourismusunternehmen die vermeintlich erholsamsten Tage des Jahres unnötig kompliziert. "Viele Anbieter belasten den Kunden, bieten etwa ein undurchsichtiges Gewirr von 25 verschiedene Tarifen an, dabei soll Urlaub doch Entlastung sein", sagt Koch. Der Gast will die Kontrolle über seinen Tagesplan und nicht wie ein Kind behandelt werden. Wenn ein Hotelrezeptionist dem früh morgens eintreffenden Kunden mitteilt, der Check-In sei erst ab 15 Uhr möglich, ist das alles andere als kundenorientiert.

"Live your own schedule" heißt das Zauberwort in der Hotellerie. "Im Luxussegment sollte es möglich sein, dass ein Gast auch um 3 Uhr morgens ein Abendessen bekommt oder um 4 Uhr ins Spa geht", sagt Beckett. Was Geschäftsreisenden vielerorts schon geboten wird, ist in manchen Urlaubszielen noch weit von der Realisierung entfernt.



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