Mainzer Hauptbahnhof BKA startet Biometrie-Überwachung

Das Bundeskriminalamt hat am Mainzer Hauptbahnhof ein neues Video-Überwachungssystem in Betrieb genommen. Vier Monate lang testen die Beamten mithilfe biometrischer Daten, ob Einzelpersonen in Menschenmengen erkannt werden können. Datenschützer warnen vor totaler Kontrolle.


Mainz - Das Bundeskriminalamt (BKA) startete das Pilotprojekt zur Erprobung biometrischer Gesichtserkennung heute im Mainzer Hauptbahnhof. Laut BKA-Vizepräsident Jürgen Stock sollen bis 31. Januar rund 200 ausgewählte Probanden täglich den Eingangsbereich des Bahnhofs passieren, der täglich von bis zu 20.000 Menschen frequentiert wird. Dabei werden die Testpersonen von drei verschiedenen Fahndungssystemen gefilmt.

Bildmontage des BKA: Die Kameras überwachen nur einen Teil des Eingangsbereichs im Mainzer Hauptbahnhof
AP

Bildmontage des BKA: Die Kameras überwachen nur einen Teil des Eingangsbereichs im Mainzer Hauptbahnhof

Bei der Kontrolle mittels biometrischer Daten werden spezielle Merkmale des Gesichts gespeichert und verglichen. Nach BKA-Angaben werden die aufgenommenen Bilder mit einer internen Fotodatei verglichen, in der alle 200 Probanden gespeichert sind. Bei den Testpersonen handelt es sich um 150 Mainzer Bürger und 50 Beschäftigte von Behörden.

Die Aufnahmen werden in das Kriminalistische Institut des BKA übertragen und nach dem Ende des Versuchs gelöscht. Die Daten von unbeteiligten Passanten werden laut BKA bereits nach 48 Stunden vernichtet. An echte Fahndungsdateien ist das System demnach nicht angeschlossen. Die Technik soll es im Idealfall ermöglichen, mutmaßliche Gewalttäter oder auch Vermisste zu identifizieren. Die Kosten des Versuchs liegen bei rund 210.000 Euro.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte das Pilotprojekt. Um Menschen vor Terroranschlägen zu schützen, sollte modernste Technik zur Hilfe genommen werden, sagte GdP-Chef Konrad Freiberg im ZDF. Allerdings könne Technik Polizisten nicht ersetzen. Sollte der Versuch erfolgreich verlaufen, müsse eine Diskussion über den Einsatz der Technik geführt werden. Dabei müsse auch darauf geachtet werden, wie hoch die Fehlerquoten seien.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar forderte eine klare Beschränkungen für Biometrie-Einsätze bei Videoüberwachungen. Bei solchen Methoden könne es zu einer "vollständige Kontrolle" aller Personen kommen, die sich in der Öffentlichkeit aufhalten, sagte Schaar im ZDF. Er forderte "ganz klar eine Beschränkung auf reine Fahndungszwecke".

har/ap/afp/dpa



insgesamt 513 Beiträge
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Seite 1
wolf.m, 18.08.2006
1.
---Zitat von sysop--- Obwohl von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert, sind in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel weniger Überwachungskameras im öffentlichen Raum installiert. Datenschützer warnen vor einem Trend hin zur "Überwachungsgesellschaft". Wie stehen Sie zu Überwachungskameras im öffentlichen Raum? ---Zitatende--- Positiv, wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts befürchten. Es dient unserer aller Sicherheit. Es muß natürlich klar geregelt sein wer Zugriff hat, also nicht das "private Firmen" damit ihr Unwesen treiben. Wie "hey Wolf, Du warst doch am Dienstag in Köln, Deine Frau denkt aber du warst in Berlin - kommen wir ins Geschäft?" Ist natürlich überzogen, aber geregelt muss das schon sein. Einen schönen Freitag noch
matousek, 18.08.2006
2. Ja bitte mehr Überwachung
Um Himmels Willen gebt uns mehr Überwachung.Ich habe nur noch Angst.Die Medien berichten Tag und Nacht über vereitelte und "erfolgreiche" Terroranschläge.Also muss ja was dran sein!Mittlerweile sterben ja fast soviel Menschen durch Terror in Europa wie durch Blitzschlag. Was ist denn eigentlich mit RFID-Funkchips?Mein Hund hat ja schon eines implantiert.Wann wird das endlich Pflicht für Menschen?Kann man das auch schon freiwillig einpflanzen lassen? In England wird man ja schon ca.300 mal am Tag bei einem durchschnittlichen Spaziergang in der Innenstadt gefilmt. Ich denke 500 mal wäre aber auch noch zu wenig. Ich bin der Meinung Terror kann nur besiegt werden wenn wir sämtliche Freiheiten aufgeben die wir noch besitzen.Diese Freiheiten sind doch nur Behinderung der Justiz. Schliesslich will der Staat uns doch nur beschützen. Also warum lassen wir ihn nicht?
krambambullie, 18.08.2006
3.
Überwachungskameras scheinen Anschläge ja nicht wirklich zu verhindern oder? Großbritanien liegt trotz Totalüberwachung nach Punkten vorn. "Wer Freiheit gegen Sicherheit tauscht, hat es verdient beides zu verlieren." Ich kann darauf verzichten. Aber leider sind die geistig linearen Menschen in unserem Land in der Überzahl.
krambambullie, 18.08.2006
4.
---Zitat von wolf.m--- ...wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts befürchten. Es dient unserer aller Sicherheit.... ---Zitatende--- Ob man etwas zu verbergen hat oder nicht bestimmt man nicht selbst, sondern der Machtinhaber. Vor 1934 hätte ich mir beim ankreuzen meiner Religionzugehörigkeit in Deutschland auch nichts gedacht.
mws, 18.08.2006
5.
---Zitat von wolf.m--- Positiv, wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts befürchten. Es dient unserer aller Sicherheit. Es muß natürlich klar geregelt sein wer Zugriff hat, also nicht das "private Firmen" damit ihr Unwesen treiben. Wie "hey Wolf, Du warst doch am Dienstag in Köln, Deine Frau denkt aber du warst in Berlin - kommen wir ins Geschäft?" Ist natürlich überzogen, aber geregelt muss das schon sein. Einen schönen Freitag noch ---Zitatende--- Also, da widersprechen Sie sich aber. Sie sagen ja selbst, wer nichts zu verbergen hat... Und wen es erwischt...Pech! Das ist so ein typischer Spruch von den Leuten, die fuer ein truegerisches Gefuehl von Sicherheit oder auch aus Machtgier unsere freiheitlich demokratische Grundordnung abschaffen wollen. Daher ein klares NEIN. Was ich wann und wo mache geht grundsaetzlich niemanden etwas an. DAS ist Freiheit. Um es mal eleganter mit Benjamin Franklin zu sagen: "They who would give up an essential liberty for temporary security, deserve neither liberty or security".
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