Marode Gleise Bahnstrecken droht möglicherweise der Abriss

Nun also doch? Mehrere Bahnstrecken in Niedersachsen sollen Zeitungsberichten zufolge aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden. Die Bahn AG sieht das anders: Der Konzern wolle in den kommenden Jahre zusätzliches Geld in die maroden Strecken stecken, hieß es.


Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet, habe die Bahn AG über Jahre hinweg die Instandsetzung der Schienen vernachlässigt. Ursache der Misere ist nach Angaben der Zeitung akuter Geldmangel bei allen Beteiligten: Die Züge fahren nicht kostendeckend, zudem kürzt der Bund seine Zuschüsse.

Wird in Niedersachsen bald Gras über die Bahngleise wachsen? Die Deutsche Bahn AG sagt "Nein"
DPA

Wird in Niedersachsen bald Gras über die Bahngleise wachsen? Die Deutsche Bahn AG sagt "Nein"

Ein Bahnsprecher dementierte diese Darstellung. In Niedersachsen seien keine Strecken von der Stilllegung bedroht. Bahnchef Hartmut Mehdorn habe vielmehr zugesagt, mehr Geld als bisher zur Verfügung zu stellen.

Bereits vor zwei Wochen hatte ein internes Bahn-Papier Schlagzeilen gemacht, nachdem das Schienennetz vielerorts so marode sei, dass ein "netzweiter Einbruch bei der Pünktlichkeit" bevorstehe. Die Bahn bezeichnete das Papier daraufhin als "veraltet".

Bei dem geplanten Gespräch zwischen Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel (SPD) und Mehdorn am 8. Mai werde es neben der Fahrpreis-Politik während der Weltausstellung in Hannover auch um die drohenden Stilllegungen gehen, berichtete die Zeitung.

Mehdorn werde dabei unter anderem mit folgender Mängelliste konfrontiert: Die Schienen zwischen Hamburg und Cuxhaven stammten größtenteils aus dem Jahre 1927 und müssten dringend ersetzt werden - wegen Materialermüdung sei die Strecke von Uelzen nach Bremen, der Anschluss an die neue Verbindung nach Berlin, akut bedroht. Das Gleis zum wichtigen Nordseehafen Nordenham sei so marode, dass zwischen Hude und Nordenham die Züge an acht Stellen nur noch maximal Tempo 44 fahren dürften.

Die Fahrpreis-Politik der Bahn hatte in den vergangenen Tagen in Niedersachsen teilweise deutliche Kritik hervorgerufen. So sollen zur Expo zahlreiche Sonderangebote eingeschränkt werden, um die Besucherströme besser steuern zu können. Nach dem Schönen-Wochenend-Ticket werden nun, wie die Bahn am Dienstag bestätigte, auch das Guten-Abend- und das Niedersachsen-Ticket der Weltausstellung zum Opfer fallen.



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