Martyrium auf der Rollbahn Passagiere werden in überhitztem Flugzeug ohnmächtig

Gestrandet auf einem Regionalflughafen: Vier Stunden lang mussten Passagiere der britischen Fluglinie Virgin Atlantic in ihrem umgeleiteten Flugzeug ausharren - ohne Klimaanlage, Wasser oder Speisen. Drei Gäste verloren laut Mitreisenden das Bewusstsein.


Windsor Locks/Connecticut - Passagiere der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic haben im amerikanischen Fernsehen über ein stundenlanges Martyrium bei einem Langstreckenflug von London nach Newark im US-Staat New Jersey geklagt.

Wegen schlechten Wetters sei ihr Flug am Dienstagabend nach Bradley in Connecticut umgeleitet worden, berichteten sie dem US-Fernsehsender CNN. Zurvor war er schon mit mehrstündiger Verspätung in London gestartet. Nach der Landung hätten die rund 300 Passagiere mehr als vier Stunden in dem Flugzeug ohne Klimaanlage festgesessen, ohne vom Kabinenpersonal mit Wasser oder Essen versorgt worden zu sein.

Wie die Passagierin Beth Willan CNN berichtete, fühlte es sich in der Kabine an wie fast 40 Grad Celsius. Mindestens dreimal wäre auch der Strom ausgefallen, die Fluggäste mussten im Dunklen sitzen. "Es waren Babys an Bord. Man versucht, geduldig zu sein", sagte Willan, "aber die Leute schrien und kreischten." Wie sie sagte, wurden mindestens drei Passagiere ohnmächtig. Eigentlich sollte der Flug um 21.10 Uhr am Dienstagabend am Ziel eintreffen, doch erst fast zwölf Stunden später konnten die ersten Passagiere Busse nach Newark besteigen.

Virgin Atlantic, die dem Milliardär Richard Branson gehört, entschuldigte sich am Mittwoch für die Unannehmlichkeiten. Eine Sprecherin sagte, mindestens ein Passagier musste ins Krankenhaus transportiert werden. Es gebe aber keine Verbindung mit den Umständen dieses Fluges, teilte sie CNN mit.

Erst vor kurzem wurde in den USA ein Gesetz verabschiedet, um Passagiere vor Wartezeiten von mehr als drei Stunden auf dem Rollfeld zu schützen. Fluglinien, die dagegen verstoßen, müssen mit Strafen bis zu 27.500 Dollar pro Passagier rechnen. Doch bisher gilt das Gesetz nur für US-Fluggesellschaften: "Wir sind eine europäische Fluglinie", sagte die Sprecherin der britischen Virgin Atlantic, "wir haben gegen keine Regeln verstoßen."

abl/AP



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Seite 1
barlog 23.06.2010
1. .
Wie kann es zu einem solchem Märtyrium kommen ? Kann mir einer der klugen SPON-Foristen erklären, weshalb Reisende in solchen Situationen nicht in Transiträumen untergebracht werden können ?
the_flying_horse, 23.06.2010
2. Gibt es nicht...
Zitat von barlogWie kann es zu einem solchem Märtyrium kommen ? Kann mir einer der klugen SPON-Foristen erklären, weshalb Reisende in solchen Situationen nicht in Transiträumen untergebracht werden können ?
Weil es die in Bradley in Connecticut nicht gibt.
Rubeanus 23.06.2010
3. .
Zitat von barlogWie kann es zu einem solchem Märtyrium kommen ? Kann mir einer der klugen SPON-Foristen erklären, weshalb Reisende in solchen Situationen nicht in Transiträumen untergebracht werden können ?
Bradley ist offensichtlich ein Provinz-Flughafen, auf dem in der Regel nicht viele internationale Passagiere ankommen. CNN schreibt, die US-Einwanderungsbehörde vor Ort sei nicht auf so einen Andrang (300 Passagiere) eingestellt gewesen und musste erst entsprechendes Personal heranschaffen.
hirsnemehism 24.06.2010
4. Ganz schwaches Bild...
...von der Cockpitbesatzung! Die sollen nicht erzählen, sie wären nicht in der Lage, die Klimaanlage (Langstreckenflugzeug ohne Klimaanlage? Was für 'ne Antikmaschine soll denn das gewesen sein?) laufen zu lassen (gegebenenfalls 'nen Klimawagen zu ordern) und per Funk für Verpflegung zu sorgen! Vermutlich herrschte hier Schiss vor der Geschäftsführung! Ich hoffe, die Rufschädigung, die diese Aktion der Gesellschaft bringt, ist für sie deutlich teurer, als das was Handeln "Pro-Kunden" gekostet hätte! Das Kabinenpersonal ist vermutlich NICHT verantwortlich zu machen. Die Entscheidung liegt letztendlich immer ganz vorne links!
graf.koks 24.06.2010
5. Gegen Titel und Zensur!
Zitat von barlogWie kann es zu einem solchem Märtyrium kommen ? Kann mir einer der klugen SPON-Foristen erklären, weshalb Reisende in solchen Situationen nicht in Transiträumen untergebracht werden können ?
Ich muß meinen vorherigen Mitforisten (Nr.1 und 2) widersprechen! Bradley International (BDR) ist durchaus auf einen Ansturm von 300 Passagieren vorbereitet und wird regelmäßig von den meisten großen amerikanischen Carriern bedient. Außerdem ist Boston nur ca. 160 km entfernt. Der Grund für dieses Reisedesaster dürfte durchaus die übliche Unfähigkeit und Unflexibilität der US-Einwanderungsbehörde sein. Die nennt sich bezeichnenderweise ICE (Immigration and Customs Enforcement).
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