Mexiko Reiseveranstalter bieten kostenlose Umbuchungen an

Angst vor der Schweinegrippe: Bei den größten deutschen Veranstaltern TUI und Thomas Cook können Touristen kostenlos umbuchen - zumindest bei Abflügen bis zum 4. Mai. Das Auswärtige Amt hat seinen Reisehinweis verschärft.


Frankfurt/Main - Angesichts der sich ausbreitenden Schweinegrippe stehen Reisende in die USA oder nach Mexiko vor der Frage, ob sie sich tatsächlich in den Flieger setzen sollen. Das Auswärtige Amt hat seinen Reisehinweis verschärft: Es rät seit Montagnachmittag "von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Mexiko" ab. Die EU riet ebenfalls von Reisen auch in die USA ab, falls diese nicht sehr dringlich seien.

Solange das Auswärtige Amt jedoch keine ausdrückliche Reisewarnung ausspreche, bestehe kein generelles Recht auf kostenlose Stornierung und Umbuchung, erklärte der Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV), Torsten Schäfer.

Dagegen sagte die Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin, Eva Klaar: "Urlauber, die eine Reise nach Mexiko gebucht haben und diese in den nächsten Tagen antreten würden, können die Reise unter Berufung auf höhere Gewalt stornieren oder gebührenfrei umbuchen."

Ein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt steht Klaar zufolge Pauschalreisenden zu, wenn der Urlaub erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt wäre und dies zum Zeitpunkt der Buchung noch nicht abzusehen war. Die Verbraucherschützerin empfahl, sich an den Veranstalter zu wenden, um zu prüfen, welche Möglichkeiten es für eine Umbuchung gebe.

Kostenlose Umbuchungen bei den großen Veranstaltern

Laut Verbandssprecher Schäfer informieren die Veranstalter ihre Kunden aber auch von sich aus. Wie die Anbieter auf die Krisensituation genau reagierten, sei angesichts der Zahl der Unternehmen aber nicht pauschal zu sagen.

Die Lufthansa bietet Reisenden nach Mexiko-Stadt eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung an. "Kunden mit Flugdatum bis 6. Mai können kostenfrei stornieren oder umbuchen", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Die Lufthansa fliegt einmal täglich von Frankfurt nach Mexiko-Stadt und zurück.

Die größten deutschen Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook bieten ihren Gästen kostenlose Umbuchungen an. Dies gilt vorerst für Abflüge bis zum 4. Mai, teilten die Unternehmen am Montag mit. Auch andere Reisemarken wie Dertour, Meier's Weltreisen, Alltours und FTI kündigten am Dienstag an, kostenlose Umbuchungen für diesen Zeitraum zu ermöglichen.

Der ADAC wies darauf hin, dass eine Reiserücktrittsversicherung keine Stornokosten ersetze. Auslandskrankenversicherte könnten dagegen weiterhin alle Leistungen in Anspruch nehmen. Bei weiterer Ausbreitung der Schweinegrippe sei aber zu prüfen, ob eine dann noch angetretene Reise geschützt sei.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) halten sich 4000 bis 5000 Pauschaltouristen aus Deutschland auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan auf. In Mexiko-Stadt seien dagegen nur 45 Gäste aus Deutschland, sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer.

Wie viele Bundesbürger insgesamt ihren Urlaub in Mexiko verbringen, könne der Verband nicht beziffern. "Es gibt relativ wenige Nachfragen von Kunden bei den Veranstaltern", sagte Schäfer.

TUI und Thomas Cook sagten auch alle Reisen nach Mexiko-Stadt ab, das gilt auch für die TUI-Veranstalter 1-2-Fly, Airtours, Berge & Meer, Gebeco und L'tur. Auch bei Rundreisen werde die Metropole bis 4. Mai nicht mehr aufgesucht. Nur vier von rund 1000 deutschen Mexiko-Gästen der TUI befinden sich nach deren Angaben direkt in der Krisenregion. Mexiko-Stadt sei wenn überhaupt aber eher ein Ziel von Rund- oder Studienreisen.

Dertour und Meier's liegen nach Angaben von Firmensprecherin Andrea Probst für die Tage bis zum 4. Mai Mexiko-Buchungen von 1404 Gästen vor. Derzeit seien rund 800 Urlauber mit diesen Veranstaltern in Mexiko, von denen bereits 28 eine vorzeitige Heimreise ermöglicht wurde.

Bei Verdacht sofort zum Arzt

Betroffen sind von der Schweinegrippe nach Angaben des Auswärtigen Amtes unter anderen Mexiko-Stadt, der umgebende Bundesstaat, der Staat San Luis Potosi und die Stadt Mexicali im Staat Baja California. Fälle seien aus 19 der 32 mexikanischen Bundesstaaten gemeldet worden. Das Amt rät, die Hände regelmäßig mit Wasser und Seife zu waschen sowie engen Kontakt mit Kranken und Menschenansammlungen zu meiden.

An Schweinegrippe kann nach den derzeitigen Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts (RKI) nur erkranken, wer in den vergangenen Tagen in einem Risikogebiet war. Heimkehrer, die eine Erkrankung an Schweinegrippe befürchten, sollten laut RKI sofort zum Arzt, der vorher telefonisch informiert werden sollte.

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou empfahl dagegen allgemein Touristen, die gegenwärtig vor Ort seien oder aus Mexiko zurückkehrten, einen Arzt aufzusuchen.

Reisende sollten sich auf jeden Fall auf besondere Schutzvorkehrungen einstellen. An vielen Flughäfen werden Mexiko-Reisende auf Grippesymptome geprüft. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main werden Reisende aus Mexiko bei Verdacht auf Schweinegrippe noch im Flugzeug untersucht.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

Samuel Heller, AP/dpa



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