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Landart-Kunst von Michael Grab: Schwerkraft als Klebstoff

Foto: gravityglue.com

Kunst mit Schwerkraft Der Herr der Steine

Michael Grab legt Steine aufeinander: stundenlang, tagelang. Das Ergebnis sind faszinierende Türme, die nur dank der Schwerkraft halten - und Landschaften rund um die Welt verschönern.

Michael Grab hat das, was vielen fehlt: Geduld. Für seine kleineren Steinskulpturen braucht der Künstler 20 bis 30 Minuten, für die großen Stunden oder Tage. Manchmal war alle Mühe vergebens. Dann fällt plötzlich alles zusammen, und er muss von vorne beginnen. Denn die Steine halten nur durch Schwerkraft. Eine falsche Bewegung, und die Arbeit ist dahin.

Der 30-jährige Amerikaner aus Colorado arbeitet jeden Tag, "auch wenn es regnet oder schneit". Meist ist er dabei in der Natur. Eben dort, wo es viele Felsen gibt - an Flüssen oder Seen. Sie übereinander zu balancieren sei für ihn wie Therapie, sagt er.

"In diesen Momenten bin ich vollkommen ruhig und sehr konzentriert. Ich mache einfach", sagt Grab. Er sei dann in einem stillen Dialog mit den Steinen, achte darauf, wie ihre Oberfläche beschaffen ist, wann ihr Gewicht sie zur Seite kippen lässt. "Es ist eine Art Meditation. Wenn ich die Schwerkraft spüre, ist das ein ganz besonderes Gefühl. Ich nenne es den Nullpunkt: Wenn alle einzelnen Teile sich anfühlen, als würden sie auf einmal einfrieren - und zu einem großen Ganzen verschmelzen."

60 Stunden in der Woche mit Steinen beschäftigt

So lange zu balancieren, bis das Gebilde "einfriert", verlange ein großes Maß an Fokus, Ruhe, Übung und ganz vielen anderen Dingen, sagt Grab. Früher sei er Skate- und Snowboard gefahren. "Das trainiert den Gleichgewichtssinn, den ich bei meiner Arbeit brauche." In die Kunst investiert der studierte Soziologe mittlerweile bis zu 60 Stunden die Woche. "Sie ist mein Leben."

Geld verdient er mit den Fotografien seiner Skulpturen  und mit Live-Performances. Dabei steht er auf einer Bühne, ein Orchester spielt Musik, und Grab schichtet Stein auf Stein. Bis es hält. "Bislang ist noch nie etwas schiefgegangen, immer hat es geklappt. Keiner wollte sein Geld zurück", sagt Grab, der gerne Skatershirts und Wollmütze trägt, und lacht.

Wenn er draußen ist, hört er keine Musik, sondern genießt die Ruhe. Fast immer ist er allein. "Außer mich beobachten Spaziergänger." Er denke dabei an gar nichts, sagt Grab. "Das ist auch gut so. Denn es kann sehr gefährlich werden, mit großen Steinen zu arbeiten." Sie könnten leicht herunterfallen und ihn verletzen. "Je näher ich dem Nullpunkt komme, desto mehr konzentriere ich mich - bin nur im Moment, handle und denke nicht."

"Ich will meine Kunst auf der Welt verbreiten"

"Ich liebe es, meine Kunst an schönen Orten und in Landschaften zu kreieren", sagt Grab. In den letzten Jahren hat er die USA, Kanada, Costa Rica, Schweden, Schottland, Belgien, Frankreich und Italien mit seiner Kunst verschönert. Auch in "ganz vielen Städten" habe er schon losgelegt, wie in Brüssel oder Mailand. Anfang Juli war Grab auf dem "Freqs of Nature"-Kunstfestival bei Berlin. Einmal war er mit einem Freund am Bodensee und hat dort tagelang das Ufer umgestaltet. "Mein Ziel ist es, immer mehr zu reisen und meine Kunst überall in der Welt zu verbreiten", sagt er.

An windstillen Orten halten Grabs Skulpturen  sehr lange: Monate, sogar Jahre. Auf die Skulptur "Woods Quarry", die er in Boulder, Colorado, gebaut hat, ist er besonders stolz: Ein kleiner Stein trägt eine runde Kugel, die aus vielen anderen zusammengesetzt ist. So große Skulpturen zerstört Grab aber, bevor er nach Hause geht. Seine Arbeit wird immer bekannter, viele Menschen interessieren sich dafür - der Künstler hat Angst, dass ein Gebilde zusammenbrechen und jemanden verletzen könnte.

Er liebe es ebenso sehr, die Skulpturen wieder zu zerstören, wie sie zu bauen, sagt Grab. "Es hilft mir dabei, in der Kunst und im Leben Altes ziehen zu lassen - und nach vorne zu blicken."

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