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Meerestourismus: Auf Tauchstation mit Mini-U-Boot

Foto: Virgin Limited Edition

Mini-U-Boot Achterbahnfahrt mit Delfin

Oben ohne im Unterwasser-Flugzeug: Die offene "Necker Nymph" ist das neueste Produkt des Bootentwicklers Graham Hawkes. Die Passagiere des Hightech-Leichtgewichts müssen normale Tauchausrüstung tragen - und vor allem Millionäre sein.
Von Steffan Heuer

Graham Hawkes hat wenig übrig für veraltete Technologie. Der Taucherhelm der sowjetischen Marine, den der britische Ingenieur und Abenteurer in seiner Werkstatt aufgestellt hat, ist für ihn ein abschreckendes Beispiel: "Das Ding habe ich auf einer Auktion gekauft, es wurde bis in die 80er-Jahre tatsächlich benutzt. Aber ich würde es mir weiß Gott nicht aufsetzen", sagt Hawkes bei einem Rundgang durch seine Firma Ocean Technologies bei San Francisco und schiebt die wuchtige Messingglocke in eine staubige Ecke. Er bevorzugt strahlend weiße, neue Tauchgeräte, die aussehen wie eine Kreuzung aus Torpedo und Spaceglider.

Steve Fossett

Richard Branson

In seiner Werkstatt stehen auf engstem Raum die wohl kleinsten, modernsten und leistungsfähigsten Privat-U-Boote der Welt. Gefährte, mit denen bislang vor allem eine Kundengruppe auf Tauchstation gehen kann: Millionäre. Da ist zum Beispiel der zur DeepFlight-Baureihe gehörende "Challenger", mit dem sich der inzwischen verstorbene Abenteurer auf 11.277 Meter sinken ließ. Der "Super Falcon", mit dem der Wagniskapitalist und Multimillionär Tom Perkins bis zu 300 Meter tief abtauchen kann. Und schließlich der "Merlin", mit dem der britische Unternehmer Sir eine neue Phase des Meerestourismus einläuten will.

U-Boots

Das erste Exemplar des rund 650.000 Dollar teuren lieferte Hawkes mit Ehefrau Karen im März persönlich auf Bransons Privatinsel Necker Island in den British Virgin Islands aus. Der Milliardär, der mit Virgin Galactic bereits eine Firma für Weltraumreisen besitzt, hat nun ein neues Tourismus-Unternehmen namens Virgin Oceanic ins Leben gerufen. Die weißblaue "Necker Nymph" ist Bransons erstes U-Boot für das Projekt. Zur Jungfernfahrt drehte er gemeinsam mit Hawkes eine Runde zwischen Korallen und Schwämmen, künftig sollen Inselbesucher das Gefährt buchen können.

Durchs Wasser fliegen wie mit einem Flugzeug

Tauchurlaub

"Merlin ist nicht nur meine fünfte U-Boot-Generation, die ich in vier Jahrzehnten entwickelt habe, sondern ein wirklicher Durchbruch. Damit kann man durchs Wasser fliegen wie mit einem Flugzeug", sagt sein Erfinder. Das Boot sei der erste kleine Schritt, um die Ozeane für viele Menschen zu erschließen. "In zehn Jahren wird diese Technologie nicht viel teurer sein als ein ."

Davon kann momentan allerdings noch keine Rede sein. Branson will das Unterwasser-Flugzeug mit Stummelflügeln anfangs für 25.000 Dollar die Woche plus einer Chartergebühr von 88.000 Dollar die Woche für seinen 32 Meter langen Katamaran "Necker Belle" an die Gäste seiner exklusiven Insel vermieten. Das Fahrzeug ist also für den Großteil der schwimmenden und schnorchelnden Menschheit unerschwinglich.

Es unterscheidet sich in mehreren wichtigen Kriterien von seinen Vorgänger-Booten und den Hightech-Taucherglocken namens Wasp und Mantis, die Hawkes seit den 60er-Jahren für das US-Militär, Energiekonzerne, Ozeanografen und den Filmemacher James Cameron entwickelt hat. Ein Fortschritt ist das geringe Gewicht. Der "Super Falcon", in dem zwei Passagiere hintereinander wie in einem Kampfjet unter Plexiglas-Kuppeln am Steuerknüppel sitzen, bringt knapp zwei Tonnen auf die Waage.

Der Merlin hingegen wiegt leer gerade einmal 400 Kilo, weil er sich die Druckkammer spart. Er kann dafür allerdings auch lediglich 40 Meter tief tauchen. Seine Passagiere sitzen in normaler Taucherausrüstung im Freien, nur durch eine kleine Windschutzscheibe vor dem Fahrtwasser geschützt. "Millionäre wollen alle ein privates U-Boot haben, aber bislang brauchten sie dazu eine Riesenyacht, die das Gewicht aushält, und einen Kran", erklärt Hawkes. "Unser neues Fahrzeug ist viereinhalb Meter lang - so klein und leicht, dass man es wie ein Beiboot auch auf einem 20 Meter langen Schiff unterbringen kann. Und es lässt sich vom Strand aus starten."

Die Bordelektronik verhindert allzu waghalsige Sink- oder Steigmanöver

Angetrieben wird der Dreisitzer von Lithium-Phosphat-Batterien, die fünf Stunden halten - ein Mehrfaches des längsten Tauchgangs. Während der Pilot das Gefährt mit einem Joystick steuert, brauchen die beiden Passagiere links und rechts von ihm einfach nur ihre Atemschläuche in die eingebauten Presslufttanks einzuklinken, um sich dann wie auf einer sanften Achterbahnfahrt durch die Unterwasserwelt manövrieren zu lassen.

Da das U-Boot genug Auftrieb besitzt, um seinem eigenen Gewicht und dem der Passagiere entgegenzuwirken, kann es unter Wasser auch auf der Stelle verharren. Bei einem Ausfall der Motoren soll es weder auf den Grund sinken noch an die Oberfläche schießen, sondern langsam an die Oberfläche zurückgleiten. Die Bordelektronik verhindert allzu waghalsige Sink- oder Steigmanöver.

"Das ist etwas völlig anderes, als zu tauchen, man kann das Boot in alle Richtungen drehen, kippen und wenden, und zwar weitgehend lautlos", schwärmt Hawkes. "Damit sind wir in der Lage, ein Stück weit Delfine und andere Tiere zu begleiten - vorausgesetzt, sie schwimmen nicht zu schnell." Kein anderes U-Boot weise derart niedrige Werte auf, was Lärm, Licht und Kriechströme angeht - alles Störfaktoren, die das Unterwasserleben beeinträchtigen. "Im Vergleich dazu haben wir uns bisher unter Wasser bewegt wie Trampel", sagt Hawkes.

"Die Welt wartet auf Konzepte, die unsere Fantasie beflügeln"

Für den 62-jährigen Briten ist es nur eine Frage der Zeit, bis Tauchklubs und Urlaubsanbieter vom Mittelmeer bis zur Karibik ihre eigenen U-Boote unterhalten: "Alles eine Mengenfrage, größere Stückzahlen senken den Preis, wie bei Autos." Verglichen mit einem Tauchkurs und den Kosten für die Ausrüstung hält Hawkes seine Art von Meeresausflug für preiswert - und außerdem für besonders ungefährlich, selbst für absolute Laien. Sogar seine betagte Mutter hat er mit dem Boot schon auf Tauchgang geschickt. "Ozeane bedecken einen Großteil der Oberfläche dieses Planeten. In 100 Jahren werden wir im und mit dem Meer leben", ereifert er sich. "Dann werden unsere Boote in jedem Ferienclub stehen, der etwas auf sich hält."

Ein anderes ehrgeiziges Unterwasserprojekt wird bis dahin wohl längst in Vergessenheit geraten sein: Hydropolis, ein deutsches Meereshotel vor dem Strand Dubais, ist über kühne Entwürfe nie hinausgekommen. Die Pläne für das 550 Millionen Dollar teure Projekt sahen vor, 220 Suiten in 20 Meter Tiefe zu verankern, Touristen mit dem Aufzug dort hinunterzubefördern und für den Aufenthalt in der Erlebniswelt unter der Meeresoberfläche rund 4000 Euro pro Nacht zu verlangen. Inzwischen, sieben Jahre nach ihrer ersten, medienwirksamen Präsentation, ist die Idee buchstäblich untergegangen: die Webseite stillgelegt, das Grundstück anderweitig bebaut, die Geschäftspartner verschwunden oder verbittert.

"Hotels im Meer sind immer noch eine gute Idee"

Der deutsche Architekt Joachim Hauser entwarf das Grundkonzept von Hydropolis im Jahr 2003 und konnte unter anderem Siemens Industrial Building Consultants für sein Vorhaben gewinnen. "Wir erstellten eine Machbarkeitsstudie und fertigten die Pläne für Investoren und die Behörden in Dubai an", erinnert sich Projektleiter Roland Dieterle, der heute sein eigenes Architekturstudio in München betreibt.

Nach seinen Angaben stieß das Unterwasserhotel allerdings von vornherein auf verschiedene Probleme: Wie schafft man es etwa, dass Gäste mehrere Tage unter Wasser verbringen, ohne Beklemmungen zu bekommen? Wie managt man ein solches Gebäude? Wie bewerkstelligt man allein schon die Reinigung der enormen Plexiglas-Scheiben, die unweigerlich von Algen bewachsen werden?

"Am Ende fanden die Ingenieure, Designer und Planer Antworten auf fast alle Fragen", erzählt Dieterle. So sollte das Hotel als Ring angelegt sein, damit sich das Innere des Gebäudes trockenlegen und leichter reinigen ließe - eher einem bewohnbaren Aquarium gleich als einem wirklichen Unterwasserhotel. Um den Kräften von Ebbe und Flut zu widerstehen, wäre Hydropolis entgegen der ursprünglichen Vision an einer seichten Stelle unweit des Ufers verankert worden.

Nach wie vor glaubt Dieterle an den Grundgedanken von Hydropolis. "Damals wurden die wildesten Versprechungen gemacht und nicht eingehalten. Dabei haben Leute Millionen verloren", begründet er rückblickend die Pleite. Aber Hotels im Meer seien immer noch eine gute Idee, und ein anderer werde sie bauen. "Keine Frage", befindet er abschließend, "die Welt wartet auf Konzepte, die unsere Fantasie beflügeln."

© Technology Review, Heise Zeitschriften Verlag , Hannover

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