Minisafari bei Mombasa Nilpferd liebt Schildkröte

Kenia ist Safariland. Doch nicht jeder Urlauber kann sich neben Badeurlaub am Indischen Ozean eine Pirsch durch die großen Nationalparks leisten. Sparsame Wildtierfans finden in den Haller- und Nguuni-Parks bei Mombasa eine Alternative - manche sind so begeistert, dass sie als Volontär wiederkommen.

Von Bernd Kubisch


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Minisafari bei Mombasa: Ökopark in der Zementfabrik
Giraffen recken sich zwischen Busch, Akazien und Palmen gen Himmel, hinter ihnen ist in der untergehenden Sonne die Skyline von Mombasa zu erkennen. Wildhüter Kelvin Mazera und sein Freund Frank Kraft, Safarifahrer und -führer, sind mit dem Geländewagen unterwegs im Nguuni-Park im Süden Kenias. Antilopen und eine Straußenherde lassen sich von dem Auto nicht stören. Mazera erläutert, wie das Team des Parks durch gezielte Beweidung und Bepflanzung die drohende Versteppung und Erosion von Nguuni verhindert.

Auf einem alten Baum im Feuchtgebiet bauen Webervögel emsig ihre Nester. "Es sind die Männchen", erläutert Kraft. Der 38-jährige Kenianer reicht ihm nun das Fernglas. Ein großer Schwarm mit Ibis, Pelikan, Reiher und Storch gleitet Richtung Horizont. Der 45-jährige Kraft, gebürtiger Sachse, ist Chef eines Safariunternehmens und genießt heute seinen freien Tag. Er ist mit vollem Herzen Hobby-Ornithologe. "Ich sehe so viele große Tiere, Löwen, Nashörner und Elefanten in Kenia, Tansania und Uganda. Das ist halt mein Job - aber klein ist auch fein", sagt er und wendet sich wieder seinen gefiederten Freunden zu.

Der Deutsche spendiert guten Kunden als Dankeschön für eine längere Edelsafari in andere Regionen Kenias nicht selten ein paar Stunden Nguuni mit Giraffen, Grill, Lagerfeuer, Sonnenuntergang und Ausspannen. Diese Art von Mini-Safari begeistert auch versierte Wildlife-Fans, die schon mehrmals die "Big Five" gesehen haben. Wer in Nguuni nächtigen will, klettert in einen restaurierten, einachsigen Wagen mit hohen Rädern und gemütlicher Schlafstelle aus Kissen und Matratzen. "René Haller hat an alles gedacht", loben Mazera und Kraft den heute 76 Jahre alten Schweizer, der seit 50 Jahren Natur und Menschen in Kenia hilft - und damit auch den Tourismus ankurbelt.

Schweizer kämpft für die Nachhaltigkeit

Das Nguuni-Schutzgebiet ist das neueste Projekt des Tropenagronoms Haller beim Kampf gegen Erosion und Armut, bei Damm-, Ackerbau und Tierschutz. Schon ab 1971 hatte er Teile eines Zement- und Steinbruch-Komplexes bei Bamburi zum Haller-Park-Naturschutzgebiet umfunktioniert. Er liegt in der Nähe des Nguuni-Schutzgebietes. Auf dem elf Quadratkilometer großen Gelände stolzieren Giraffen zwischen Kasuarinen-Bäumen und Schornsteinen umher, auch Affen, Krokodile, Flusspferde und viele exotische Vogelarten fühlen sich in der früheren Stein- und Kalkwüste wohl.

Der Senior mit vollem, silbergrauen Haar hat schon viele Auszeichnungen erhalten, auch von den Vereinten Nationen, doch er ist kein großer Freund von Preisen und Lobpreisungen: "Ich gebe Denkanstöße. Wir sind ein Team. Jeder der mitmachen will, ist willkommen. Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sind angesichts von Armut und Elend weiter dringend nötig." So mancher Urlauber war bereits von Hallers Umwelt- und Tourismusprojekten so begeistert, dass er später als Volontär wiederkam.

Haller ist auf dem Weg nach Nguuni. Von seiner Stiftungsverwaltung nahe der Zementfabrik steuert er sein Fahrzeug 20 Minuten über Asphalt, dann durch Schlaglöcher, Pfützen und Abfall. Frauen tragen Körbe, Kinder spielen barfuß, viele in durchlöcherter Kleidung. Etliche Männer dösen in der heißen Sonne vor Hütten aus Blech, Holz, Stein und Planen. Wo Mombasas Slums enden, beginnt der Nguuni-Park.

"Kenia ist nur für Urlauber ein Paradies", sagt kurz darauf Lennox Mbaga. Der Arzt behandelt gerade den dreijährigen Felix, der Fieber und Anzeichen von Malaria hat. Seine Mutter ist in Sorge, weil sie kein Geld für die Tabletten hat. "Keine Angst, das kriegen wir schon hin", sagt der Arzt. Haller nickt und streichelt dem Kleinen über den Kopf. Die Arztstation mit Labor gehört ebenso zu Nguuni wie die Kinderbibliothek am Eingang zum Park, in der Slumkids aus Mombasa in Werken über Raumfahrt und Computer stöbern. Zwei Touristenkinder aus England unterhalten sich mit den Schülern, die erzählen: "Wir kommen gern hierher. Unsere Eltern haben kein Geld, um Bücher zu kaufen."

Ärztliche Versorgung und Bücherei werden vom Baobab Trust gefördert, der auch ein Werk des Schweizers ist. Im Zentrum stehen Umwelterziehung, Wiederaufforstung und der Artenschutz. Der Reisekonzern TUI hat Baobab schon 1992 ausgezeichnet. Sponsoren und Förderer seien wichtig, betont Haller. Zu ihnen zählen zum Beispiel British Airways, der Schweizer Reiseveranstalter Kuoni und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP). Freunde und Förderer gründeten als Unterstützung die Haller Foundation.

Schildkröte adoptiert Flusspferd

Am Eingang von Nguuni hängt Werbung für den Samstagmorgen-Spaziergang der Vogelbeobachter. Gäste zahlen 200 Schilling, etwa 1,70 Euro. Camping kostet pro Nacht und Person 150, Fischen 200, Parkeintritt 300 Schilling. "Unsere Preise sind auch mit Blick auf die Einheimischen gemacht", erklärt Wildhüter Mazera.

Haller streichelt vor seinem Büro zwei Esel. "Nützliche Tiere", sagt er, "die können noch in der Landwirtschaft helfen." Ein Stück weiter probieren Mitarbeiter neues Saatgut. "Die Menschen müssen lernen, sich selbst zu versorgen. Dabei wollen wir helfen." Wer drei Monate ehrenamtlich dabei sein will, ist willkommen, sagt Sonal Singh, Assistentin im Büro des Baobab Trust, und wer als Rentner zwei Jahre mitarbeiten möchte, natürlich auch.

Interessiert an den ungewöhnlichen Naturparks ist auch eine Urlaubergruppe im Haller-Park, die von einem Reiseführer durch das Gelände mit Kanälen, dichtem Wald, Feuchtgebieten und Pfaden geführt wird. Der junge Mann erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft: Flusspferd Owen wurde als Einjähriger von den Wellen des Tsunami an den Strand von Malindi gespült und dann in den Ökopark gebracht. Dort adoptierte ihn die rund 130 Jahre alte, männliche Riesenschildkröte Mzee. Die beiden rundlichen Tiere waren fortan unzertrennlich, liefen im gleichen Tempo und gingen zusammen baden.

Dann beschreibt der Ranger und Führer das spektakuläre, Jahrzehnte dauernde Renaturierungswerk des Schweizers - von der Steinwüste zu blühenden Landschaften. "1971 haben manche über René Haller gelächelt. Heute ist er unser aller Vorbild", sagt der junge Mann aus Mombasa. In dem Moment kreischt laut ein Affe, hüpft von Ast zu Ast, beäugt die Menschengruppe. Er wackelt mit dem Kopf. Es scheint, als ob er zustimmend nickt.

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Klopferrrr 10.02.2010
1. Geographie ungenügend
Kenia liegt am Indischen Ozean, nicht am Pazifik. Oder meinte der Autor, wer sein letztes Geld für eine Reise an den Pazifik ausgegeben hat, kann sich keine Safari mehr leisten?
hypermental 10.02.2010
2. Kenia am Pazifik - Deutschland am Mittelmeer
Zitat von KlopferrrrKenia liegt am Indischen Ozean, nicht am Pazifik. Oder meinte der Autor, wer sein letztes Geld für eine Reise an den Pazifik ausgegeben hat, kann sich keine Safari mehr leisten?
Wollte ich auch anmerken... Riecht hier nach einer ziemlich teuren Weltreise! ;-)
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