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Mont Blanc: Streit um Luxus-Berghütte

Foto: JEAN PIERRE CLATOT/ AFP

Ärger um Mont-Blanc-Luxushütte Das Ei des Anstoßes

Am Mont Blanc können Alpinisten so luxuriös schlafen wie noch nie: Die neue Berghütte auf 3800 Metern bietet Designer-Chic in Biobauweise. Doch jetzt hagelt es Kritik am Öko-Ei - weil die Nacht bis zu 90 Euro kostet und Gäste ohne Reservierung strafversetzt werden.

Ultramodern, komfortabel und gleichzeitig ökologisch konzipiert: Seit Ende Juni können Bergsteiger beim Aufstieg zum Mont Blanc in einer neuen Wanderhütte unterkommen. Doch der futuristische Bau in Ei-Form mit seiner Inox-Fassade, der in 3835 Meter Höhe auf dem verschneiten Bergkamm Aiguille du Goûter über den französischen Alpen thront, sorgt schon jetzt für Kontroversen. Dem einen ist die Herberge zu luxuriös und zu teuer, der andere klagt über die neuen Reservierungsvorschriften.

Eines ist sicher: Der Kontrast zu der rund 300 Meter entfernten alten Wanderhütte aus den sechziger Jahren, die oft wegen schlechter sanitärer Verhältnisse kritisiert wurde, könnte nicht größer sein. Die neue Unterkunft "ändert unser Leben", sagt Wanderführer Michel Payraud, der einen Kunden auf den mit 4810 Metern höchsten Gipfel der Alpen begleitet. Die alte Hütte sei ein regelrechter "Schandfleck" gewesen. Er habe sich geschämt, dort mit Bergwanderern abzusteigen.

Mit seiner hellen Holzvertäfelung, dem riesigen Speisesaal und den gemütlichen Schlafsälen mit insgesamt 120 Betten gleicht das nagelneue Refuge du Goûter einer Luxusjugendherberge. Außerdem soll es dank seiner eiförmigen Konstruktion selbst den heftigsten Stürmen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h standhalten können. Modernste Technologie gewährleistet zudem eine möglichst geringe Umweltbelastung: Für die Wasserversorgung wird Schnee geschmolzen, das Abwassersystem gleicht dem von U-Booten, Solaranlagen und Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen Strom und Wärme.

Ein bisschen elitär

Doch diese technische Errungenschaften und die damit einhergehenden stolzen Preise - 90 Euro für die Übernachtung mit Halbpension - sind nicht nach jedermanns Geschmack. "Das ist eher ein Hotel als eine Berghütte", murrt ein Gast. "Ein bisschen elitär", meint auch der 30 Jahre alte Sébastien Letout. "Wer hier übernachten will, braucht etwas Geld."

Vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Architektur sei die Herberge mittlerweile zum Ziel auch für Leute geworden, die gar nicht auf den Mont Blanc steigen wollen, berichten einige Bergführer. Die Hütte könnte sogar Ziel von Gruppen werden, die fröhlich einen Junggesellenabschied feiern wollen.

Dies würde wohl den Mont Blanc, der schon heute jedes Jahr Ziel von Tausenden Bergsteigern ist, noch zusätzlich belasten. Dem sollen einige Vorschriften entgegenwirken: Während Wanderer ohne Reservierung bislang nahe der alten Hütte zelten durften, ist Camping nun untersagt.

Straflager zwischen Steigeisen

Wer nicht reserviert hat, muss entweder zu der unterhalb gelegenen Hütte Tête Rousse zurückkehren - und damit fast 670 mühsam erklommene Höhenmeter wieder zurücklaufen. Oder aber er schläft im Eingangsbereich der neuen Herberge, inmitten von Schuhen und Steigeisen. Und berappt dafür den vollen Preis von 90 Euro - und zwar ohne Mahlzeiten.

Viele lehnen diesen als Abschreckung gedachten Straftarif freilich ab und ziehen lieber weiter. Wie der 27 Jahre alte Tscheche Ondrej und seine Freundin Sarka. Sie beschließen um acht Uhr abends, ihren Weg fortzusetzen. Sie wollen noch bis zur Schutzhütte Vallot in 4367 Meter Höhe klettern - ein nicht ungefährlicher Aufstieg von ganzen drei Stunden. "Natürlich sind wir müde, aber was sollen wir machen", schimpft Sarka. "Wir wussten nicht, dass wir reservieren mussten."

Auch unten im Tal, im Städtchen Chamonix, sorgt die Nobel-Berghütte für Unmut. Um die Zahl der Wanderer zu reduzieren, wäre es am einfachsten gewesen, gar keine neue Unterkunft zu bauen, meinen Kritiker. Der Aufstieg bis zum Gipfel des Mont Blanc sei auch von der Hütte Tête Rousse aus gut zu bewältigen, sagt Christophe Profit, der früher ein bekannter Alpinist war und heute als Bergführer arbeitet. Doch "Business und Rentabilität" hätten eben Vorrang vor dem Schutz der Natur.

sto/AFP
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