Mont Blanc Gipfelsturm nur mit Reservierung

Der Mont Blanc gerät zur Müllhalde. Zehntausende Touristen im Jahr sind zu viel, klagt ein Bürgermeister. Um den Ansturm auf den höchsten Berg der Alpen zu begrenzen, fordert er eine Ökosteuer und Reservierungspflicht für die Hütten. Die Bergsteiger sind entsetzt.


Paris - Unter Europas Gipfelstürmern herrscht Aufregung. Der Zugang zum höchsten Berg der Alpen, dem Mont Blanc, soll eingeschränkt werden. Das will zumindest der Bürgermeister der französischen Kommune Saint-Gervais, auf deren Gebiet der 4807 Meter hohe Berg steht. Mit dem Zwang zur Reservierung für die Bergunterkünfte sowie einer Ökosteuer will Jean-Marc Peillex gegen die zunehmende Verschmutzung des Montblanc kämpfen, die die wachsenden Touristenströme verursachen. Alpinisten pochen jedoch auf freien Zugang zu allen Gipfeln.

Der Mont Blanc ist überlaufen, klagt Bürgermeister Peillex. Im Sommer 2003 sei ein Teil des Berges gelb vom Urin der jährlich rund 30.000 Bergwanderer gewesen. In den folgenden Jahren sei dies nur nicht der Fall gewesen, weil es genug geschneit habe, um die Hinterlassenschaften der Mont-Blanc-Besteiger zu überdecken. Peillex schlägt deshalb eine Ökosteuer vor. Ein "symbolischer Betrag" von einem Euro könne für das Wegräumen von Abfall sowie für Kampagnen für mehr Umweltbewusstsein genutzt werden.

Die andere Säule von Peillex' Plan ist die Reservierungspflicht bei Unterkünften. "Hier muss es mehr Disziplin geben", sagt er. Derzeit nehmen die Unterkünfte des Mont Blanc mit ihren gut 250 Plätzen grundsätzlich jeden auf, der anklopft. Gäste ohne Reservierung müssen allerdings Abstriche beim Komfort machen. Das heißt auf dem Boden des Gemeinschaftsraums schlafen und morgens nur ein heißes Getränk, sagt Bernard Mudry, Vorsitzender des französischen Alpinclubs CAF, der die Herbergen auf dem Berg betreibt.

Wachpersonal auf 3800 Metern

Die Unterkünfte gehören allerdings der Kommune. Und deren Chef Peillex will verbindliche Reservierungen, die verfallen, wenn jemand zum Beispiel wegen schlechten Wetters nicht kommt. "Wie bei einem Flug, den man umbucht", sagt Peillex. Damit das wilde Campen rund um die Herbergen aufhört, solle entsprechendes Wachpersonal regelmäßig vor Ort sein.

Olivier Dufour, Vorsitzender der örtlichen Bergführervereinigung, findet die Vorschläge des Bürgermeisters zu kategorisch. "Auf 3800 Metern kann man den Leuten ohne Reservierung nicht sagen, geht wieder runter." Die Herbergen müssten da flexibel bleiben. Auf zehn Gäste mehr oder weniger komme es nicht an. Großgruppen ohne Vorbestellung seien allerdings ein Problem, räumt der Bergführer ein. "Aber vor 15 Jahren war das viel schlimmer." Auch das Müllproblem werde übertrieben. Zwar habe er mit anderen Helfern bei der diesjährigen Aufräumaktion wieder tonnenweise Abfälle aufgesammelt, doch das Umweltbewusstsein der Bergwanderer sei deutlich gewachsen.

Auch Vincent Neirinck von der Bergschutzorganisation Mountain Wilderness findet: "Der Besucherstrom ist überhaupt nicht das Problem." Eine viel größere Gefahr für die Umwelt seien der Lkw-Verkehr sowie neue Straßenbauprojekte in der Region. Der Bürgermeister verhalte sich inkonsequent, kritisiert Neirinck. Schließlich könne er die Bahnverbindung schließen, die die Mont-Blanc-Besucher zum in 2372 Meter Höhe gelegenen Nid d'Aigle bringt - und dadurch den Aufstieg erschweren. Auf diese Einnahmen will er nicht verzichten, gibt Peillex offen zu.

Yvonne Brandenberg, AFP



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