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Hochsaison am Mount Everest: Warteschlange am Gipfel

Foto: Project Possible/AFP

Stau am Mount Everest Bitte hinten anstellen!

Die Bergsteiger stehen Schlange - sie alle wollen auf den höchsten Gipfel der Erde. Einem britischen Kletterer gelang ein eindrucksvolles Foto vom Massenandrang am Mount Everest.

Der Mount Everest ist nicht jeden Tag geöffnet. Der Gipfel des höchsten Bergs der Welt ist nur in einem bestimmten Zeitfenster erreichbar - nämlich dann, wenn das Wetter stimmt, wenn der Schneefall und die Winde nicht zu stark sind. Die Chancen sind im Mai am größten, manchmal sind es nur wenige Tage. An diesen machen sich die Teams, die zum Teil schon Wochen im Basislager und den höher gelegenen Camps warten, auf den Weg.

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Hochsaison am Mount Everest: Warteschlange am Gipfel

Foto: Project Possible/AFP

In diesem Jahr begann die Saison verzögert. Normalerweise gibt es sieben bis zwölf sogenannter Gipfeltage - bis diesen Freitag gab es lediglich fünf. Am Mittwoch herrschte daher ein Massenandrang: Mehr als 200 Kletterer nahmen den 8848 Meter hohen Gipfel in Angriff. Unterhalb des Ziels kam es daher zu stundenlangen Wartezeiten an Engpässen - und das in einer gesundheitlich gefährlichen Höhe. Die Teams riskierten Erfrierungen und Höhenkrankheit.

Ein Foto des Briten Nirmal Purja zeigt die Schlange der wartenden Bergsteiger vor blauem Himmel. Der ehemalige Soldat will mit seinem Project Possible die 14 höchsten Berge der Welt in nur sieben Monaten  erreichen. Am Mittwoch schaffte er den Everest-Gipfel um 5.30 Uhr - er schätzte die Zahl der Bergsteiger dort auf etwa 320.

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Anders als für Purja verliefen Auf- und Abstieg seit Mittwoch für sechs Männer und Frauen tödlich. Beobachter sagten, manche der Todesfälle könnten damit zusammenhängen, dass zu viele Bergsteiger auf einmal die Besteigung versuchten. Auch am Donnerstag machten sich mehr als 120 Bergsteiger auf den Weg zur Spitze.

Am Mittwoch und Donnerstag kamen - unabhängig voneinander - ein 55-jähriger US-Amerikaner, zwei indische Frauen im Alter von 49 und 54 Jahren und ein 27-jähriger Inder beim Abstieg vom Gipfel des Achttausenders ums Leben. Alle vier hatten nach Berichten von Sherpas unter Erschöpfung gelitten.

Der 27-Jährige habe auf dem Everest "mehr als zwölf Stunden im Stau" gesteckt, erklärte der Tourveranstalter Peak Promotion. Sherpas hätten den erschöpften jungen Mann ins Camp 4 begleitet, dort habe er allerdings seinen letzten Atemzug getan. Am Freitag wurden der Tod eines 65-jährigen Österreichers bekannt, der auf der weniger genutzten Strecke auf der tibetischen Seite unterwegs war, sowie eines 33 Jahre alten nepalesischen Bergführers, der beim Aufstieg mit einer Gruppe zusammenbrach.

"2019 hören wir Horrorgeschichten über Besteigungsversuche, die vom Südsattel bis zum Gipfel 10, 12 oder sogar 14 Stunden benötigen", schreibt der Everest-Chronist Alan Arnette auf seiner Webseite . "Aufgrund der Staus dauert die Rückkehr zum Südsattel noch mal sechs Stunden - also zusammen 20 Stunden, das ist verrückt." Der Südsattel, wo meist das letzte Camp unter dem Gipfel aufgeschlagen wird, liegt in 8000 Meter Höhe auf dem Südostgrat, auf ihm müssen die Bergsteiger bis zum Gipfel hintereinander laufen und können sich nicht überholen.

In der Vorwoche waren bereits ein Ire verunglückt und ein Inder tot in seinem Zelt gefunden worden. Insgesamt sind damit seit dem Beginn der Klettersaison im März 16 Bergsteiger im nepalesischen Teil und einer im chinesischen Teil des Himalaya ums Leben gekommen oder werden vermisst. Davon sind sieben Inder.

Für die Aufstiegsgenehmigung für den Everest von Nepal aus zahlen ausländische Bergsteiger umgerechnet rund 9000 Euro. Diesmal wurden 375 davon erteilt - ähnlich viele wie in vergangenen Jahren. Im vorigen Jahr hatte es fünf Todesfälle am Everest gegeben, im Schnitt sterben fünf bis zehn Menschen pro Jahr an dem Berg.

Rekorde und Elisabeth Revol war auch oben

Auch in diesem Jahr wurden Rekord aufgestellt: Der Nepali Kami Rita hat am Dienstag zum 24. Mal den Gipfel erreicht und innerhalb einer Woche zum zweiten Mal seinen eigenen Rekord der meisten Besteigungen gebrochen. In der vergangenen Woche erreichte die 47-jährige Saray Khumalo aus Südafrika den Gipfel - als erste schwarze Afrikanerin. Dies war ihr vierter Versuch.

Das Team der französischen Bergsteigerin Elisabeth Revol gab derweil bekannt, dass sie direkt hintereinander den Mount Everest und einen weiteren Achttausender im Himalaya bestiegen habe. "Sie hat es gestern auf den Gipfel des Everest geschafft und ist heute auf den Lhotse gestiegen", teilte ihr Team der Nachrichtenagentur AFP mit. Revol musste voriges Jahr während einer Expedition auf den pakistanischen Nanga Parbat gerettet werden. Ihr polnischer Begleiter starb.

Seit der ersten Besteigung des Mount Everest 1953 schafften es inzwischen mehr als 5000 Menschen auf den Gipfel des Bergs an der Grenze zwischen Nepal und dem von China verwalteten Tibet. Mehrere Hundert kamen jedoch bei dem Versuch ums Leben.

Im Video: Das Mount Everest-Problem - Tod im Himalaya

dbate
abl/dpa/Reuters/AFP