Nach zwei Katastrophen-Saisons Neun Bergsteiger erreichen Everest-Gipfel

Erstmals seit 2013 haben mehrere Sherpa-Bergführer den Mount Everest über die Normalroute bestiegen. Ihnen wollen über Pfingsten Dutzende Expeditionstouristen folgen.

DPA

Eine Gruppe von neun Sherpas hat den Gipfel des Mount Everest erreicht. Um 17.05 Uhr Ortszeit waren sie auf dem höchsten Punkt, wie die nepalesische Tourismusbehörde bestätigte. Sie sind seit 2013 die Ersten, die ohne Hilfe eines Helikopters auf der nepalesischen Seite zum Gipfel gelangt sind. Damit ist nun die komplette Route bis zum Gipfel fertig präpariert, über die Pfingsttage sollen zahlreiche Bergsteiger folgen, die zwischen 30.000 und 80.000 US-Dollar für ihr Everest-Abenteuer bezahlt haben.

Die vorherigen beiden Saisons am höchsten Berg der Erde waren von Katastrophen geprägt: Im Jahr 2014 verschüttete eine Lawine den gefährlichen Khumbu-Eisbruch und tötete 16 Sherpas. Im Jahr 2015 wurde die Route bei einem gewaltigen Erdbeben der Stärke 7,8 zerstört, die Bergsteiger mussten vom Berg ausgeflogen werden. Zum ersten Mal seit 1974 stand im vergangenen Jahr kein Mensch auf dem Gipfel. 2014 hatte es über die Nepal-Seite nur eine Chinesin geschafft, die sich von einem Helikopter über den Khumbu-Eisfall fliegen ließ, kurz nachdem dort das Unglück geschehen war. Ihre Tour war als pietätlos beschimpft worden. Von Tibet aus hatten es dagegen mehr als hundert Bergsteiger bis nach oben geschafft.

Dass es nach den Katastrophen diesmal keine Everest-Saison ist wie jede andere, sieht man schon an den Zahlen der Bergsteiger im Basecamp. Es sind weniger als in den vorherigen Jahren, nur 289 Genehmigungen wurden laut nepalesischen Behörden ausgegeben, vorher waren es schon mal 500 gewesen. Nur 160 davon sind neu vergebene Lizenzen, der Rest der Bergsteiger nutzt eine Lizenz aus einem der vergangenen beiden Jahre. Die eigentlich nur ein Jahr gültigen Lizenzen waren 2014 und 2015 jeweils verlängert worden, nachdem wegen Naturkatastrophen die Besteigungssaison vorzeitig abgebrochen werden musste.

Höhere objektive Gefahr?

"Bestimmt haben die Berichte über die Erdbeben Sorgen ausgelöst, dass die Infrastruktur nicht sicher ist", schreibt der erfahrene Bergführer Alan Arnette in seinem Blog. "Viele haben auch das Gefühl, dass der Klimawandel die Schnee- und Eisbedingungen am höchsten Berg der Erde verändert und dadurch eine höhere objektive Gefahr schafft." Er selbst jedoch sei überzeugt, dass Klettern am Everest und an anderen Achttausendern nicht mehr und nicht weniger gefährlich sei als vorher.

Abhängig von den Wetterbedingungen sollen nun zwischen dem 11. und 14. Mai die ersten Gipfelversuche mit rund hundert ausländischen Bergsteigern folgen, wie Arnette berichtet. Die meisten befinden sich bereits seit März im Basislager, um sich für den Aufstieg auf 8848 Meter zu akklimatisieren. Für die Gipfelbesteigung gibt es nur einige sehr kurze Zeitfenster von wenigen Tagen, die sich üblicherweise im Mai öffnen. Nur dann lassen die Wetterbedingungen den Aufstieg zu. "Bis zum 20. Mai sieht es gut aus", sagte Shiva Sapkota, ein Sprecher der nepalesischen Everest Summiteers' Association, der Zeitung "The Himalayan Times" zur aktuellen Lage.

Bei der neunköpfigen Gruppe, die nun erfolgreich war, handelte es sich um Sherpa-Guides von neun verschiedenen kommerziellen Expeditionen, die zusammen für das Einrichten der Route mit Fixseilen und Leitern zuständig waren. In diesem Jahr nutzten sie dafür verstärkt technische Hilfen: Erstmals wurden mit neun Helikopterflügen Seile und Sauerstoffflaschen über den Khumbu-Eisfall auf etwa 6100 Meter Höhe gebracht, um die Routensicherung zu erleichtern.

Für Nepal ist der Mount Everest auch ökonomisch sehr wichtig. Mehrere Zehntausend Arbeitsplätze hängen von Expeditionen auf den Berg ab. Zu den wichtigsten Einnahmequellen des Staates gehören die Gebühren für die Lizenzen, den Berg zu besteigen. Das Beste, was dem Land passieren könnte, wäre wohl endlich mal wieder eine katastrophenfreie Everest-Saison.

sto/dpa



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
rbn123 11.05.2016
1. Mehrere zentausend Arbeitsplätze hängen an den Everestexpeditionen?
Das ist doch totaler Blödsinn. Sicherlich hat der Mt. Everest eine gewisse prestige, sowohl für nepalesische Träger und Bergführer, aber auch für die Massen an Trekkern, die nur bis zum Basecamp oder Kallarpatar gehen. Selbst in der gesamten Khumbu Region gibt es keine mehrere 10.000 Arbeitsplätze im Trekking/Expeditionsbereich. Für ganz Nepal mag das stimmen. Aber es ist mitnichten so, als würde die gesamte nepalesische Tourismusbranche an der Everestexpeditionen hängen, auch wenn das hier gerne vermittelt wird.
dr.klaus.schueler 11.05.2016
2. # rnb123 : korrekt !
Ich bin inzwischen für eine Seilbahn zum Gipfel. Was zur Zugspitze geht geht auch zum Everest. Und dann ist endlich Ruhe . Und keine Sherpas müssen mehr sterben für unqualifizierte überreiche Touristen. ( Ich empfehle in to thin air von Krakauer zu lesen).
DHC2 11.05.2016
3.
@Dr.Schueler Die Seilbahn ist eine gute Idee. Läßt sich nur leider sehr schwer verwirklichen. Wie soll der ganze Krempel (Stahl, Glas, Beton) auf über 8.000m geflogen werden, wenn schon der Transport von Menschen zum nächst gelegenen Flugplatz Lukla auf knapp 3.000m Höhe wegen des Schiet-Wetters schwierig ist. Außerdem würde die Bahn eine Menge vom Mythos des Everest nehmen, für dessen Besteigung betuchte Touristen immerhin 30.000.-€ und mehr bezahlen.
Marvel Master 11.05.2016
4. Den Film Everest mal anschauen
... nachdem ich denk gesehen hatte, habe ich alle Bergsteiger für nicht zurechungsfähig erklärt. Das Risiko dort oben zu sterben ist einfach zu gross. Und selbst wenn man nicht sterben sollte, so nimmt man mit hoher Wahrscheinlichkeit bleibende Schäden mit nach Hause. Warum sollte man seinen eigenen Körper zerstören, nur um sagen zu können, man war da oben. Die Gesundheit ist unbezahlbar und man hat nur einen Körper. Ab einer gewissen Höhe fängt der menschliche Körper einfach an zu sterben. Ob das so intelligent ist??? VG
Sammi ElPadre 11.05.2016
5.
Zitat von rbn123Das ist doch totaler Blödsinn. Sicherlich hat der Mt. Everest eine gewisse prestige, sowohl für nepalesische Träger und Bergführer, aber auch für die Massen an Trekkern, die nur bis zum Basecamp oder Kallarpatar gehen. Selbst in der gesamten Khumbu Region gibt es keine mehrere 10.000 Arbeitsplätze im Trekking/Expeditionsbereich. Für ganz Nepal mag das stimmen. Aber es ist mitnichten so, als würde die gesamte nepalesische Tourismusbranche an der Everestexpeditionen hängen, auch wenn das hier gerne vermittelt wird.
Nun, nehmen wir die Hotels, die die Touris bei der Ankunft benutzen, die Camps auf dem Weg und auch die Stellen in der Verwaltung, die das Abenteuer Everest verwalten sowie die Reiseagenturen mit den Bergführern, den Sherpas und allem anderen hinzu kann die Zahl schon realistisch sein. Und im Artikel steht auch nirgends, dass die Jobs alle am Everest sitzen.
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