Nepal Müllaktion am Mount Everest - Sherpas finden dabei vier Leichen

Die Flanken des Mount Everest sind mit Müll übersät. Elf Tonnen hat ein Team aus zwölf Sherpas nun über Wochen eingesammelt. Auch vier Tote wurden geborgen, die nun identifiziert werden sollen.

Bergungsmannschaft: Ende Mai wurden die Leichen nach Kathmandu geflogen
NARENDRA SHRESTHA/EPA-EFE/REX

Bergungsmannschaft: Ende Mai wurden die Leichen nach Kathmandu geflogen


Wochenlang hat ein Team aus zwölf Sherpas die Hänge des Mount Everest nach Müll abgesucht.

Von leeren Sauerstoffflaschen, zerrissenen Zelten, Konserven, Plastik und jeder Menge Exkremente berichten Bergsteiger, die viel Geld bezahlen, um den Gipfel des höchsten Bergs der Welt zu erreichen. Und sie erzählen von den Leichen derjenigen, die es nicht hinuntergeschafft haben und die noch immer dort oben liegen.

In diesem Jahr haben umfangreiche Aufräumaktionen stattgefunden, sowohl auf der chinesischen als auch auf der nepalesischen Seite des Everest. In Nepal haben dafür unter anderem das Tourismusministerium, die Bergsteigervereinigung, der Sagarmatha-Nationalpark und das Militär zusammengearbeitet. Im Laufe der letzten Wochen sammelte eine zwölfköpfige Bergführergruppe elf Tonnen Müll. Der Abfall wurde im Basiscamp getrennt, Recyclebares in Nepals Hauptstadt Kathmandu gebracht.

Die Sherpas fanden auch vier Leichen zwischen dem Basislager und dem Südsattel, teilte die nepalesische Tourismusbehörde mit. Zwei transportierten sie aus dem Khumbu-Eisbruch ab und zwei vom Lager drei im Tal des Schweigens. "Sie lagen frei im Schnee, als die Sherpas sie einsammelten", sagte der Koordinator der Säuberungsaktion, Nim Dorjee Sherpa. Die Körper wurden Forensikern in Kathmandu übergeben. Sie sind noch nicht identifiziert, auch ist noch unklar, wann sie gestorben sind.

"Wir warten auf die Familien, die die Leichen abholen wollen", sagte der Leiter der Tourismusbehörde, Dandu Raj Ghimire. DNA-Tests würden durchgeführt, sobald sich mögliche Verwandte meldeten, sagte ein Arzt vom Tribhuvan University Teaching Hospital, wo die Körper lagern. Bisher hätte sich niemand gemeldet. Etwa 300 Bergsteiger sind über die Jahre auf dem Berg gestorben, viele sind noch nicht geborgen.

Säuberungaktion am Everest: Soldaten häufen den Müll zum Abtransport auf
Niranjan Shrestha/ AP

Säuberungaktion am Everest: Soldaten häufen den Müll zum Abtransport auf

Für die vielen Expeditionen auf den 8848 Meter hohen Everest errichten Sherpas zu Beginn der Saison mehrere Camps auf unterschiedlichen Höhen. Die Regeln sehen vor, dass jeder Bergsteiger mindestens acht Kilo Müll beim Abstieg mitnimmt, um der Verschmutzung des anspruchsvollen Klettergebiets entgegenzuwirken. Allerdings wird dies nicht konsequent durchgesetzt.

Den Traum, einmal oben auf dem "Dach der Welt" zu stehen, haben sich bislang rund 5000 Menschen erfüllt. Allein in der diesjährigen Hauptklettersaison, die seit wenigen Tagen beendet ist, starben elf Menschen. Wegen des Andrangs vieler Bergsteiger im kurzen Zeitfenster günstigen Wetters war es zu langen Wartezeiten am Gipfel gekommen.

Im Video: Tod im Himalaya - Das Mount-Everest-Problem

dbate

abl/dpa/Reuters



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