Mumbais Taj Mahal Palace Luxushotel soll komplett wiederaufgebaut werden

Schwere Schäden durch Explosionen: Die Terroristen in Mumbai haben mit dem Taj-Mahal-Hotel eines der Wahrzeichen der Stadt getroffen. Gäste loben den heldenhaften Einsatz des Personals - jetzt versprechen die Betreiber, "jeden Zoll" wieder aufzubauen.


Neu-Delhi - Es ist ein Symbol für Indien Reichtum und Fortschritt, doch mehrere Explosionen haben es schwer beschädigt: Das Taj-Mahal-Hotel, das wohl berühmteste Hotel Indiens, soll nach den Terroranschlägen von Mumbai bald wieder in altem Glanz erstrahlen. "Wir werden jeden Zoll wieder aufbauen, der bei diesem Angriff beschädigt wurde, und wir werden dem Taj wieder zu seiner vollen Pracht verhelfen", hieß es am Donnerstag auf der Homepage der Taj-Hotelkette.

Luxushotel in Flammen: Mehr als hundert Menschen wurden bei den Terroranschlägen in Mumbai getötet.
REUTERS

Luxushotel in Flammen: Mehr als hundert Menschen wurden bei den Terroranschlägen in Mumbai getötet.

Das historische Taj Mahal Palace ist das Vorzeigehaus der Gruppe, die zum Tata-Konzern gehört. Tata-Chef Ratan N. Tata verurteilte die "Angriffe auf Unschuldige und die Zerstörung wichtiger Wahrzeichen" und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Gäste des Taj-Mahal-Hotels hatten das Personal ausdrücklich gelobt, das unter großen Risiken für das eigene Leben versucht hatte, Kunden vor den Angreifern zu schützen. Nach Angaben des Tata-Konzerns starben 15 Angestellte, darunter fünf Köche. Mehr als 400 Gäste waren zum Zeitpunkt des Angriffs im Hotel, von denen ebenfalls viele ums Leben kamen. Beim Angriff auf das zweite Luxushotel, das zur Oberoi-Gruppe gehörende Trident-Hotel, starben mindestens sechs Angestellte. Auch hier wurden zahlreiche Gäste getötet.

In einer Mitteilung Ratan Tatas hieß es am Donnerstag weiter: "Wir können die verlorenen Leben nicht ersetzen, und wir werden die furchtbaren Vorfälle von gestern Nacht nie vergessen, aber wir müssen zusammenstehen, Schulter an Schulter als Staatsbürger Indiens, und wieder aufbauen, was zerstört wurde." Während der Angriffe und der Kämpfe in dem Gebäude waren im historischen Flügel des Taj-Mahal-Hotels mehrere Feuer ausgebrochen.

Lange Tradition, berühmte Gäste

Als Ratan Tatas Urgroßvater Jamsetji Tata vor gut hundert Jahren im damaligen Bombay der Zugang zu einem Hotel der britischen Kolonialherren verweigert wurde, fackelte er nicht lange: Der Unternehmer gründete am 1. April 1902 kurzerhand seine eigene Hotelgruppe, die Indian Hotels Company, aus der später eine der heute führenden Hotelketten des Subkontinents hervorging, die Taj-Hotels.

Tatas Traum war es, in der Metropole am Indischen Ozean ein echtes indisches Hotel zu eröffnen, das beste der östlichen Welt sollte es sein, eine Herberge, auf die ganz Indien voller Stolz blicken würde und das seiner geliebten Stadt internationale Anerkennung bringen sollte. Geld spielte keine Rolle beim Bau, der 1898 begann. Als Standort wurde ein prestigeträchtiges Grundstück im Süden der Stadt ausgewählt, in der Nähe des Monuments Gateway of India, direkt am Wasser gelegen.

Am 16. Dezember 1903 öffnete das Haus seine Türen für die ersten Gäste. Tata hatte ein kleines Vermögen in die Fertigstellung investiert. Entstanden war ein architektonisches Meisterwerk aus florentinischer Renaissance, geschmückt mit maurischen Kuppeln und ausgestattet mit allem Komfort, der zur vorletzten Jahrhundertwende denkbar war: Elektrischer Strom, Ventilatoren, Aufzüge, Wäscherei, modernste Bäder sowie ein türkisches Bad und eine Poststation standen den Gästen zur Verfügung.

Symbol des Aufbruchs in die Moderne

Was das Taj Mahal für Indien ist, sollte das Taj-Mahal-Hotel für Mumbai sein, ein Wahrzeichen indischer Kultur und Geschichte, weltweit berühmt und bewundert. Der Name Mahal, der so viel wie großes Haus oder Palast bedeutet, war bis zum Terrorangriff der vergangenen Nacht Programm. "Das Hotel verkörpert die Seele Mumbais, es ist ein Symbol des Aufbruchs in die Moderne und auch für jeden Einheimischen eine Ikone, die viele seit ihrer Kindheit von Familienfesten kennen", sagt die in Deutschland zuständige Pressesprecherin der Taj Hotels, Birgit Rapp.

Vermutlich wählten es die Terroristen ganz bewusst für ihren Angriff aus, dessen Symbolkraft mit diesem Ziel ungleich größer ausfällt als bei anderen Hotels. Auch eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen vor einigen Wochen konnte das Unglück nicht verhindern. Die kam jedoch vergleichsweise spät - während im Frühjahr 2008 andere Hotels in Mumbai wie das JW Marriott bereits festungsartig gesichert waren, konnten Gäste und Besucher des Taj Mahal Palace damals noch unbehelligt per Auto direkt vor den Haupteingang fahren und die Lobby ohne weitere Kontrollen betreten. In den vergangenen Wochen war dies jedoch nicht mehr möglich, Zufahrtssperren blockierten die direkte Vorfahrt, und Besucher mussten vor Betreten des Hauses gleich zwei Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren passieren.

Dem großen Zuspruch für das Hotel tat das keinen Abbruch. "Das Haus war enorm gut gebucht", sagen Branchenkenner, "es gab weiter hohe Zuwächse bei der Auslastung." Die lag bisher im Jahresdurchschnitt schon bei beachtlichen 80 Prozent, 70 Prozent aller Übernachtungen gingen dabei auf das Konto von gut betuchten Ausländern. Das von Indern nur Taj genannte Hotel galt seit jeher als die beste und prestigereichste Unterkunft des Landes.

Bei rund 500 US-Dollar beginnen die Preise für eine Nacht ohne Frühstück in einem der 287 Zimmer im sogenannten Heritage Wing, dem historischen Palast. Schon für 350 bis 370 Dollar kann man nebenan absteigen in der 1973 eröffneten Bausünde des Tower Wing, einer 23-stöckigen Scheußlichkeit aus Beton mit 278 Gästezimmern, dessen Anblick auch die Mauerbögen und das gezackte steinerne Diadem als Krönung äußerlich nicht erträglicher machen.

Geschnitztes Teakholz und italienischer Marmor

Wer etwas auf sich hält unter den Taj-Mahal-Gästen, der wohnt in den historischen Zimmern, alle unterschiedlich in Größe und Zuschnitt, innen modern und trotzdem der Tradition verpflichtet. Besonderer Blickfang sind der Treppenaufgang unter der großen Kuppel sowie die galerieähnlichen Flure mit ihren reich verzierten Balustraden aus geschnitztem Teakholz und Böden aus italienischem Marmor. Die öffentlichen Bereiche sind mit Antiquitäten und Originalkunstwerken indischer Künstler ausgestattet.

Entsprechend eindrucksvoll ist die Liste derer, die sich in diesem Ambiente einquartiert haben in der langen Geschichte des Hauses. Von Jacqueline Onassis über Prince Charles und David Rockefeller bis zu Helmut Kohl reichen die Namen, die das Gästebuch schmücken und deren Fotos in einer Vitrine in einem Gang nahe der Lobby ausgestellt sind. Ex-Beatle George Harrison soll sich im Taj tagelang in seiner Suite eingeschlossen haben, um hier von Ravi Shankar, dem Meister der indischen Musik, das Sitarspiel zu lernen.

Für insgesamt 565 Zimmer stehen derzeit 1800 Angestellte bereit, ein Anachronismus selbst in der indischen Luxushotellerie. "Da müssen wir irgendwann auf 1500 runter, Effizienzdenken wird auch hier immer wichtiger", sagte kürzlich Birgit Zorniger. Die 44-Jährige aus Schwäbisch-Gmünd arbeitet seit fünf Jahren im Taj Mahal in Mumbai und ist derzeit die stellvertretende Hotelchefin. Das ist gerade in Indien äußerst ungewöhnlich, im Taj Mahal ist sie die einzige Ausländerin im Management, sechs weitere Ausländer arbeiten als Köche.

Auch Birgit Zorniger bekam die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen zu spüren. Bis vor kurzem lebte sie wie andere Spitzenmitarbeiter des Hauses in einer nahe gelegenen externen Wohnanlage, bevor sie aus Sicherheitsgründen selbst in das Hotelgebäude einzog.

Vermummte Sicherheitskräfte untersuchten am Donnerstag nacheinander die Zimmer, inzwischen sollen sie im Hotel die Lage unter Kontrolle haben. Verhindern können sie jedoch nicht, dass die Flammen über dem Taj Mahal Palace dem Mythos vom Traumhotel vermutlich einen Schaden zugefügt haben, der sich durch Renovierungsarbeiten nicht ausmerzen lässt.

Mit Material von dpa



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