Nachhaltiges Reisen Veranstalter auf dem Öko-Trip

Mit gutem Gewissen in die Ferne: Immer mehr Reiseanbieter umwerben umweltbewusste Touristen. Der sperrige Begriff "nachhaltiger Tourismus" könnte zur Zauberformel im Marketing werden - allerdings müssen Reisende dafür oft tiefer in die Tasche greifen.

Berlin - Bisher ist nachhaltiges Reisen ein Nischenprodukt für wenige Urlauber, die sich nicht erst seit der Klimadebatte Gedanken über die Folgen ihres Fernwehs machen. Doch ähnlich wie die Entwicklung von den ersten Bioläden hin zum ökologisch korrekten Lebensmittelangebot beim Discounter könnte umweltfreundliches Reisen auch für die großen Reisekonzerne wichtiger werden. Dina Bauer vom "forum anders reisen" sieht eine deutliche Tendenz hin zu nachhaltigem Reisen und erwartet, dass auch konventionelle Veranstalter künftig auf der Öko-Welle mitschwimmen werden.

Aber wie reist man "nachhaltig", was sind die Kriterien und - bei einer Freizeitbranche nicht ganz unerheblich - macht der Urlaub dann noch Spaß? Dina Bauer sagt, wer sich für diese Art des Reisens interessiere, sei durchaus Willens, dafür auch mehr Geld auszugeben. "Dafür müssen die Reisen attraktiv, interessant und außergewöhnlich sein. Es darf natürlich keine langweilige umweltfreundliche Reise sein und die Qualität muss auch stimmen." Im "forum anders reisen" sind rund 140 kleine und mittelständische Reiseveranstalter zusammen geschlossen, die sich selbst einen umweltbewussten Katalog von Kriterien auferlegt haben.

Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit

Oberstes Ziel ist ein Tourismus, "der langfristig ökologisch und ökonomisch tragbar sowie ethisch und sozial gerecht ist". Dafür wurden Kriterien entwickelt, die nachhaltige Qualität beim Transport, bei der Unterkunft und auch auf Seiten des Veranstalters konkret definieren. Etwa sollen umweltschonendere Transportmittel wie Bus oder Bahn den Vorzug vor dem Flieger haben.

Bestimmte Flugreisen werden gar nicht erst angeboten, beispielsweise "Flüge in Zielgebiete unter einer Entfernung von 700 Kilometern, Flüge über 700 bis 2000 Kilometer mit einer Aufenthaltsdauer unter acht Tagen, Flüge über 2000 Kilometer mit einem Aufenthalt unter 14 Tagen", wie es im Kriterienkatalog heißt.

Sowohl im Katalog als auch auf ihren Internetseiten sind die Forums-Mitglieder aufgefordert, die Wahl der Verkehrsmittel zu thematisieren. So soll auf alternative Anreisemöglichkeiten und den jeweiligen Energieverbrauch in Katalog und Homepage oder auf den Buchungsunterlagen hingewiesen werden. Angebote öffentlicher Verkehrsmittel sind ebenso zu nennen wie die umweltfreundlichste Anreisemöglichkeit.

Neben der Wahl des Transportmittels geht es aber auch bei den Unterkünften um ökologische Belange. Dazu gehören eine abfallarme Beschaffungspolitik, der umweltgerechte Einsatz von Reinigungs- und Waschmitteln, sowie Energieeinsparung und die Nutzung erneuerbarer Energien. Zudem werden Beherbungsbetriebe bevorzugt, die mit einem anerkannten Markenzeichen - Viabono, Blaue Schwalbe, VISIT-Umweltzeichen oder andere - ausgezeichnet wurden.

"Der Flieger startet auch ohne mich"

Es geht dabei jedoch nicht nur um den Klimaschutz, der die momentanen Umweltdebatten bestimmt. Der Verbandsgeschäftsführer von "forum anders reisen", Rolf Pfeifer, betonte auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin, dass nachhaltiger Urlaub auch soziale und ethische Komponenten umfasse. "Wenn man schon eine Fernreise macht, dann sollte man sich mit der Kultur vor Ort auch intensiv befassen. Man muss ja nicht All-Inklusiv-Urlaub in der Dominikanischen Republik machen, wenn man sich die ganze Zeit über sowieso in der Anlage aufhält. Das geht dann doch auch in der Süd-Türkei."

Das Bewusstsein der Menschen für Umweltfragen schärft sich nach Einschätzung von Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer der Klimaschutz-Organisation Atmosfair, gerade enorm. "Den meisten Menschen ist lange bekannt, dass sie dem Klima schaden, wenn sie in den Flieger schaden. Doch dieses Wissen war lange nur im Hinterkopf", sagte er auf der ITB. Viele hätten früher in Debatten darüber mit Abwehrmechanismen wie "Soll ich jetzt nach New York schwimmen?" oder "Der Flieger startet doch auch ohne mich" reagiert. Angesichts des warmen Winters und der Klimadebatte habe sich das geändert: "Jetzt wollen immer mehr Menschen Verantwortung übernehmen."

Antje Homburger, AP

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