Neue Regeln Nepal verbietet Solo-Besteigungen am Mount Everest

Immer mehr Menschen sterben am höchsten Berg der Welt. Nepal will die Zahl der Opfer jetzt mit drastischen Regeln senken - und schießt dabei nach Ansicht mancher weit über das Ziel hinaus.

Mann am Mount Everest (Archivbild)
REUTERS

Mann am Mount Everest (Archivbild)


Man darf Hari Budha Magar wohl getrost als willensstark bezeichnen. In Wahrheit ist das Wort für ihn eigentlich sogar viel zu schwach. Als Mitglied des Royal Gurkhas Regiment hat der nepalesische Soldat für die britische Armee in Afghanistan gekämpft - und dort beide Beine verloren. Und trotzdem steigt er weiter auf Berge.

Und zwar auf sehr hohe.

So war er Teil einer Expedition, die im September den 6476 Meter hohen Mera Peak in Nepals Khumbu-Region bestiegen hat. Und für den kommenden Frühling hat er sich noch ein deutlich ambitionierteres Ziel gesetzt: Im Zuge seiner "Conquering Dreams"-Expedition will er den 8848 Meter hohen Mount Everest besteigen, den höchsten Berg der Erde.

Fotostrecke

13  Bilder
Träger im Himalaya: Ohne sie geht nichts

Doch damit das klappt, wird er vermutlich noch mehr Willensstärke brauchen als bisher vermutet.

Denn neben den Herausforderungen durch die potentiell tödlichen Bedingungen des Hochgebirges wartet jetzt auch noch eine durch das Gesetz: Die Regierung von Nepal hat neue Regeln ("Mountaineering Expedition Regulation") für die Besteigung der Berge in ihrem Land beschlossen. Diese besagen unter anderem, dass amputierte Kletterer wie Magar in Zukunft Everest und andere Berge nicht mehr in Angriff nehmen dürfen, ebenso wenig dürfen sich blinde Alpinisten nach ganz oben aufmachen.

Auch Solo-Besteigungen sollen in dem Himalaya-Staat in Zukunft verboten sein. Das berichten die BBC sowie nepalesische Medien. Offizielle Begründung ist der Wunsch nach mehr Sicherheit und weniger Toten am Berg. In diesem Jahr waren der Slowake Wladimir Strba und der Schweizer Ueli Steck bei Soloklettertouren am Mount Everest beziehungsweise in der Region gestorben.

Fotostrecke

6  Bilder
Ueli Steck stirbt im Himalaya: Bilder eines extremen Bergsteigerlebens

Zu den Todesopfern der aktuellen Saison zählt auch der 85-jährige Nepalese Min Bahadur Sherchan, der wie Magar ein früherer Gurkha war. Er hatte seinen Titel als ältester Mann auf dem Mount Everest zurückholen wollen.

Der höchste Berg liegt auf der Grenze zwischen Nepal und dem von China verwalteten Tibet. Von dort könnten sich Solokletterer und behinderte Sportler wohl noch aufmachen. Die Nordroute hatte etwa der blinde österreichische Alpinist Andy Holzer genommen, als er in diesem Frühjahr als zweiter Blinder nach dem US-Amerikaner Erik Weihenmayer den Mount Everest bestieg.

Auf dem Gipfel will bald auch Hari Budha Magar stehen. Trotz der neuen Regeln. Er hat diese noch vor ihrer Verabschiedung als "Diskriminierung" und "Unrecht" kritisiert. Alte Menschen seien schon am Mount Everest gestorben, Behinderte noch nicht. "Nepal sollte stolz auf mich sein und mich nicht verbannen", schrieb er auf Facebook. Er werde jedenfalls trotzdem klettern.

Unterstützung bekommt er von der US-Botschafterin in Nepal, Alaina B. Teplitz. Auch sie hat sich schon vor Verabschiedung der Regeln öffentlich geäußert. Sie erklärte, Kletterer wie Magar sollten nicht wegen "falscher Annahmen über ihre Fähigkeiten" verbannt werden.

Bergsteiger, die den Everest auch in Zukunft besteigen dürfen, sollen dabei in Zukunft auf jeden Fall von einheimischen Führern begleitet werden. Auch das sehen die neuen Regeln vor. Für die Führer ist das eine Art der Arbeitssicherung. Allerdings müssen sie in Zukunft medizinische Zertifikate vorweisen. (Hier berichtet ein nepalesischer Träger von seinem anstrengenden Job.)

chs

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.