Nervosität nach Anschlagsversuch Finger-Tätowierung beunruhigt Flugpassagiere

Nach den vereitelten Paketbombenanschlägen herrscht erhöhte Wachsamkeit an Bord von US-Flugzeugen. Sogar eine Tätowierung auf Fingern kann da schon verdächtig wirken - sein Tattoo hätte einen US-Amerikaner fast um seinen Flug gebracht.


Es waren nur zwei Worte, die auf die Finger eines Passagiers tätowiert waren, die am Sonntagmorgen am Flughafen in Los Angeles für Aufregung sorgten: "Atom" und "Bomb". Adam Person, ein Foodstylist aus Los Angeles, saß bereits in seinem Sitz einer Maschine der Fluglinie Delta Air Lines, wie die australische Tageszeitung "The Age" berichtet. Dann fasste ein Flugbegleiter ihm an die Schulter und bat ihn, nach vorne zu kommen. "Ich dachte, ich bekomme ein Upgrade", war Pearsons erster Gedanke laut der Zeitung. Der Vielflieger hat mit Delta Air Lines schon 228.000 Kilometer zurückgelegt.

Doch das war es nicht. Ein anderer Passagier hatte dem Flugpersonal berichtet, er sei durch verdächtiges Verhalten aufgefallen. Er berichtete von den Wörtern, die auf Pearsons Fingern geschrieben stehen, zu Deutsch: Atombombe. Die Fluggesellschaft war alarmiert.

Vorne im Flugzeug befragte ihn der Kapitän höchstpersönlich nach den Worten auf seiner Hand. Es sei sein Spitzname aus Kindheitstagen, erklärte Pearson. Der Kapitän fragte weiter. Schließlich konnte der Passagier zurück zu seinem Sitz. Die anderen Fluggäste starrten auf ihn und auf die beiden Worte auf seinen Händen. "Ich war schockiert", sagte Pearson, "ich habe doch gar nichts gemacht."

Sicherheitsleute tasten nun auch Genitalien ab

Kurz vor Abflug twitterte der Mann: "Ich bin gerade auf einem Delta-Flug herausgezogen worden, weil ein Passagier gesagt hat, ich würde wegen meiner Tattoos verdächtig wirken." Als er landete, hatte er über 150 E-mails zu dem Vorfall. Die Nachricht hatte sich auf dem Internetdienst schnell verbreitet.

Das Beispiel zeigt, wie empfindlich Passagiere in den USA inzwischen auf angebliche Besonderheiten ihrer Mitreisenden reagieren und wie genau sie sich gegenseitig beobachten.

In den Vereinigten Staaten sind die Sicherheitsvorkehrungen seit den Paketbombenfunden aus dem Jemen verschärft wurden. Das US-Heimatschutzministerium hatte nach den vereitelten Anschlägen verfügt, dass Fluggäste, die sich dem Körperscanner verweigern, auf konventionelle Weise kontrolliert werden sollen - allerdings weit gründlicher als bislang. Konkret tasten die Sicherheitsleute nun auch die Genitalien der Passagiere ab - was im traditionell wenig freizügigen Amerika für einige Aufregung sorgt. Eine Bürgerinitiative ruft nun im Internet dazu auf, sich am 24. November dem Ganzkörperscanner zu verweigern.

Und offenbar reicht nun auch schon eine Tätowierung aus, um vom Flugkapitän persönlich überprüft zu werden.

fro

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