Netzwerkausfall Fahrgäste kritisieren Notfallmanagement der Bahn

Bundesweite Verspätungen, mehrere Zugausfälle: Die Computerpanne bei der Deutschen Bahn hat zu starken Beeinträchtigungen des Verkehrs geführt. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte den Umgang mit dem Zwischenfall.

Berlin - Der Fahrgastverband Pro Bahn hat nach bundesweiten Verspätungen wegen des stundenlangen Ausfalls eines Computersystems bei der Bahn ein besseres Notfallmanagement gefordert. "Entscheidend ist: Man muss in der Lage sein, die Kunden zu informieren", sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann am Donnerstag. Bahnhofsmitarbeiter sollten dafür mehr Möglichkeiten bekommen. "Man kann auch mit Filzstift auf einen Zettel schreiben, dass die Anzeigen nicht funktionieren."

Durchsagen, dass noch nichts Genaueres über eine Störung bekannt sei, kämen besser an als Ansagen über "Störungen im Betriebsablauf" als Standardverweis. "Wenn dann noch Kaffee angeboten wird, sind viele Fahrgäste schon zufriedener", sagte Naumann. Gut gewesen sei, dass Reisende wegen der Störung der Ticketautomaten am Mittwoch Fahrkarten ohne Aufpreis beim Schaffner im Zug lösen konnten.

Ein Netzwerkausfall im Computersystem der Bahn hatte am Mittwochnachmittag Behinderungen in weiten Teilen Deutschland ausgelöst. Betroffen war das gesamte Buchungs- und Informationssystem für Kunden und Mitarbeiter, es kam zu teils erheblichen Verspätungen und einigen Zugausfällen. In der Nacht zu Donnerstag wurden die Systeme laut Bahn wieder funktionstüchtig gemacht.

Nach Netzwerkausfall: Lesen Sie hier, wann Fahrgäste Anrecht auf Entschädigung haben

Der Netzwerkausfall bei der Deutschen Bahn am Mittwochnachmittag hat teils erhebliche Verzögerungen zur Folge gehabt. Das Unternehmen reagierte darauf mit dem Hinweis auf seine Kulanzregelungen. Danach gibt es im Fall von Verspätungen über 60 Minuten im Prinzip eine Entschädigung von 20 Prozent des Fahrpreises. Nachstehend einige Fragen und Antworten zu den Fahrgastrechten.

Für welche Fahrten gibt es die Entschädigung?

Nur im Fernverkehr. Beim Nahverkehr argumentiert die Bahn, sie sei bereits den Bestellern - in der Regel den Bundesländern - gegenüber zu Strafzahlungen verpflichtet, falls sie den Fahrplan nicht einhält. Müsste sie auch noch die Fahrgäste entschädigen, würde sie doppelt bestraft.

Allgemein gibt es jetzt und auch in Zukunft Entschädigungen nur, wenn die Bahn die Verspätungen selbst zu verantworten hat, also zwar beim Ausfall des bahneigenen Netzwerks ohne Einfluss etwa des Wetters oder eines Terroranschlags, nicht aber bei höherer Gewalt wie Unwettern, Terror oder (Bürger-)Krieg und äußeren Einflüssen wie Gegenständen auf den Schienen.

Gibt es die Entschädigung in bar?

Nein. Bisher gibt es nur einen Gutschein, weil die Bahn bislang noch in Form einer freiwilligen Selbstverpflichtung die Regeln festgelegt hat.

Wie komme ich an den Gutschein?

Entweder stellt der Zugbegleiter oder der Servicepoint im Bahnhof eine Gutscheinkarte aus, auf der die Verspätung dokumentiert wird.

Diese muss um die persönlichen Daten ergänzt und im Reisezentrum oder einer DB Agentur eingereicht werden. Daraufhin erhält der Reisende einen Gutschein mit einer Gültigkeit von einem Jahr, den er beim Kauf eines neuen Fahrscheins verrechnen lassen kann.

Was ist, wenn Automaten nicht funktionieren?

Dann kann das Ticket ohne Aufpreis auch im Zug gelöst werden. Diese Regelung erweiterte die Bahn am Mittwoch auf alle Züge.

Normalerweise gilt im Nahverkehr, dass mindestens ein Aufschlag zu zahlen ist, wenn man ohne Fahrschein angetroffen wird, wenn nicht sogar der Verdacht des Schwarzfahrens geäußert wird.

Wie sieht es mit einer gesetzlichen Regelung aus?

Ende dieses Jahres muss eine EU-Verordnung über Fahrgastrecht umgesetzt werden. Die entsprechenden deutschen Regelungen sind aber noch nicht in Kraft. Sie sehen unter anderem für Reisen über 50 Kilometer vor:

  • ab 60 Minuten Verspätung 25 (statt 20) Prozent Erstattung
  • ab 120 Minuten Verspätung 50 Prozent Erstattung
  • Erstattung auch in bar (aber nicht im Zug)
  • Unter vier Euro keine Erstattung

Im Nahverkehr sollen die Unternehmen verpflichtet sein,

  • bei Ausfall des letzten Zuges für die Weiterfahrt beziehungsweise die Übernachtung aufzukommen
  • bei absehbaren Verspätungen ohne Aufpreis die Benutzung schnellerer Züge in derselben Richtung zu gestatten.

Wann tritt diese gesetzliche Regelung in Kraft?

Sie soll laut Bundesjustizministerium noch vor der Hauptsaison 2009 wirksam werden. Laut EU-Vorgabe zwingend ist sie aber erst Ende des Jahres. Vorerst hat der Bundesrat das Gesetzgebungsverfahren gebremst, weil er weitere Verbesserungen fordert, zum Beispiel Entschädigungen bereits bei einer halben Stunde Verspätung.

Wo stehen die gültigen Regelungen?

In Papierform dürften sie im Servicepoint oder im Reisezentrum einzusehen sein. Ansonsten können sie auch im Internet abgerufen werden. 

sto/dpa/AFP
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