Gasantrieb und Einzelkabinen Was Aidas neue Kreuzfahrtschiffe bieten

Die nächsten Aida-Schiffe sollen erstmals komplett mit Gasantrieb fahren. Doch auch bei der Kabinenplanung gibt es Neuerungen. Im emsländischen Papenburg haben nun die Arbeiten an den Ozeanriesen begonnen.

Aida Cruises & Partner Ship Design/ TMN

Aida Cruises und die Meyer Werft haben im emsländischen Papenburg mit dem Bau einer neuen Generation von Kreuzfahrtschiffen begonnen. Die Werft soll bis Frühjahr 2021 zwei neue Schiffe für den deutschen Kreuzfahrt-Marktführer bauen. Das erste der noch namenlosen Schiffe soll im Herbst 2018 fertiggestellt und im Dezember 2018 in Dienst genommen werden. Die Besonderheit: Erstmals sollen die neuen Schiffstypen komplett mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden, das als umweltfreundlicher gilt als der Antrieb mit Diesel oder Schweröl.

Aida sieht sich hier in einer Vorreiterrolle. Bereits mit der "Aida Prima" seien erste Erfahrungen mit dem LNG-Antrieb gesammelt worden, sagte der Präsident der Reederei, Felix Eichhorn. Allerdings wird dieses Schiff nur bei Aufenthalten im Hafen mit Gas betrieben. Sobald es auf der Nordsee unterwegs ist, fährt es unter Marinediesel.

Für die Werft sei das neue Schiff ein technologischer Meilenstein, sagte Geschäftsführer Tim Meyer. "Ein Kreuzfahrtschiff, komplett mit LNG, das haben wir noch nicht gehabt." Die neue Technik werde sicher auch Anklang bei anderen Reedereien finden.

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"Aida Prima": Zwischen Currywurst und Champagner

Grundsätzliches Lob dafür kommt von Umweltschützern wie dem Nabu. "Wenn die neue Schiffsgeneration komplett mit LNG angetrieben wird, wäre das in Sachen Luftschadstoffe eine deutliche Verbesserung", erklärte Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik. Ein mit LNG betriebenes Schiff stoße kaum Stickoxide, Partikel und Schwefeldioxid aus. Allerdings habe Aida in der Vergangenheit im Bereich Umweltschutz viel versprochen, aber wenig gehalten. Deshalb werde man die Umsetzung weiter kontrollieren.

Folgende Details zu den beiden Neubauten hat die Reederei nun bekannt gegeben:

  • Größe: Aida spricht von rund 2500 Kabinen. Damit erreichen die neuen Schiffe fast die Kabinenzahl auf dem derzeit größten Kreuzfahrtschiff der Welt, der "Harmony of the Seas" (2747). Allerdings sind die Aida-Schiffe insgesamt kleiner. Zum Vergleich: Die "Aida Prima" hat 1643 Kabinen.
  • Kabinen: Für die beiden Neubauten ist ein neues Kabinenkonzept vorgesehen. Dazu gehören nach Reedereiangaben zum Beispiel Penthouse-Suiten oder Einzelkabinen. Das gab es auf den bisherigen Schiffen noch nicht.
  • Design: Erste Computeranimationen zeigen, dass die beiden Neubauten dem derzeitigen Flaggschiff "Aida Prima" stark ähneln. Das gilt zum Beispiel für den Bugbereich mit dem relativ senkrechten Steven. Auch das umlaufende Lanaideck bleibt wohl erhalten. Nicht mehr zu sehen sind die beiden für die "Aida Prima" charakteristischen Glasfahrstühle im hinteren Schiffsbereich. Der Kussmund am Schiffsrumpf darf dagegen natürlich nicht fehlen.
  • Restaurants: Hier gibt es bislang lediglich Zahlen - auf dem aktuell jüngsten Flottenmitglied, der "Aida Prima", gibt es 12 Restaurants und 3 Snackbars. Für die Neubauten aus Papenburg spricht Aida von 15 Restaurants. Deutlich steigen soll die Zahl der Bars: Auf den neuen Schiffen sind 23 geplant - 9 mehr als auf der "Aida Prima". Weitere Details zu den Restaurants und Bars sind jedoch noch nicht bekannt. Auf ersten Computeranimationen des Schiffs ist lediglich zu erkennen, dass es die Lanai-Bar am Heck wieder geben dürfte.
  • Einrichtungen an Bord: Ein Theater in der Mitte des Schiffs, einen Beach Club und den Spaßbereich "Four Elements" kennen Aida-Kunden schon von anderen Schiffen. Es soll jedoch auch neue Einrichtungen an Bord geben - mehr Details hierzu sind noch nicht bekannt.
  • Route: Der erste der beiden Neubauten wird ab Dezember 2018 zu siebentägigen Reisen auf den Kanaren aufbrechen.
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Startschuss für Aidas Neubauten: Einzelkabinen und Gasantrieb

Aida hatte bereits von 2007 bis 2013 sieben Kreuzfahrtschiffe auf der Meyer Werft bauen lassen, gab aber in der Zwischenzeit den Auftrag für zwei Kreuzfahrtschiffe an Mitsubishi Heavy Industries in Japan. Dort verzögerte sich aber die Ablieferung der "Aida Prima" um ein Jahr. Für die Entwicklung des neuen Antriebs habe die Aida eine "strategische Partnerschaft" mit der Meyer Werft geschlossen, sagt Eichhorn. "Wir sind froh, dass wir diese auch in Zukunft fortsetzen können."

97 neue Kreuzfahrtschiffe bis 2026

Angesichts des harten Wettbewerbs sei die langfristige Zusammenarbeit mit Reedereien wichtig für die Werft, sagt Meyer. Es sei damit zu rechnen, dass künftig auch asiatische Werften in den Bau von Hightech-Schiffen einsteigen werden. "Da müssen wir uns warm anziehen und gut aufstellen", sagt er. Derzeit beschäftigt die Meyer Werft in Papenburg rund 3300 eigene Mitarbeiter.

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Kreuzfahrt-Premieren 2017: Die neuen Giganten der Weltmeeren

Ein Ende des Kreuzfahrt-Booms ist nicht in Sicht: 2016 dürften laut Internationalem Kreuzfahrtverband CLIA weltweit 24,2 Millionen Menschen auf Kreuzfahrt gegangen sein, für dieses Jahr lautet die Schätzung auf 25,3 Millionen Passagiere.

2017 sind nach Verbandsangaben 26 Jungfernfahrten von 26 neuen Hochsee-, Fluss- und Spezialkreuzfahrtschiffen geplant - das entspricht einer Investitionssumme von 6,8 Milliarden US-Dollar. Und zwischen 2017 und 2026 erwartet die Branche die Indienststellung von 97 neuen Kreuzfahrtschiffen - das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei 53 Milliarden US-Dollar.

jus/dpa

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neuss66 22.02.2017
1. Ich bin mal spannt...
... ob es jetzt endlich auch mal mit dem Nichtraucherschutz klappt. Denn als ich zuletzt gefahren bin, war der so löchrig wie ein Schweitzer Käse. Auf der Bella gab es sogar Bereiche wo im Schiff geraucht wurde. Z.B. in der Aida-Bella-Bar. Ansonsten wurde dicht bei den Türen geraucht wodurch der Rauch dann ins Schiffsinnere zog. Und auf dem Deck gab es generell keine Raucherbereiche. War schon echt widerwärtig und hat mich dann auch seitdem abgeschreckt wieder mit Aida zu fahren. Meine Kritik diesbezüglich hat Aida auch nicht wirklich ernst genommen.
sven2016 22.02.2017
2.
Sind die Schiffe nicht längst an der maximalen Größe angekommen? Zumindest in Bezug auf das soziale Zusammenleben an Bord und bei Landausflügen? Bei den neueren Schiffen sind dann bis 5.000 Gäste an Bord, von denen im Hafen ca 3.000 mit 60 Bussen gleichzeitig zu den Sehenswürdigkeiten gefahren werden. An Bord sind Pools, Bars und Events völlig überbelegt... Ist das Urlaub?
Nania 22.02.2017
3.
Zitat von neuss66... ob es jetzt endlich auch mal mit dem Nichtraucherschutz klappt. Denn als ich zuletzt gefahren bin, war der so löchrig wie ein Schweitzer Käse. Auf der Bella gab es sogar Bereiche wo im Schiff geraucht wurde. Z.B. in der Aida-Bella-Bar. Ansonsten wurde dicht bei den Türen geraucht wodurch der Rauch dann ins Schiffsinnere zog. Und auf dem Deck gab es generell keine Raucherbereiche. War schon echt widerwärtig und hat mich dann auch seitdem abgeschreckt wieder mit Aida zu fahren. Meine Kritik diesbezüglich hat Aida auch nicht wirklich ernst genommen.
Ich war im Frühjahr 2016 auf der Blu und bin auch extrem empfindlich was Zigarettenqualm anging. Da war es aber wirklich gut. Überall wo ich war, herrschte Rauchverbot und dieses wurde auch eingehalten. Lediglich im Außenbereich einer einzigen Bar hab ich Raucher mitbekommen und dort war es auch explizit erlaubt. Ich würde dem Ganzen an Ihrer Stelle, wenn es nur das war, was Sie gestört hat, nochmal eine Chance geben. Zudem ist es immer hilfreicher, sich direkt an Bord zu beschweren.
mcpoel 22.02.2017
4. Gas...?
Falls es kein Biogas / Faulgas ist, ist LNG ein fossiler Brennstoff. Ich sehe den Fortschritt nicht. Dieselmotoren dagegen könnte man mit CO2 neutralem Biosprit betreiben- der auch nicht unbedingt regenwaldgefährdend oder nahrungsmittelkonkurrierend hergestellt sein muß (das Produkt hat mit der Herstellung an sich nichts zu tun). Am Ende ist's wohl Pott wie Deckel, beides wird wohl fossil betrieben.
gerhard2010 23.02.2017
5. LNG=Bombe !
Voll mit LNG betankt ist das Schiff eine schwimmende Bombe. Eine Einfahrt in Häfen in USA und Israel wird es nicht geben. Lieber beim alten Diesel bleiben. G2010.
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