Neue Bahntickets Das Handy wird zum Fahrschein

Schalterkauf, Automat oder Internetbuchung – das waren bislang die Alternativen beim Kauf eines Zugtickets. Jetzt wird alles viel einfacher: Die Deutsche Bahn führt MMS-Fahrkarten ein. Bis kurz vor Abfahrt des Zuges können die Kunden ein Ticket per Mobiltelefon bestellen.

Berlin - Bahnfahrer können ab 1. September ihr Handy als Fahrschein nutzen. Statt eines Tickets zeigt der Reisende dann im Zug sein Mobiltelefon mit der entsprechenden Fahrkarten-MMS vor, wie die Bahn heute in Berlin mitteilte. Damit können Bahnkunden auch unterwegs - zum Beispiel noch im Bus auf dem Weg zum Bahnhof - eine Fahrkarte samt Reservierung kaufen.

Bis zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges muss der Buchungswunsch per Handy an die Bahn gemeldet werden. "Innerhalb weniger Minuten" wird dann nach Angaben der Bahn die entsprechende Fahrkarte auf das Mobiltelefon zurückgeschickt. Der Zugschaffner kontrolliert das Ticket mithilfe eines speziellen Lesegerätes, der Kunde zahlt per Kreditkarte oder Lastschrift.

Nötig ist dafür allerdings ein Mobiltelefon mit Farbdisplay, Internet-Zugang und Multimedia Messaging System (MMS). Nach Angaben der Bahn verfügen bereits 95 Prozent der derzeit verkauften Modelle über diese Technologie. Die Zusatzkosten für die Handy-Fahrkarte liegen demnach bei höchstens 50 Cent für die Netzverbindung, die für die Buchung aufgebaut werden muss. Die Kosten für die MMS trägt die Deutsche Bahn. Das Unternehmen investiert in das neue Angebot nach eigenen Angaben einen "geringen sechsstelligen Betrag".

Um ein Handy-Ticket kaufen zu können, muss sich der Kunde unter www.bahn.de unter "Mobile Services" ein Mal für den Dienst anmelden.  Dies ist bereits ab Montag möglich. "Wir rechnen vor allem bei Jugendlichen und Geschäftsleuten mit einer hohen Akzeptanz", sagte Bahnvorstand Karl-Friedrich Rausch.

Als Handy-Fahrschein können normale Tickets für Fahrten ab 51 Kilometern Länge in Deutschland sowie Fahrscheine mit Bahncard 25 und Bahncard 50 gebucht werden. Andere Sonderangebote oder Sparpreise umfasst der Service dagegen nicht. Auch kann pro Handy immer nur für eine Person ein Fahrschein gelöst werden. Das Ticket gilt im Gegensatz zu einigen Fahrscheinen auch nicht zur Weiterfahrt mit Bussen und Bahnen in bestimmten Städten. Fahrplanauskünfte und Platzreservierungen per Mobiltelefon sind bereits seit einiger Zeit möglich.

Im gesamten Ticketverkauf des Personenverkehrs kommt das Internet laut Bahnangaben inzwischen auf einen Anteil von zehn Prozent. Die wichtigsten Vertriebskanäle sind aber weiterhin Reisezentren (34 Prozent), Automaten (23 Prozent) und Reisebüros (21 Prozent). Die Bahn peilt jedoch an, den Online-Fahrkartenumsatz in diesem Jahr um 40 Prozent auf 600 Millionen Euro zu steigern.

har/afp/dpa