Neue Preispolitik Ryanair erhebt Gepäckgebühren

Der irische Billigflieger Ryanair führt ein neues Check-in-System ein. Mit einer ausgeklügelten Preispolitik will er die Passagiere zum kostengünstigeren Online-Einchecken und zum Verzicht auf schweres Gepäck bewegen.


Frankfurt/Main - Mit gewohnt markigen Werbesprüchen führt Ryanair Neuerungen beim Check-in ein: Als Revolution für die europäische Billigluftfahrt verkauft die Airline, dass vom 16. März an das Einchecken per Internet möglich ist. Zugleich müssen Passagiere mindestens 3,50 Euro pro aufgegebenem Koffer bezahlen, kündigte Europa-Marketingchefin Caroline Baldwin am Mittwoch in Frankfurt an. Dafür würden im Gegenzug die Flugpreise um diesen Betrag pro Strecke gesenkt.

Ryanair: Der irische Billigflieger ruft die Revolution aus
DPA

Ryanair: Der irische Billigflieger ruft die Revolution aus

Handgepäck bis zehn Kilogramm werde weiterhin kostenlos befördert. "Gezahlt wird nur der Service, der auch genutzt wird", sagte Baldwin. Die Passagiere mit Fluggepäck müssen allerdings ihre Koffer bei der Buchung anmelden, ansonsten müssen sie auf dem Flughafen eine erhöhte Gebühr pro Gepäckstück von sieben Euro bezahlen.

Das neue Gebührensystem soll die Zahl der Passagiere, die nur mit Handgepäck reisen, von derzeit 25 Prozent auf deutlich über 40 Prozent erhöhen. Diese Fluggäste sollen künftig alles von der Buchung bis zum Einchecken über das Internet abwickeln, so dass sie nicht mehr am Flughafen Schlange stehen müssen. Dadurch wird weniger Kapazität für das Check-in und die Gepäckaufbewahrung benötigt. Ryanair beziffert das Einsparvolumen bei den Kosten am Boden auf 30 Millionen Euro pro Jahr, was einem Zehntel des Gewinns entspreche. Erste Verträge mit den Flughäfen seien schon abgeschlossen.

Damit ist Ryanair der erste Billigflieger, der das bequemere Online-Einchecken möglich macht. Dennoch sagte ein Branchenexperte zur Nachrichtenagentur, das als Revolution zu bezeichnen, sei sicher übertrieben. Nachdem etliche Billigfluglinien vor allem über das Internet buchen ließen, sei auch das Angebot zum Online-Einchecken ein logischer Schritt.

Ryanair will trotz der Einsparungen keine Mitarbeiter entlassen. "Es werden keine Jobs verloren gehen", versicherte Baldwin, ohne Angaben über die Zahl der Mitarbeiter zu machen. Bei weiter steigenden Passagierzahlen werde das Personal anderweitig gebraucht.

Unverändert stark ist Ryanair-Chef Michael O'Leary zufolge der Preisdruck im Billigfluggeschäft. Im laufenden Quartal rechne er deshalb mit sinkenden Durchschnittserlösen pro Passagier. Die Erträge dürften von Januar bis März, dem vierten Quartal des Geschäftsjahres 2005/2006 um fünf bis zehn Prozent sinken, sagte er in London. Ryanair rechnet im Geschäftsjahr 2006/07 (31. März) mit 42 Millionen Fluggästen nach 35 Millionen in diesem Jahr. Der Billigflieger bedient 113 Flughäfen und 300 Strecken in Europa.



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