Neuer Handgepäckregel Verbraucherschützer mahnen Ryanair ab

Wer seinen Rollkoffer mit an Bord nehmen will, muss bei Ryanair sechs Euro mehr zahlen. Die seit Anfang November geltende Regelung stößt bei Verbraucherschützern auf Widerstand.

AFP

Die neuen Handgepäckregeln des Billigfliegers Ryanair gefallen deutschen Verbraucherschützern gar nicht: Der Verbraucherzentrale- Bundesverband (vzbv) hat nach eigenen Angaben die Fluggesellschaft wegen unzureichender Preisangabe und Irreführung abgemahnt.

"Die neue Regelung ist völlig intransparent und überraschend. Die Einschränkung beim Handgepäck führt zu einer indirekten Erhöhung des Flugpreises", begründete vzbv-Rechtsexpertin Kerstin Hoppe den Schritt.

Die zum November europaweit eingeführte Regel der Airline sieht vor, dass Passagiere im Standardtarif nur noch ein kleines Handgepäckstück kostenlos mit in die Kabine nehmen dürfen. Erlaubt ist lediglich noch ein kleines Handgepäckstück mit den Höchstmaßen von 40 mal 20 mal 25 Zentimeter An anderer Stelle des Buchungsprozesses ist von einer kleinen Tasche die Rede, "die unter den Sitz vor Ihnen passt".

Ein typischer Kabinenrollkoffer darf bei Ryanair nur noch nach Zahlung einer "Priority Boarding"-Gebühr von 6 Euro mit in die Kabine genommen werden. Eine einheitliche, globale Regel zur Größe des Handgepäcks bei Flugreisen gibt es nicht.

Italien hat Verfahren gegen Ryanair eingeleitet

Im August hatte Ryanair die neue Regelung damit begründete, dass es immer mehr Verspätungen gebe, weil Passagiere zu viel Handgepäck mitnehmen würden. "Die neuen Regeln werden das Boarding beschleunigen und Verspätungen verringern", sagte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs laut dem "Guardian". "60 Prozent der Fluggäste werden gar nicht betroffen sein, und die restlichen 40 Prozent werden wahrscheinlich entweder 'Priority Boarding' buchen oder sich auf ein Handgepäckstück beschränken."

In Italien hatte die dortige Wettbewerbsbehörde das Preismodell gestoppt, weil es die wahren Kosten einer Flugreise verschleiere. Weil Ryanair das Preismodell trotzdem weiter durchsetzte, leitete die Behörde Anfang November ein Verfahren gegen Ryanair ein, an dessen Ende hohe Geldstrafen stehen könnten.

Mit der Abmahnung fordert die vzbv Ryanair auf, die Preise zu Beginn des Buchungsprozesses klar darzustellen. Sollte das Unternehmen die verlangte Unterlassungserklärung nicht unterschreiben, kann der vzbv Zivilklage einreichen

abl/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.