Hitchhiken in Neuseeland Niemand wollte ihn mitnehmen - Anhalter flippt aus

Einen veritablen Wutanfall hat ein Anhalter an Neuseelands Westküste erlitten. Vier Tage wartete der französische Tourist vergeblich auf eine Mitfahrgelegenheit - dann landete ein Straßenschild im Fluss.

Beliebt bei Touristen: Pancake Rocks in Punakaiki
imago/ Schwörer Pressefoto

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Cédric Claude René Rault-Verpré ist förmlich in die Luft gegangen. Vier Tage lang hatte der 27-jährige Hitchhiker am Straßenrand des kleinen, aber bei Touristen sehr beliebten neuseeländischen Örtchens Punakaiki gestanden und auf eine Mitfahrgelegenheit gen Süden gewartet. An einer schlecht einsehbaren und für Autofahrer kaum erreichbaren Stelle. Niemand wollte ihn mitnehmen.

Die Taktik konnte eigentlich nicht funktionieren. Dennoch: Aus Frust begann er am Montag zu randalieren. Der Franzose habe sich wüst fluchend auf die Straße geworfen, wie der Anwohner Neil Mouat der Zeitung "The Guardian" berichtete. "Er schrie, dass er es nicht erwarten könne, nach Europa zurückzukommen." Mouat nannte ihn einen "verzogenen Millennial".

Am Ende landete Rault-Verpré sogar vor Gericht: Bei seinem Wutanfall riss er nach Angaben der Polizei ein Straßenschild aus der Verankerung und schmiss es in einen Fluss. Ein anderes - Aufschrift: "Welcome in Punakaiki" - traktierte er mit Steinen.

Vor dem Richter in Greymouth bekannte der Backpacker-Tourist sich schuldig, wie die Zeitung "Westport News" berichtete. Das Strafmaß wird später verkündet. Ihm drohen bis zu drei Monate Haft. Zudem verlangt allein der Schilderhersteller 3000 neuseeländische Dollar (fast 2000 Euro) für die Reparatur. Das Gericht kann 2000 Dollar zusätzlich als Strafe verhängen.

Vor dem Gerichtsgebäude in Greymouth zeigte sich der immer noch vor Wut schäumende Franzose unzufrieden mit seiner Behandlung. "Man sollte den Namen in Nazi-Seeland ändern statt Neuseeland", sagte er Reportern. Nirgendwo auf der Welt sei er so schlecht behandelt worden wie in dem Land.

Der Mann war nach eigenen Angaben seit geraumer Zeit in Neuseeland und hatte dort auch gearbeitet. Die Polizei zeigte wenig Verständnis: "Er hätte ja laufen können", zitierte die Zeitung den Polizisten Paul Watson, bis zum nächsten größeren Ort Greymouth sind es rund 40 Kilometer. "Hitchhiken ist absolut legal, und Reisende haben normalerweise keine Probleme, einen Lift zu bekommen", sagte er. Der Mann habe kein Glück gehabt - vermutlich auch wegen seines aggressiven Verhaltens.

Am Freitag soll der Franzose vor einem Bezirksgericht in Christchurch auf der anderen Seite der Südinsel Neuseelands erscheinen - Presseberichten zufolge will er dorthin trampen.

abl/dpa/AFP



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