New Orleans Ostseefähre "Finnjet" für Uni gechartert

Die Kreuzfahrtschiffe "Ecstasy", "Sensation" und "Holiday" liegen bereits vor Texas und Alabama und nehmen obdachlose Hurrikanopfer auf. Nun hat die Universität von Louisiana eine Ostseefähre für ihre medizinische Fakultät gechartert.


Rostock - Am Nachmittag wird die "Finnjet" voraussichtlich vom bisherigen Basishafen Rostock Kurs auf die amerikanische Küste nehmen. Das Gasturbinenschiff wurde von der Louisiana State University in Shreveport angemietet und soll über den Winter als Quartier für die medizinische Fakultät dienen, die wegen des Hurrikans "Katrina" umquartiert werden muss. Das teilte die finnische Reederei Silja Line mit. "Die Fakultät benötigt das Schiff als Notunterkunft für ihr Personal, für Doktoren und Studenten", sagte der Reedereisprecher Tuomas Nylund.

Nach der letzten Minikreuzfahrt zwischen der mecklenburgischen Hafenstadt, Tallinn und St. Petersburg hatte die Crew nur 24 Stunden Zeit, das Schiff für den humanitären Einsatz flott zu machen. Binnen zweier Wochen wird es in New Orleans erwartet, wie der Reedereisprecher sagte. Die Fähre wird in Baton Rouge im Mississippi vor Anker gehen.

Die "Finnjet" bietet in ihren 565 Kabinen rund 1700 Menschen Platz und verkehrte bisher meist zwischen Rostock und Tallinn. Die 215 Meter lange Gasturbinenfähre ist 28 Jahre alt, wurde aber erst im vergangenen Jahr für zehn Millionen Euro komplett überholt. Es soll zunächst für ein halbes, maximal für ein Jahr als Notunterkunft Verwendung finden.

Danach wird die "Finnjet" laut Silja Line ihren Dienst nicht wiederaufnehmen und soll verkauft werden. Grund seien die hohen Spritkosten und Überkapazitäten im nördlichen Ostseeraum. Die Reederei transportiert mit ihren bislang zwölf Schiffen jährlich rund fünf Millionen Passagiere über die Ostsee.

Die Kreuzfahrtschiffe der amerikanischen Reederei Carnival Cruise Lines liegen bereits vor der Südstaaten-Küste. Die Behörde für Katastrophenmanagement Fema hat die Luxusliner für obdachlose Flut- und Sturmopfer für zunächst ein halbes Jahr gechartert.

Die "Holiday" liegt im Hafen von Mobile in Alabama, "Ecstasy" und "Sensation" haben im Hafen von Galveston in Texas festgemacht. Doch viele der Evakuierten lehnen nach dem Horror der Superdome-Tage dankend ab. Nun wird überlegt, Helfer oder Nationalgardisten auf den Kreuzfahrtschiffen unterzubringen



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