Superlativ-Jagd New York dreht am Riesenrad

Riesenräder gehören zu den altertümlichsten Fahrgeschäften überhaupt - und liegen doch voll im Trend. Sie prägen die Skylines moderner Weltmetropolen: Ab 2018 soll das "New York Wheel" hier neue Rekorde setzen.

DPA

Preisfrage: Wo steht das größte Riesenrad der Welt? Es gab Zeiten, da konnte man sich die Antwort auf so eine Frage ein Jahrzehnt lang merken und jedes Quiz gewinnen. Inzwischen ist das nicht mehr so leicht: Seit rund 20 Jahren wetteifern Metropolen rund um den Globus darum, hier mit Rekorden ihre Duftmarken zu setzen.

Das Riesenrad, eines der ältesten Fahrgeschäfte im Outdoor-Entertainment überhaupt und lange Zeit als langweilig verschrien, liegt voll im Trend - und prägt mit seiner Architektur und den Möglichkeiten seiner nächtlichen Lichtspiele die Skylines ganzer Städte. Wer London 1980 mit dem heutigen London vergleicht, sieht komplett andere Städte - und das berühmte "London Eye" spielt da keine kleine Rolle.

Ende der Neunziger überschritten stationäre Riesenräder Größen von 100 Metern. Die neue Gigantomanie wertete das klassische Fahrgeschäft auf, machte es zu etwas Spektakulärem. Kein Wunder, dass da auch New York mitspielen will - obwohl Amerikas Weltmetropole wahrlich nicht arm ist an riesigen Gebäuden, die den Charakter der Stadt prägen.

Hoch heißt attraktiv

Das aber gilt nicht unbedingt für den Stadtteil Staten Island, den man bisher vor allem als den Teil New Yorks verbuchte, der der Skyline gegenüberliegt. Mit dem Bauprojekt hoffen die Entwickler, den vorstädtischen und ruhigsten der fünf New Yorker Stadtteile aufzuwerten. Bis heute nehmen viele Touristen zwar die kostenlose Fähre nach Staten Island, um den Ausblick auf die Bucht, Freiheitsstatue und Skyline der Metropole zu genießen, fahren dann aber meist umgehend zurück nach Manhattan.

Doch die vorstädtische Lage lässt auch Raum für Planer, die sich mit Superlativen austoben wollen: "New York Wheel" heißt das Megaprojekt, das seit 2012 in der Planung ist. Und inzwischen, machten die Betreiber nun mit einigem Presse-Tamtam bekannt, laufen auch die Bauarbeiten für das bald größte Riesenrad der Welt und kommen angeblich gut voran - allerdings deutlich später als geplant und mit weiter steigenden Kosten.

Das Budget liege derzeit bei 590 Millionen Dollar (etwa 555 Millionen Euro), sagte Sprecherin Tiffany Townsand bei einem Rundgang im Stadtteil Staten Island. Damit dürfte das "New York Wheel" mehr als doppelt so teuer werden wie ursprünglich geplant. Erst hatten die Betreiber Gesamtkosten von 250 Millionen Dollar und eine Eröffnung im Jahr 2015 anvisiert, nun soll das Rad sich ab Frühjahr 2018 drehen.

Rennen gegen die Zeit

Es ist nicht das erste Mal, dass sich so ein vermeintliches Vergnügungskonstrukt als Millionen verschlingendes Großbauprojekt erweist. In Deutschland scheiterten die Pläne für das "Great Berlin Wheel", ebenfalls als größtes Riesenrad der Welt geplant, an finanziellen Problemen. Dem "Dubai Wheel", das - wenn es denn fertig geworden wäre - Berlin gleich wieder überholt hätte, werden immerhin noch Restchancen eingeräumt, als Teil des gigantischen Vergnügungsparks Dubailand irgendwann doch noch gebaut zu werden - mit bis zu 185 Meter Höhe.

Fotostrecke

20  Bilder
Weltgrößtes Riesenrad in New York: Der Bau hat begonnen

Das käme dann bis auf sieben Meter an das "New York Wheel" heran, das es auf 192 Meter Höhe bringen soll. Um die auf Staten Island geplante Attraktion herum sollen ein Einkaufszentrum, Hotels, ein Parkhaus und Grünflächen entstehen. Für eine Umdrehung wird es, so der Plan, 38 Minuten brauchen und in 36 gläsernen Gondeln jeweils bis zu 40 Menschen befördern. Auch spezielle Gondeln zum Abendessen und mit eingebauten Bars sind geplant. Das "New York Wheel" soll dann als Größtes aller Riesenräder jährlich drei Millionen Besucher ans New Yorker Nordufer locken.

Das Kalkül mit dem Weltrekord hat allerdings eine potenziell knapp bemessene Halbwertszeit: Da weltweit mehrere ähnliche Projekte in Planung sind, könnte das Wheel vor seiner Fertigstellung noch überholt werden. Derzeit hält den Rekord mit knapp 170 Metern Höhe der erst 2014 eröffnete "High Roller" in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada.

Allerdings ist die Jagd nach der Krone des weltgrößten Riesenrades letztlich weniger wichtig, als das Werbegetöse darum vermuten lässt: Das "London Eye", von 2000 bis 2004 größtes Rad der Welt und mit 135 Meter Höhe mittlerweile auf Platz vier gefallen, wird jährlich von 3,5 bis 4 Millionen Menschen genutzt. Selbst das bereits 1897 eröffnete, mit knapp 65 Metern heute "kleine" Riesenrad im Wiener Prater zieht alljährlich noch immer rund 600.000 Besucher an. Jedes der derzeit nur 18 Riesenräder weltweit, die über 100 Meter Höhe erreichen, wird als spektakulär empfunden.

dpa/pat

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
masterrobin93 15.12.2016
1. Immer eine Runde wert
Riesenräder sind allgemein sehr cool, da man einen tollen Panoramablick bekommt. Gut, dass mit solchen Werken versucht wird, Weltrekorde zu brechen.
argumentumabsurdum 15.12.2016
2. Hab's grade meiner Frau vorgelesen...
... und an ihrer Vermutung, die Planer seien vermutlich Männer mit Komplexen ihrer körperlichen Beschaffenheit wegen, könnte durchaus was dran sein... Warum immer diese Jagd nach quantitativen Rekorden? "Size does matter", wie albern!
markus.w77 15.12.2016
3.
ist ja fast so teuer wie die Elb Philharmonie. ich finds cool
Peter Boots 16.12.2016
4. Warum sich niemand in Staten Island aufhaelt
Ich nehme immer noch gerne mein Besucher mit der Faehre nach Staten Island. Am besten ist es am spaeten Nachmittag herueberzufahren, und wenn es dunkel ist zurueckzufahren. Bloederweise gibt es in Staten Island nahe der Faehre um die Zeit fast nichts das offen ist. Da ist ein Popeyes, das eine bessere Version von KFC ist, ein sehr langweiliges Sandwich Restaurant, und wenn man die Strasse links von der Faehre heraufgeht ein paar Bars, und ein Mexikanisches Restaurant -- so war das vor 20 Jahren so, und immer noch vor 2 Jahren. Es gibt mehrere sehr gute und nicht teure Restaurants, aber da muss man mit dem Bus oder der sehr witzigen Staten Island Subway hinfahren. Lonely Planet hat da die besten Informationen.
hdudeck 16.12.2016
5. Vielleicht haben Sie es noch nicht
Zitat von Peter BootsIch nehme immer noch gerne mein Besucher mit der Faehre nach Staten Island. Am besten ist es am spaeten Nachmittag herueberzufahren, und wenn es dunkel ist zurueckzufahren. Bloederweise gibt es in Staten Island nahe der Faehre um die Zeit fast nichts das offen ist. Da ist ein Popeyes, das eine bessere Version von KFC ist, ein sehr langweiliges Sandwich Restaurant, und wenn man die Strasse links von der Faehre heraufgeht ein paar Bars, und ein Mexikanisches Restaurant -- so war das vor 20 Jahren so, und immer noch vor 2 Jahren. Es gibt mehrere sehr gute und nicht teure Restaurants, aber da muss man mit dem Bus oder der sehr witzigen Staten Island Subway hinfahren. Lonely Planet hat da die besten Informationen.
mitgekriegt, direct an der Faehre oeffnet bald NYC erster Outlet Mal. Das wird (vielleicht) Leute anziehen. Fuer mich ist SI immer noch eine Wueste, der ich so weit wie moeglich fern bleiben moechte. Ein Riesen Rad dort hat soviel Sinn wie ein selbiges in den Harburger Bergen zu bauen. Man verschwendet Zeit (mindestens 2 x 30 Minuten auf einer zugigen Faehre, auf der man lieber Windeln traegt als dort aufs Klo zu muessen) Die Skyline ist so weit entfernt, das ein Riesenrad wenig Sinn macht. Der Charme ist doch, auf die Skyline runter zu sehen. Das kann das Riesenrad auf SI eben nicht. Es wird kein Unterschied machen, ob mann nun von Oben oder Unten auf die Skyline sieht, sie ist halt nur weit entfernt. Will man die Skyline erleben, geht man immer noch ins Rockefeller Center oder das Empire State Building. Oder eben ins WTC one. Man kann uebrigens auch vom Liberty Park aus die Skyline erleben, da geht aber auch kaum einer hin, es ist halt Jersey.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.