Nahverkehr von Bogotá bis New York Das sind die gefährlichsten Liniennetze der Welt

Die roten Busse von Bogotá sind für Frauen laut einer aktuellen Umfrage das gefährlichste Verkehrsmittel der Welt. Unter den 16 einbezogenen Städten schnitt New York am besten ab. Belästigungen gibt es aber auch dort.

Bus in Bogotá: Gefährlichstes Nahverkehrssystem für Frauen
REUTERS

Bus in Bogotá: Gefährlichstes Nahverkehrssystem für Frauen


Frauen in Bogotá müssen bei der Nutzung von Bus und Bahn besonders vorsichtig sein: Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist in der Hauptstadt Kolumbiens so gefährlich wie sonst nirgends auf der Welt.

Laut einer aktuellen Umfrage der Thomson Reuters Foundation, einer Stiftung der Nachrichtenagentur Reuters, schnitt die Metropole mit fast zehn Millionen Einwohnern am schlechtesten unter den 15 einbezogenen größten Hauptstädten der Welt sowie New York als populärster US-amerikanischer Großstadt ab.

Fast 6300 Frauen aus den Städten wurden dafür online befragt sowie je mindestens neun ortskundige Experten - darunter Frauenrechtler, Gender-Spezialisten, Stadtplaner und Anwälte. Aus den Antworten auf die gestellten sechs Fragen wurde ein Index errechnet, aus dem sich die Rangreihe der Orte ergibt.

Größte empfundene Gefahr in Bogotá, geringste in New York

Eigentlich hätte man neben den Orten (aufgelistet in der Reihenfolge ihres Abschneidens) Bogotá, Mexiko-Stadt, Lima, Delhi, Jakarta, Buenos Aires, Kuala Lumpur, Bangkok, Moskau, Manila, Paris, Seoul, London, Peking, Tokio und New York auch Kairo, Dhaka, Kinshasa, Teheran und Bagdad Daten erheben wollen, schreibt die Thomson Reuters Foundation. Wegen Kampfhandlungen oder Problemen des beauftragten Marktforschungsinstituts, den Online-Fragebogen bereitzustellen, habe man dann aber darauf verzichten müssen, diese Städte einzubeziehen.

Unter den berücksichtigten Orten schnitt Bogotá am schlechtesten ab. In der kolumbianischen Hauptstadt, in der es kein Stadtbahnsystem, sondern nur ein Bus-Liniennetz gibt, haben Frauen demnach am meisten Angst, nach Einbruch der Dunkelheit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Die Stadt erntete zudem auch nur sehr geringe Zustimmung bei der Frage, ob es ein sicheres Beförderungssystem in ihrer Stadt gibt.

"Busse sind nicht sicher", sagte Supermarktkassiererin Paula Reynes, eine der befragten Frauen, laut der Stiftung. "Dir kann deine Tasche oder dein Handy gestohlen werden und du kannst belästigt werden. Wenn der Bus so voll ist, ist es für Männer leicht, sich an dir zu reiben und dich zu begrapschen." Respekt gegenüber Frauen existiere dort nicht.

Nahverkehr in Moskau in Europa für Frauen am risikoreichsten

In Mexiko-Stadt, der in der Umfrage zweitgefährlichsten Stadt, sagten 64 Prozent der befragten Frauen, dass sie in öffentlichen Verkehrsmitteln schon betatscht, körperlich oder sprachlich belästigt und beleidigt wurden.

In New York, vor Tokio, Peking und London die Stadt mit dem als am wenigsten risikoreich eingestuften Nahverkehrssystem, waren es nach eigener Aussage "nur" drei von zehn Frauen, schreibt Thomson Reuters. Zu dem dort stärkeren Sicherheitsgefühl sollen demnach auch die vielen installierten Überwachungskameras und die starke Polizeipräsenz beitragen.

Als gefährlichste Stadt in Europa wurde Moskau eingestuft, das sich in der gesamten Rangreihe an neunter Stelle befindet. Dort haben Frauen der Umfrage zufolge am wenigsten Vertrauen, dass Behörden einer Beschwerde über einen Missbrauch oder einen Angriff nachgehen würden. Paris erreichte nur den Gesamtplatz elf, weil die Frauen dort nur in geringem Maßen daran glaubten, dass ihnen im Notfall andere Passagiere zu Hilfe kommen würden - was übrigens auch in London der Fall ist.

Ableiten lässt sich aus der Studie also auch, dass Bus- und Bahnfahren in allen untersuchten Städten für Frauen immer noch sehr unangenehm sein kann - so hoch der Lebensstandard an dem jeweiligen Ort auch sein mag. Selbst in New York gab die Hälfte der befragten Frauen an, in öffentlichen Verkehrsmitteln schon einmal verbal von Männern belästigt worden zu sein.

Eine genaue Übersicht zu den Ergebnissen der Umfrage finden Sie hier.

emt



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
paul-brandenburg 29.10.2014
1. Im Gegenteil im Bus fühlt man sich sicherer
Persönlich bin ich in Lima oft mit den Bussen gefahren und habe nichts von Belästigungen von Frauen oder Diebstählen bemerkt. Im Gegenteil im Bus fühlt man sich sicherer als mit den vielen Taxis unterwegs zu sein. Allerdings ein mulmiges Gefühl bleibt.
karatekid 29.10.2014
2.
Zitat von paul-brandenburgPersönlich bin ich in Lima oft mit den Bussen gefahren und habe nichts von Belästigungen von Frauen oder Diebstählen bemerkt. Im Gegenteil im Bus fühlt man sich sicherer als mit den vielen Taxis unterwegs zu sein. Allerdings ein mulmiges Gefühl bleibt.
Sie sind ja auch keine Frau, oder?
dasguteeinhorn 30.10.2014
3. Frauenstudie
Hallo, warum werden bitte ausschließlich Frauen befragt und keine Kinder und Männer? Auch der Teaser weisst nicht darauf hin? warum? "Nahverkehr von Bogotá bis New York: Das sind die gefährlichsten Liniennetze der Welt" Selbst das BMFSFJ schreibt: "Von den meisten Gewaltdelikten sind Frauen seltener als Männer als Opfer betroffen." Es ist davon auszugehen das dies nicht nur in Deutschland gilt.
flocu 30.10.2014
4.
"In der kolumbianischen Hauptstadt, in der es kein Stadtbahnsystem, sondern nur ein Bus-Liniennetz gibt" Das TransMilenio, wie es in Bogotá, Quito, Lima und 183 anderen Städten weltweit zum Einsatz kommt ist nicht wirklich ein "Busliniennetz" sondern ein "Stadtbahnsystem", bis auf die Schienen.
cococ1 30.10.2014
5. Schwachsinniger Bericht
Versuchen sie in der Moskauer Metro mal eine Frau zu belästigen.Nach den 2Attentaten wimmelt es so von Geheimpolizei,da können die nicht mal den Satz zu Ende sagen.Da sind die S-und U-Bahnen in unserem kuscheligen München viel gefährlicher.
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