Tourismus-Großprojekt Nordkorea eröffnet Skiresort

110 Pistenkilometer, Hotels für Einheimische und für Ausländer: Nordkorea hat in wenigen Monaten ein riesiges Skigebiet erbaut. Damit will das Land mehr Touristen anlocken - und dank nun vorhandener Trainingsmöglichkeiten zur Wintersportnation werden.

AP

In gerade einmal zehn Monaten wurde das Prestigeprojekt aus dem Boden gestampft: Am Masik-Pass in Nordkorea soll am Donnerstag ein Luxus-Skiresort eröffnen, die erste Saison soll im Dezember starten. Mit 110 Pistenkilometern wird das Gebiet durchaus mit bekannten Wintersportorten der Alpen mithalten können. Noch nicht ganz fertig sind zwei Hotels, die hier entstehen - eines mit Platz für 150 Einheimische, eines für 250 Ausländer.

Das soll den Tourismus ankurbeln und auf lange Sicht dem Nationalstolz dienen: Durch die neuen Trainingsmöglichkeiten erwartet Staatsführer Kim Jong Un, dass schon in wenigen Jahren ein Ski-Weltmeister aus Nordkorea kommen wird, wie britische Zeitungen berichten.

Ansonsten ist im Inland die Zielgruppe für Winterurlaube bislang überschaubar: Von 24 Millionen Nordkoreanern können laut dem Skiverband des Landes gerade einmal gut 5000 Ski fahren. Kritiker vermuten, dass die Wintersportanlage am 768 Meter hohen Masik-Pass in der Nähe der Ostküste des Landes vor allem als Spielplatz für Kim und seine Getreuen fungieren wird.

Der Staatsführer hat als junger Mensch in der Schweiz gelebt und gilt als leidenschaftlicher Skifahrer. Dass für eine solche Anlage nun in einem Land, in dem viele Menschen in Armut leben, Millionenbeträge investiert werden, sorgt für Unverständnis.

Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass beim Erzfeind Südkorea im Jahr 2018 die Olympischen Winterspiele stattfinden. Nordkorea könnte versuchen, dem Intimfeind im Süden die Schau zu stehlen. Oder gar darauf hoffen, sich in letzter Sekunde als Co-Gastgeber der Sportveranstaltung ins Spiel zu bringen.

"Eine aggressive Schlacht"

Die Bedingungen für die Arbeiter vor Ort sind laut Medienberichten bedenklich. Laut der britischen "Sun" starben mehrere von ihnen bei den Bauarbeiten wegen der großen Anstrengungen unter schweren Bedingungen am Berg. Ein Propagandaplakat steht an der Baustelle: "Voller Angriff. Marschiert vorwärts. Lasst uns das Skiresort am Masik-Pass innerhalb eines Jahres beenden, indem wir eine aggressive Schlacht führen", steht darauf sinngemäß.

Unter Kim bemüht sich Nordkorea verstärkt um Tourismus. Jüngst wurde bekannt, dass ein Veranstalter aus China erstmals auch über Weihnachten eine Rundreise veranstalten darf.

Noch ist jedoch vieles unfertig. Im September platzte ein Geschäft mit der Schweiz, die Skilifte im Wert von 5,7 Millionen Euro liefern sollte. Doch wegen Sanktionen gegen Nordkorea, die den Export von Luxusgütern in das kommunistische Land verbieten, konnte der Deal nicht stattfinden. Laut einem Bericht der "Washington Post" kommentierte Kim das mit den Worten, dies sei eine "untragbare Verhöhnung des nordkoreanischen Volkes und eine ernsthafte Menschenrechtsverletzung, die den Sport politisiert und Koreaner diskriminiert".

Bei einer Eröffnung am Donnerstag würden deshalb auch noch keine fertigen Lifte vorhanden sein. Die sollen aber zum Saisonstart in zwei Monaten zur Verfügung stehen: "Wir können Atomwaffen und Raketen bauen", sagte Kim Tae Yong, Chef des nordkoreanischen Skiverbands. "Wir können auch einen Skilift bauen."

sto

insgesamt 20 Beiträge
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tailspin 10.10.2013
1. Fuer die Abfahrt nicht geeignet
Ich goenne denen den Spass. Aber konnten die kein besseres Photo finden, oder hat man denen nicht gesagt, dass Skiabfahrten im flachen Gelaende ohne Schnee nicht so gut funktionieren. Da muss man die Abfahrt kraeftig mit den Stoecken nachhelfen. Das ist wohl nur fuer Nordkoreaner attraktiv.
blackbox420 10.10.2013
2. ..
Hoffendlich scheitert er daran. Das skiresort wird sowieso in paar jahren pleite sein bei den wenigen besuchern. wer will auch schon urlaub in einem kommunistischem land machen.
gugelhupf42 10.10.2013
3. Reiskugel
Wenn sich der bekloppte Kim den Hang runterkugelt, kann man nur hoffen, dass er vor der Grenze wieder zum Stillstand kommt, sonst ist der Süden platt.
robert.haube 10.10.2013
4. Ski heil
Das Skigebiet liegt bei den sehr kalten nordkoreanischen Wintern in einer optimalen Höhe von 768 - 1360 m und ist für 5.000 Besucher täglich ausgelegt. Von den Großstädten Pyongyang und Wonsan ist es schnell zu erreichen, sodaß viele Jugendliche das Skifahren erlernen können. Die gegenwärtig drei aufgebauten Skilifte stammen übrigens von der österreichischen Firma Doppelmayr cable cars. Sie wurden schon in den 80er Jahren geliefert und standen im schwer erreichbaren Nordosten des Landes am falschen Platz.
larry_lustig 10.10.2013
5. Meint der das ernst
786m hoch wohl besser niedrig gelegen 110km Piste 400 Übernachtungsmöglichkeiten? Das ist doch kein Skifahren (OK die Pisten werden wohl leer sein),
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