Bahnunternehmen Klimadiskussion belebt Nachtzug-Nachfrage

Greta macht's vor: Nachtzüge werden wieder stärker gebucht. Jetzt will Schweden das Angebot erweitern. Auch die ÖBB verstärkt ihre Flotte - ohne die Deutsche Bahn.

Greta Thunberg vor einem Nachtzug in Zürich
ADRIAN REUSSER/EPA-EFE/REX

Greta Thunberg vor einem Nachtzug in Zürich


Gemächlich durch die Nacht ruckeln, ausgestreckt auf einer Pritsche Bahnhöfe vorbeiziehen lassen, morgens ausgeschlafen am Zielort ankommen: Eine Fahrt mit dem Schlaf- oder Liegewagen der Bahn verbinden viele Menschen mit alten Zeiten - und Komfort.

Doch trotz der Debatten über möglichst klimaschonendes Reisen will die Deutsche Bahn ihren Ausstieg aus dem Geschäft mit Nachtzügen von 2016 nicht revidieren. "Ein eigenes Angebot mit klassischen Schlaf- und Liegewagen ist aktuell nicht geplant", sagte eine Bahn-Sprecherin.

Anders ist es in den deutschsprachigen Nachbarländern: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die mit ihren Nightjets klassische Nachtzüge auch auf deutschen Strecken anbieten, haben bereits 13 neue Züge mit Schlaf- und Liegewagen bestellt. Ab Frühjahr 2022 werden sie geliefert. "Das Nachtzuggeschäft hat Zukunft", sagt ein ÖBB-Sprecher. Weil sie zu hundert Prozent mit grünem Bahnstrom fahren, verbrauche der Fahrgast im Nightjet 31 mal weniger klimaschädliches CO2 als beim Fliegen auf der gleichen Strecke.

Und auch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) prüfen nach dem Ausstieg 2009 eine Rückkehr zum klassischen Nachtzuggeschäft. Alle Bahnen erkennen in Kundenbefragungen ein wachsendes Umweltbewusstsein der Kunden und steigende Passagierzahlen.

DB sieht sich auf Kurzstrecken als Konkurrenz zum Fliegen

Auch wenn die Deutsche Bahn ihr Nachtzugangebot aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr anbietet, will das Unternehmen nachts das Angebot der ICE- und Intercity-Züge mit Sitzwagen ausbauen. Und sie unterstütze die ÖBB, die Schlaf- und Liegewagen in Deutschland anbieten, etwa mit Triebfahrzeugführern und teils mit Loks. "Wir sehen uns ganz klar als Umweltvorreiter und grüner Mobilitätsdienstleister", so die Sprecherin.

Auf kürzeren Strecken sieht die Bahn sich als klare Konkurrenz zum Fliegen: "Wir sind auf vielen internationalen Verbindungen genauso schnell wie das Flugzeug, vor allem, wenn man die An- und Abreise zum Flughafen und die dortigen Abfertigungsprozesse und Sicherheitskontrollen einrechnet", sagte die Sprecherin und nannte etwa die Verbindungen zwischen München und Wien, Hamburg und Kopenhagen oder Frankfurt am Main und Paris.

"Nachtzüge sind ein Nischengeschäft, das nur von einem Prozent unserer Kunden genutzt wird", sagte die Sprecherin. "Um es rentabel betreiben zu können, wären große Investitionen in neue Züge vonnöten. Da unsere Mittel begrenzt sind, stecken wir das Geld lieber in neue Fernverkehrszüge im Tagesbetrieb. Davon haben dann 99 Prozent unserer Fahrgäste etwas."

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Greta Thunberg: Eine Schülerin und das Klima

Bahn kauft 17 IC-Doppelstockzüge

So kaufte die Deutsche Bahn etwa 17 gebrauchte IC-Doppelstockzüge von der österreichischen Westbahn. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, sollen die ersten Fahrzeuge im Dezember übergeben werden und ab Frühjahr 2020 auf der neuen Intercity-Linie Dresden-Berlin-Rostock zum Einsatz kommen.

Die größtenteils rund zwei Jahre alten Züge wurden als weitgehend neuwertig eingestuft. Durch die neuen Züge stehen künftig fast 7000 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung.

Die Doppelstockzüge des Schweizer Herstellers Stadler Rail sind nach DB-Angaben bis zu 200 km/h schnell. Sie bestehen aus vier beziehungsweise sechs Wagen mit 300 beziehungsweise 500 Sitzplätzen sowie Stellplätzen für Fahrräder.

In den skandinavischen Ländern ist, offenbar durch den Greta-Effekt beflügelt, eine Debatte um ein neues europäisches Nachtzuggesetz im Gange. Die junge schwedische Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg fuhr im Januar 65 Stunden mit dem Zug ins schweizerische Davos und zurück, um den beim Weltwirtschaftsforum versammelten Bankbossen und Industriemanagern in puncto Klima die Leviten zu lesen. Seither vermittelt gerade auch die "Fridays for Future"-Bewegung vielen das Gefühl, sich wegen klimaschädlicher Effekte fürs Fliegen schämen zu müssen.

Die schwedische Regierung hat nun den Verkehrsbehörden den Auftrag erteilt, ein Konzept für ein Nachtzugnetz mit Fahrten in mehrere europäische Städte zu erarbeiten. In Norwegen hat die Opposition Nachtzüge nach Schweden, Dänemark und Deutschland gefordert. Auch in Dänemark drängen Politiker, sich am schwedischen Vorstoß zu beteiligen.

kry/dpa/AFP

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andreasclevert 23.07.2019
1. Nachtzug nach Wien mit kids
Wir hatten von Bonn aus vor einem guten Jahr das tolle Angebot des österreichischen Nightjets nach Wien nutzen können, Familienabteil über Nacht hin, ein paar Tage dort und wieder über Nacht nach Bonn zurück. Ist jetzt nicht ultramodern gewesen, aber für uns als Familie und für die kids vor allem hatte es eine gewissen Zeltlageratmosphäre. Ich denke, die Hälfte des Spaßes hatten die Kinder der Zugfahrt wegen.
Markus Landgraf 23.07.2019
2. Umweltschaden durch Zugverkehr
Liebe Greta, leider sind Züge nicht so umweltfreundlich, wie Du denkst. In Deutschland werden leider immer mehr CO2 freie Kraftwerke abgeschaltet, so dass pro verbrauchter Kilowattstunde in Deutschland immer noch mehr als 300 g CO2 frei werden. Dein Nachtzug 20 kWh/km. Also, von Stockholm nach Berlin (1200 km), werden leider 7 Tonnen CO2 frei. Dazu kommt noch der Bau von neuen Bahnstrecken (https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/461/publikationen/4005.pdf), die jetzt noch breiter sein müssen, so dass viel natürlicher Lebensraum verloren gehen wird. Hoffentlich schaffen wir es zusammen, das Klima zu retten und ich gebe Dir Recht, dass wir dringend etwas tun müssen. Leider ist eine Verteuerung und Verteufelung von Flugzeugen nicht die Lösung.
Neidfaktor10 23.07.2019
3. Nachtzüge und vor allem Autoreisezüge haben devinitiv eine Zukunft
Leider muss man feststellen, dass eine typisch deutsche Eigenschaft auch im Bahnvorstand zu finden ist: Fehlentscheidungen schön zureden! Der Ausstieg aus diesm Geschäftsmodell war vielleicht vor einigen Jahren nicht falsch und wirtschaftlich sicher nicht unvernünftig aber die Zeiten ändern sich! Richtig ist sicherlich auch, dass hohe Investitionen notwendig sind gerade im Bereich der Autoverladung. Aber wenn wir demnächst mit einer CO2 Steuer "beschenkt" werden, wird die Autofahrt an den Gardasee oder in den Skiurlaub noch teuer! (Die deutsche Autobahnmaut für alle wird doch unter dem Deckmantel des Klimaschutzes auch noch kommen) Somit würde ein Autoreisezug wieder viel interessanter werden und vor dem Hintergrund des Brennerbasistunnels auch eine Fahrt bis Südtrirol möglich sein. Leider fehlt in Deutschland dafür die komplette Infrastruktur. Wenn ich von Norddeutschland erstmal nach Düsseldorf fahren muss, um dann mit dem Autoreisezug nach Innsbruck zu gelangen, kann ich auch gleich direkt mit dem Auto fahren. Schade, das sinnvolle Konzepte bei der Bahn wie immer auf dem Abstellgleis landen!
bebau 23.07.2019
4. Feste Zeiten
Ein Nachtzug hat natürlich feste Reisezeiten. Es macht ja keinen Sinn, nach vier Stunden anzukommen, denn da kann man ja nicht ausschlafen. Auf vielen Strecken können Züge 120 oder sogar 160 fahren. Anhalten werden sie ja auch nicht. In neun Stunden kommt man so locker über 1000 km weit. Genügend um nach Italien oder sogar Spanien zu fahren. Mein Vorschlag: Baut die Züge morgens und abends um, so dass man sie tagsüber im entsprechenden Land als Personenzüge mit Abteil nutzen kann. Das setzt natürlich umfangreiche Kooperation mit den Bahnen anderer Länder voraus.
t_mcmillan 23.07.2019
5. Nachts will der Mensch ruhen
Ich will zurück zu den alten Liegewagen. Vielleicht mit nur 4 Pritschen statt 6 pro Abteil. Sie sind in ihrere Einfachheit um Klassen besser als die "modernen" Schlafsessel, mit denen die Bahn uns heute quält, sofern sie überhaupt nachts unterwegs ist.
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