Öko-Hotels weltweit Frühstück mit dem Nektarvogel

Paradies-Fliegenschnäpper statt Plastikflaschen: Immer mehr Nobelherbergen kommen auf den grünen Zweig und machen mit Artenschutz, Null-Energie-Bilanz und umweltverträglichen Bauweisen von sich reden. Von den Projekten profitiert nicht nur die Natur, sondern auch der Gast.


In der Computerbranche gehört "Green IT" längst zum Grundvokabular, Autos von Detroit bis Rüsselsheim werden immer ökologischer, und im Supermarkt stehen Bio-Produkte in allen Regalen. Keine Frage: Konsum ohne einen Gedanken an den Umweltschutz ist Vergangenheit. Auch beim Reisen spielt das Prinzip der Nachhaltigkeit eine zunehmende Rolle - vor allem bei der Wahl der Unterkunft. Und im Unterschied zu früher, als derartige Ambitionen von Hotels eher in der billigeren Sparte verbreitet waren, erobert dieses Prinzip mittlerweile auch die teuersten Häuser. Man möchte meinen: gerade die teuersten Häuser.

Immer mehr Nobelherbergen entdecken ihr grünes Gewissen. Damit sind weder Bio-Säfte in der Minibar noch die Verbesserung der Mülltrennung gemeint, sondern weit größere Bemühungen wie drastische CO2-Einsparungen, autarke Energiegewinnung und die Fokussierung auf regionale Materialien, Nahrungsmittel und Baustoffe. Der Clou: Auf den gewohnten Komfort muss niemand verzichten.

Ganz vorne dabei ist die asiatische Hotelkette Shangri-La. So wurde etwa in dem 2009 auf den Philippinen eröffneten "Boracay Resort" das erste "Eco Centre" der Hotelkette integriert, inklusive eigenem Marinepark. Das "Shangri-La's Villingili Resort & Spa" auf den Malediven verfügt über sich automatisch abschaltende Klimaanlagen sowie eine Wasserentsalzungs- und Abfüllanlage, die Trinkwasser produziert und importierte Plastikflaschen sukzessive unnötig macht.

Um weitere ökologisch und sozial wertvolle Projekte voranzutreiben, wurde ein Corporate Social Responsibility Manager eingestellt. Davon profitieren auch die Resort-Gäste: Sie können an Bildungs- und Naturprogrammen teilnehmen, etwa bei den "Environmental Days", bei denen Touristen zusammen mit den Einheimischen den Strand säubern.

Selbst Hand anlegen kann man auch im kanadischen Fünf-Sterne-Deluxe-Camp "Clayoquot Wilderness Resort", einem der weltweiten Vorzeigemodelle in puncto Nachhaltigkeit. Statt zu Fernbedienung und Telefon - die gibt es hier nämlich nicht - greifen Urlauber zu Fernglas und Kanupaddel und helfen bei Projekten zum Adler- und Bärenschutz. Beim Klimaschutz wirkt man automatisch mit, denn das mitten in einem Biosphärenreservat gelegene Resort arbeitet dank effizienter Recyclingsysteme und Holzheizungen komplett umweltverträglich.

Paradies-Fliegenschnäpper und Oryx-Antilope

Wer im Internet die Reiseberichte zu diesen und anderen Öko-Unterkünften studiert, der wird feststellen: Die Maßnahmen zur Nachhaltigkeit wirken auch bei den Gästen nachhaltig und werden nicht selten als "Extra-Luxus" empfunden. Das weiß auch Enrico Ducrot, Geschäftsführer von "Eco Luxury", einem Unternehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, Luxustourismus mit Umwelt- und Sozialprojekten zu verbinden. Sein Credo: "Wir versuchen, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als wir sie vorgefunden haben."

Mit dieser Idee vereint er Politik, Bevölkerung und eben die Hotellerie - und das mit Erfolg. 2001 gestartet, zählt Ducrot 2011 bereits mehr als 125 Hotels zu seinen Mitgliedern, die sich auf unterschiedlichste Weise engagieren.

Zum illustren Reigen gehört unter anderem das "Wolgan Valley Resort & Spa" in den australischen Blue Mountains. Es verwendet nur lokale Baumaterialien, hat ein ausgeklügeltes Recycling-System und eine komplett "grüne" Energieversorgung.

Ein weiteres "Eco Luxury"-Mitglied ist North Island, eine kleine Seychelleninsel, auf der die elf Traum-Lodges wirken, als wären sie aus Strandgut erbaut - und trotzdem alles bezaubernd und komfortabel für Urlauber wie Kate und William, die hier ihre Flitterwochen verbrachten, arrangiert wird: Der Naturschutz hat oberste Priorität. Mit dem "Back To Paradise"-Programm kümmert man sich um die Wiederansiedelung vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Ganz oben auf der Liste: der Paradies-Fliegenschnäpper, ein beinahe ausgerotteter Vogel mit einem hübschen Gefieder.

Auch auf der nicht weit entfernt liegenden Cousine Island leben seltene Tiere wie die Seychellen-Riesenschildkröte, Nektarvögel und der Seychellendajal. Geht es nach Inselbesitzer Fred Keeley, soll jeder gewonnene Cent aus der Vermietung von Zimmern in den Naturschutz gesteckt werden. Auch wenn kein monetärer Profit generiert wird, gibt es einen Lohn: die Auszeichnung als "World Leading Green Destination" bei den World Travel Awards 2010. Die Jury begründete die Wahl mit der beinahe abgeschlossenen Umwandlung einer Plantage in den landschaftlichen Urzustand.

Die Natur spielt auch im Luxus-Zeltcamp "Al Maha Desert Resort & Spa" in den Emiraten eine große Rolle: Zur Anlage gehört ein 225 Quadratkilometer großes Schutzgebiet für die seltene Oryx-Antilope, die vor Ort mittlerweile sogar wieder gezüchtet wird. Auch bei der Energiegewinnung denkt man in größeren Dimensionen. Obwohl nur einige Kilometer weiter das Öl sprudelt, generiert das Resort seine Energie fast ausschließlich mittels Sonnenkollektoren.

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