Ökologischer Fußabdruck Deutsche Urlauber belasten Weltklima besonders stark

Deutsche reisen viel und gerne - und belasten das Weltklima mit ihrer Reiselust über alle Maßen. Das Berliner Ökoinstitut hat die "Klima-Fußabdrücke" von Urlaubern berechnet: Ein Pauschalreisender in Mexiko produziert 28-mal so viel CO2 wie ein Rügen-Urlauber.

Hamburg - Die als Reise-Weltmeister bekannten Deutschen belasten einer Studie zufolge besonders stark das Klima. Jeder Bundesbürger produziert mit seinen Reisen im Durchschnitt rund eine Tonne Kohlendioxid im Jahr, die restliche Welt bringt es nur auf ein Viertel, teilte die Naturschutzorganisation WWF am Montag mit. Die Menschen müssten ein größeres Bewusstsein über die Auswirkungen ihrer Reisen entwickeln und die Reiseindustrie den CO2-Ausstoß ihrer Angebote erkennbar machen, fordert der WWF.

Dabei stützt er sich auf eine vom Öko-Institut durchgeführte Studie zum sogenannten Klima-Fußabdruck. Das Institut in Berlin untersuchte die CO2-Emissionen von sieben typischen Urlaubsreisen der Deutschen. Ein Drittel aller 62 Millionen Urlaube, die die Deutschen 2007 unternommen hätten, entspreche einem der sieben Typen.

So wird bei einer Pauschalreise nach Mexiko etwa 28-mal so viel CO2 freigesetzt wie beim Familienurlaub auf Rügen: Bei einem zweiwöchigen All-inclusive-Urlaub in Mexiko pusten die Urlauber 7218 Kilogramm CO2 pro Person in die Luft. Die Rügen-Reise mit dem Auto produziert nur 258 Kilogramm CO2 pro Person.

Auch ein Gesundheitsurlaub im Allgäu mit Bahnanreise (297 Kilogramm) und eine Kulturreise mit dem Bus nach Oberitalien (216 Kilogramm) sind vergleichweise wenig schädlich für das Klima. Dafür schlagen auch eine Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer mit 1224 Kilogramm CO2 pro Person und ein Strandurlaub auf Mallorca mit 1221 Kilogramm zu Buche. Im Mittelfeld liegt ein Skiurlaub in den Alpen mit 422 Kilogramm CO2.

"Entscheidender Faktor ist das für die An- und Abreise gewählte Verkehrsmittel", sagte WWF-Tourismusexpertin Birgit Weerts. Klimakiller Nummer eins sei das Flugzeug. So werde das Klima bei einem Flug von Deutschland nach Mallorca ebenso sehr geschädigt wie durch ein Jahr Autofahren.

"Aber auch die Unterkunft, die Verpflegung sowie die Aktivitäten am Urlaubsort spielen durchaus eine Rolle", betonte Weerts. Zwar verursache beispielsweise bei der Mexiko-Modellreise der Flug mit fast 6,5 Tonnen CO2 den Löwenanteil, aber auch die Unterbringung in einem Fünf-Sterne-Hotel habe mit fast einer halben Tonne CO2 pro Person eine schlechtere Klimabilanz als der komplette zehntägige Urlaub im Allgäu.

Längere Urlaube bei Fernreisen

Nach Ansicht vieler Klimaforscher muss der Ausstoß an Treibhausgasen in den Industrieländern bis 2050 um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Auf jeden Deutschen entfielen dann laut WWF weniger als zwei Tonnen pro Jahr.

Die Naturschützer sehen die Reisenden in der Verantwortung. "Die Menschen müssen ihr Reiseverhalten bewusster gestalten", sagte Weerts. So sollten sie auf Umweltsiegel achten, nicht vermeidbare Emissionen mit hochwertigen Klimaschutzprojekten kompensieren und weniger und vor allem bei Fernreisen längere Aufenthalte planen: "Ist der Urlaubsort über 2000 Kilometer entfernt, sollte der Urlauber auch mindestens zehn Tage am Ort bleiben."

Gehe es nur darum, im Sommer einen Strandurlaub zu machen, sollten nähere Ziele bevorzugt werden. So gibt es selbst zwischen Reisezielen wie Mallorca und Ägypten in Bezug auf die Klimabelastung große Unterschiede. "Beide Ziele liegen zwar am Mittelmeer, die CO2-Emissionen sind bei der An- und Abreise nach Ägypten aber doppelt so hoch", erklärte Weerts.

In der Pflicht seien auch Reiseveranstalter und Fluggesellschaften. Die Unternehmen müssten eine klare "Klima-Transparenz" für jede Reise bieten. "Verbraucher müssen schon im Reiseprospekt über die Umweltfolgen eines Urlaubs informiert werden", forderte Weerts.

abl/AP/dpa

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