Oktoberfest Endspurt zum Anstich

Noch wird gehämmert, geschraubt und gestrichen auf der Münchner Wiesn. Einen Tag vor dem traditionellen Anstich am Samstag um Punkt 12 Uhr sind die riesigen Bierzelte menschenleer. Für Handwerker, Lieferanten und Schausteller hat der Endspurt begonnen.


Promille-Testerin auf der Wiesn: Bereit für das Oktoberfest 2005
DDP

Promille-Testerin auf der Wiesn: Bereit für das Oktoberfest 2005

München - Flink knüpfen zwei Frauen Stoffteddys auf Schnüre, daneben räumt ein Süßigkeitenverkäufer aus riesigen Schachteln die typischen Lebkuchenherzen in seinen Stand - mit Aufschriften wie "I mog di" oder hochdeutsch "Ich mag dich". "Ich fühle mich auf ungehörige Weise unter Druck gesetzt", sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) schmunzelnd. Zwei Hammerschläge hatte Festleiterin Gabriele Weishäupl gestern als Losung für den Anstich ausgegeben. Udes Rekord aus dem Jahr 2000 liegt bei zwei Schlägen und einem "Sicherheitsschlag".

Und nicht nur auf den Oberbürgermeister warten beim 172. Oktoberfest besondere Herausforderungen. Ein "herausragendes Thrill-Erlebnis" versprach Weishäupl den Besuchern mit Blick auf den "Star Flyer". Der Kettenflieger mit 35 Metern Höhe ist eine der Neuerungen auf der Wiesn. Die erwarteten Millionen Gäste sollen nach dem Wunsch der Verantwortlichen aber auf dem Boden bleiben. Denn laut Stadtratsbeschluss dürfen die Wirte in den Festzelten vor 18 Uhr keine aufheizenden Partylieder mehr spielen. Und auch ein neuer Wiesn-Hit ist noch nicht in Sicht.

Letzte Vorbereitungen: Figur eines Aloysius, Held des bayerischen Lustspiels
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Auch die Sicherheitskräfte bereiten sich auf das weltgrößte Volksfests vor. Der Oberbürgermeister sagte, es gebe "zum Glück überhaupt keine Hinweise auf eine verschärfte oder andere Sicherheitslage als sonst". Nach 5,9 Millionen Gästen im vergangenen Jahr sei es aber wichtig gewesen, die Fluchtwege und das Durchkommen der Ordnungsdienste zu verbessern und die Wiesn von Hindernissen zu entrümpeln. "Was menschenmöglich ist, ist getan", sagte Ude.

Weil beim Oktoberfest traditionell viel Bier getrunken wird - im vergangenen Jahr waren es rund 5,5 Millionen Mass - gibt es laut Weishäupl in diesem Jahr 20 Prozent mehr Toiletten. "Die Millionen Mass Bier müssen ja auch wieder raus, da ist die Toilettenfrage enorm wichtig", sagte die Festleiterin. Die geplante Installation von Störsendern, um die Unsitte des Telefonierens auf dem stillen Örtchen zu unterbinden, ist nach Angaben von Wirtesprecher Toni Roiderer an rechtlichen Vorgaben gescheitert. "Meine größte Sorge gilt dem Wetter", sagte der Oberbürgermeister. Allerdings dauert die Wiesn wegen des Feiertags am 3. Oktober 17 Tage, und damit sei es möglich, selbst einen verregneten Start noch auszugleichen.

Ursula Quass, ddp



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